, daß du den Wunsch besäßest , mich zu sprechen . Wer ist es nun , der Audienz erteilt ? Wer ist der Wünschende , und wer ist der Gewährende ? Und eine Gunst ? Von dir ? Für mich ? Du bist verrückt ! Doch wird es mir vielleicht ergötzlich sein , zu hören , was die Narrheit von mir fordert . Drum sprich ! « Täuschte ich mich , oder war es wirklich so ? Seine Höhe nahm wieder ab , auch seine Breite . Und seine Stimme klang nicht so voll und so gebieterisch wie vorher , als er jetzt erwiderte : » Du sprichst ja ungeheuer stolz , Ustad ! Doch werde ich dich schnell zur Demut bringen . Du bist der Erste nicht und sicherlich auch nicht der Letzte ! Ich weiß es , was geschah , als du den Berg betratest , das Reich des Zauberers , des Schwachheitshassenden zu sehen . Man warnte dich . Man sagte dir , daß du nur zwischen Schatten oder Tod zu wählen habest . Du kamst trotz alledem . Nun bist du mir verfallen . Nun wähle ! « » Wählen ? « fragte ich . » Wer kann es wagen , mich vor eine Wahl zu stellen , die mir von dem , was mir beliebt , nichts bietet ! Gibt es hier eine Wahl , so lautet sie : Du oder ich ; nichts weiter . Natürlich wähl ich mich ! « Da trat er mir wieder einen Schritt näher und fragte mich in giftig zischendem Tone : » Nicht Schatten willst du sein ? Der Schatten von mir , der ich der Herr und Meister bin , dem Keiner widersteht ? « » Versuch es doch , ob ich nicht widerstehe ! « » So bleibt dir nur der Tod ! « » Der eine deiner größten Lügen ist ! « lachte ich . » Mit diesem Tode konntest du nur jene schwachen Köpfe schrecken , die nicht erkannten , daß er nur ein Hirngespinst zu ihrer Knechtung sei . Indem sie ihren Leib vor dieser Vogelscheuche retten wollten , verfielen sie dem Geist- und Seelenmorde . Zeig mir doch diesen Tod , den lächerlichen Schatten , den nur das Leben der Betrognen wirft , weil ihm das falsche Licht der Lüge leuchtet ! « » Du hast ihn schon gesehen ! « rief er aus . » Ich stand von Weitem , als du öffnetest und ihm ins kalte , feuchte Antlitz schautest . Wagst du vielleicht , es noch einmal zu tun ? « Da riß ich die Tür auf , zeigte hinaus und sagte : » Geh doch voran , zu zeigen , wo er steht ! Hast du den Mut ? Ich laß nicht auf mich warten ! « Es stieg bei diesen Worten in mir ein Entschluß auf . Woher er kam ? Ich weiß es nicht . Wohin er führte ? Hier durch diese Tür . Ich fühlte , daß seine Kühnheit mir die Wangen rötete und meine Augen leuchten ließ . Und während ich dies empfand , kam mir im Traume das Bewußtsein , daß ich träume und daß ich ich und nicht der Ustad sei . Sonderbar ! Auch in den Zügen meines Gegners ging eine sichtbare Veränderung vor . Er sah mich starren Blickes an , erst überrascht , dann verwundert , staunend , endlich gar betroffen . War es ein Wehe- oder ein Jubelruf , den ich hierauf von seinen Lippen hörte : » Ustad , Ustad - - - was ist mit dir ? ! - - - Dein Gesicht wird ein ganz anderes ! - - - Du bist nicht mehr der Ustad , nein , nein - - - nein ! - - - Wer aber bist du denn ? Etwa der fremde Effendi , der jetzt bei ihm im hohen Hause wohnt und unten im Birs Nimrud verwegen in die Tiefe stieg , um ihr Geheimnis an das Licht zu bringen ? « » Ja , der bin ich , « antwortete ich . » Doch träumte ich bisher , daß ich der Ustad sei . « Da sprang er auf mich zu , faßte mich am Arme , schüttelte mich und schrie : » Du träumst , du träumst und bist ein Anderer ! Was soll geschehn ; was habe ich zu tun ! Ich weiß es nicht ; ich weiß es wahrlich nicht ! Wach auf ; wach auf ! Ich öffne dir sofort des Berges Tore ! Du sollst nicht Schatten sein und auch nicht sterben ! Nur eile fort von hier ! Ich selbst will dich hinaus ins Freie lassen , damit dein Traum ein frohes Ende nimmt und du zu deinem Körper wiederkehrst , damit er jetzt erwache ! « Da schob ich ihn von mir , sah ihm ruhig in das erregte Angesicht und entgegnete : » Dieser Körper ruht in Frieden . Er mag weiterschlafen ! Warum soll ich nicht vollenden , was ich begonnen habe ? Ich bleibe hier ! Grad deine Angst zeigt mir , daß ich es bin , der hier Audienz erteilt ! Ich fordre jetzt von dir , daß du erfüllst , was du mir drohtest : Mach mich zum Schatten , oder töte mich ! Tu das , was du von Beiden fertig bringst ! « Da zog sich seine Gestalt noch weiter zusammen . Doch versuchte er , seiner Stimme die alte Kraft zu geben , als er mir versicherte : » Wenn du hierauf bestehst , so bist du verloren , denn ich habe die Macht , Beides wahr zu machen ! Indem ich dir folgte , ließ ich sämtliche Fackeln hinter dir auslöschen und verbergen . Du hast die einzige in deiner Hand , und sie ist nur noch ein kleiner Stumpf , der kaum noch einige Minuten brennen wird . Dann kannst du meine Schatten nicht mehr scheuchen . Sie drängen sich an