schwach in Wahrheit die Position des Gegners war , so bewahrte ihn doch seine Redlichkeit davor , auf Vorschläge einzugehen , die ihm nützten , aber seine Leute schädigten . Mit trotziger Zähigkeit , ein Erbteil seines Vaters , hielt er , ohne sich auf die Redensarten des anderen einzulassen , an seiner Forderung fest . Alle Ungeduld nutzte dem Inspektor nichts , seine Vorstellungen drangen in diesen harten Bauernschädel nicht ein . So ging man auseinander , ohne daß es zu einer Einigung , gekommen wäre . Am nächsten Morgen schliefen die Streikenden aus . Während die Gespanne des Vorwerks an der Kaserne vorüberratterten , legten sie sich noch einmal gemütlich aufs andere Ohr . Häschkekarl war in übermütigster Laune . Die Sache ging ausgezeichnet . Drüben auf dem Hofe hatte er in Erfahrung gebracht , daß der Inspektor in größter Schwulität sei . Wer sollte ihm die Ernte einbringen ? Das Getreide mußte ja auf dem Halme faulen , wenn die Hände der Sachsengänger feierten . Häschke hätte am liebsten die Gelegenheit benutzt , um noch ganz andere Forderungen zu stellen . Nur um Gottes willen nicht bescheiden sein ! Den Arbeitgebern seine Bedingungen diktieren ! Der großbrodigen Gesellschaft mal zeigen , daß der Arbeiter am Ende des neunzehnten Jahrhunderts kein Fronknecht mehr sei . Es war Zeit , daß der kleine Mann seinen Vorteil wahrnahm ; bisher hatten die Großen , die » Lerchenfresser « , nur immer von allem das Fett abgeschöpft . Aber derartige Ansinnen scheiterten an Gustavs maßvollem Sinn . Er wollte nichts haben , als was sie mit gutem Rechte fordern durften . Die politischen Prinzipien , die sein Freund Häschke bei dieser Gelegenheit durchsetzen wollte , ließen ihn kalt . Das waren gefährliche Ideen , die jener auf der Landstraße aufgelesen ; von denen hielt man sich besser fern . Ohne es zu wissen , vertrat der Bauernsohn die angeborene konservative Gesinnung des Landmannes dem vagierenden Kinde der Straße gegenüber , das in Pennen , Fabriksälen und Versammlungen sich mit einer auf Umsturz gerichteten Anschauung erfüllt hatte . - Noch im Laufe des Morgens erschien der Inspektor persönlich in der Kaserne . Er verlangte den Aufseher nochmals zu sprechen . Die Verhandlung währte diesmal nur kurze Zeit . Die Forderungen der Arbeiter wurden bewilligt . Eine Stunde darauf schon hatten die Leute ihre Arbeit wieder aufgenommen . IV. Die Wanderarbeiter waren in der Weizenernte beschäftigt . Das Feldstück gehörte zu den Außenschlägen des Vorwerks und lag ziemlich weit von der Kaserne entfernt . Der Aufseher hatte daher angeordnet , daß mittags nicht heimgegangen werde . Um das Essen für die Leute aufs Feld zu bringen , wurde meist eines der Mädchen entsandt . Heute war Ernestine daran . Als die Turmuhren der Nachbarschaft ihre zwölf Schläge taten , warf man die Sensen hin . Jeder suchte sich ein Fleckchen im Straßengraben . Dort ruhten sie , die Männer mit den Jacken unter dem Kopfe , die Mützen über dem Gesichte , zum Schutze gegen die Augustsonne . Die Frauen mit bloßen Armen und Füßen , in ihren bunten Kopftüchern . So lagen sie im grellen Mittagslicht und warteten auf das Mittagsbrot . Zum Reden hatte niemand Lust . Bleierne Schläfrigkeit lastete auf den Ermatteten . Es war nichts Kleines , von früh um vier Uhr bis mittags , mit einer Unterbrechung von nur einer halben Stunde , Getreide mähen , abraffen , binden und aufstellen . Häschke hatte sich nicht mit in den Graben gelegt zu den anderen ; unbemerkt war er beiseite getreten . Erst langsamer , solange er im Gesichtsfelde der Genossen war , dann mit weitausgreifenden Schritten , wie einer , der mit Eifer einem ersehnten Ziele zustrebt , eilte er in der Richtung nach der Kaserne hinab . Nach einiger Zeit erblickte er die Gestalt , nach der er schon lange ausgeschaut hatte : Ernestine , die in zwei Henkelkörben das Essen herantrug . Häschkekarl stieß einen Freudenschrei aus und eilte ihr in langen Sätzen auf dem Feldwege entgegen . Sie hatte die Körbe niedergesetzt , sobald sie den bärtigen Burschen auf sich zukommen sah , erwartete ihn , die Hände auf die Hüften gestemmt . Erschreckt schien sie nicht . Im Gegenteil ! Sie lachte über das ganze Gesichte , zeigte ihre Perlenzähnchen . Er umfaßte sie , hob sie ein paarmal um und um und raubte ihr einen Kuß , ohne daß sie , wie es den Anschein hatte , in solchem Verfahren etwas Ungewohntes erblickt hätte . Sie zupfte sich das rote Kopftuch zurecht , das ihr zurückgerutscht war , und meinte dann , er solle ihr die Körbe tragen , sie habe sich nun genug damit geschleppt . Häschkekarl war der letzte , um solch eine Bitte zu verweigern ; aber eigentlich hätte er die Hände lieber frei behalten . Sie setzten sich in Bewegung . Das Mädchen ging mit leichten Schritten vor ihm her . Seine Augen verschlangen ihre Gestalt . Was machte es ihm , daß ihre Füße bestaubt waren , daß ihr einfaches Kleid die Spuren der Feldarbeit an sich trug . Sein Blick durchdrang die Hüllen , erkannte das Weib , das er begehrte , so wie sie war . Häschke , der Leichtfertige , hatte seine Meisterin gefunden . Um Ernestines willen war er in Halbenau geblieben , um ihretwillen hatte er sich den Sachsengängern angeschlossen ; nur um dieses Mädchens willen hatte er es solange bei einer Beschäftigung ausgehalten . Die kleine Ernestine war sich der Macht vollkommen bewußt , die sie über den Mann ausübte . Trotz ihrer siebzehn verstand sie es , seine Wünsche im Zügel zu halten . Er hatte das Ziel seines Verlangens noch nicht erreicht . Ernestine hatte stets ihren Kopf für sich gehabt . Eine gewisse Selbstachtung war ihr eigen , die sonst nicht ein hervorstechender Zug bei Landmädchen ist . So , wie Toni , sich wegwerfen an den ersten besten , das sollte ihr nicht passieren ! - Sie hatte