sollte . Er blieb mitten auf dem Wege stehen , blinzelte zum Monde hinauf , der eben die Finsterniß einer breitleibigen Wolke überwunden hatte und wieder in seinen flimmernden , stahlblauen Aethersee schoß . Adam gab sich alle Mühe , Lydias Gesicht im Geiste deutlich vor sich zu schauen . Es gelang ihm nicht , manchmal blitzte es vor ihm auf , jetzt glaubte er sie deutlich zu fassen , wie sie zu ihm sagte : » Ja ! Du mußt sehr unglücklich sein , Adam - « , aber nur eine Sekunde war ' s , Alles verschwamm wieder , die Linien der Züge wollten sich in der Erinnerung nicht zurückgewinnen lassen , und auch der Ton ihrer Stimme , auf den Adam horchte , ganz still , mit verhaltenem Athem horchte , flirrte nur in undeutlichen : Surren an ihm vorüber . Wie weit war sie ihm , wie wenig intim und unverlierbar gehörte sie ihm , wie nachlässig hatte er im Geiste ihren Besitz gehütet ! Hier und da , von den Bänken her in den Waldnischen , an den Wegen , an den breiten und schmalen Pfaden , gab es leise flüsternde Stimmen . Menschen zu Zweien und Mehreren , schritten still an Adam vorüber , manchmal war ' s dem , als träumte er , als wäre er emporgehoben und schwebte dahin , so leicht erschien ihm auf kurze Spannen das Gehen im dünnen , feinen Staubmehle des Weges . Es war doch Alles sehr merkwürdig auf der Welt , man konnte darüber still vergnügt lächeln , alles Vielfältige , Zerrissene und Vertheilte stand jenseits dieses verschollenen Reiches , in dem man so ganz vergessen durfte , daß es sehr rauhe Reibungen gab und so viele Ecken , Kanten und Spitzen , an denen man sich verwunden sollte . Nun setzte sich Adam auf eine Bank , die gerade leer war . Er dehnte behaglich die Beine weit vor sich hin , steckte die Hände in die Hosentaschen und brütete , nur die leisesten Wirbel in der Seele , vor sich hin , das kleine Stück Ringsum mehr von unten herauf anblinzelnd . Vor ihm lag eine große Wiese , hoch , dicht , üppig standen die Gräser und Kräuter , darüber plänkelte ein dünner , zartwolkiger , grauweißer Nebel , dazu das blasse , verschämt tastende Aschenlicht des Mondes . Von jenseits der Wiese , aus einem Garten wohl hinter der dortigen Waldwand , kam verhaltene Musik , der Wind schob verzettelte Töne vernehmbarer dem Lauschenden heran , der Ruf eines Nachtvogels stieg aus den Lufthöhen nieder . Nun schwieg die Musik . Ein zusammengeschmiegtes Pärchen , das sich in brünstiger Hingegebenheit mehr trug als führte , schleifte sich , laut athmend und erregt tuschelnd , vorbei , es verschwand im Walde . Durch die Gräser und Kräuter der Wiese strich ein murmelnd aufblätternder und raschelnd niedersegnender Nachtwind . Adam war ganz allein , überantwortet den sanften Gewalten der schwülen Sommernacht . Er wurde müde , sprach in bunter Willkür Allerlei vor sich hin , fuhr wieder empor , betastete mit halblauten Worten seine verworrenen Gedanken , schüttelte den Kopf und ließ sich vom Schlafe wiederum übermannen ... Unterweilen wuchs die Sommernacht , Adam Mensch schlief , im Walde , auf einer Bank am Wege , als hätte er , wie Unzählige seiner Brüder und Schwestern , keine andere Stätte , da er sein Haupt niederlegen könne . Und er war doch heute erst im Schooße der Schönheit und des Reichthums eingekehrt . - Eine Stunde wohl saß so Adam in sich zusammengekrümmt da und schlief . Nun mochte ein kühlerer Athemzug des Nachtwindes an ihm gezupft und ihn geweckt haben . Er schlug die Augen langsam auf , starrte verblüfft seine Umgebung an und richtete sich aus seiner halbliegenden Stellung immermehr in die Höhe . Allmählich kam ihm das Bewußtsein seiner Situation . Er lächelte ein klein Wenig , war aber doch sehr mürrisch und suchte nach einer beißenden Glosse auf sich . Er fand keine kräftige , pointirte Wendung , die geistige Münzkraft schien , sich ihm ganz entzogen zu haben . Seine Glieder waren schwer und steif , ein prickelndes Frösteln durchzitterte ihn , seine Augen brannten , seine Stirn war heiß , dicht über den Augen lag ein harter Druck mit trockenem , mechanischem Schmerze . Nun zog er den Hut , der sich arg verschoben hatte , in seine gewöhnliche Lage zurück , knöpfte seinen Rock zu und stand auf . Das Gehen wurde ihm schwer , er konnte den Kopf nicht bewegen , wie er wollte , der Hals war ganz gesteift . Adam sah nach der Uhr , es war nach Mitternacht . Er suchte nach einer Cigarre , gleichsam um außer sich etwas Fremdes , etwas Anderes zu haben , Etwas , das ihn begleitete , das diese Einsamkeit , diese grenzenlose Einsamkeit , die ihn zu erdrücken drohte , zerstreute , unterbrach , verscheuchte , wenigstens mit ihm theilte . Er hatte keinen Genuß an der Cigarre , aber das rothe , runde Auge ihrer Brandstätte tröstete ihn . Mit großen , eiligen Schritten suchte er aus dem Bereiche des Waldes zu entkommen . Die große , monotone , aber ergreifende Poesie der Sommernacht bewegte ihn nicht mehr . Die leidende Creatur konnte nicht über sich hinausgehen . Nun war er wieder in der Stadt , er hatte das Pflaster wieder unter den Füßen , die flankirenden Häuser schienen , wie ein geheimnißvoller Schutz , eine innige Beruhigung auszuathmen . Die lähmende Dumpfheit , die auf ihm gelegen hatte , wich zurück , das Nervenleben erhöhte sich wieder , die Sinne wachten auf , das Leben pulste von Neuem , wenn auch immer matt noch und stockend . Das heftige Laufen hatte ihn angestrengt , eine schwüle , schweißige Schwere lag in seinen Gliedern . Jetzt wollte Adam endlich nach Hause gehen . Es war Zeit dazu . Allerdings , ob er würde schlafen können