nicht mehr erreichen als deine Hilfe , weil nichts ohne sie . Wenn Belisar umkehrt , so gehst du ganz mit uns und unbedingt ? « » Unbedingt . « » Und Amalaswinthen ? « » Geb ' ich preis . « » Wohlan , « sagte der Byzantiner , » es gilt . « Er schrieb auf eine Wachstafel in kurzen Worten den Befehl zur Heimkehr an Belisar und reichte sie dem Präfekten : » Du magst die Botschaft selbst bestellen . « Cethegus las sorgfältig : » Es ist gut , « sagte er , die Tafel in die Brust steckend , » es gilt . « » Wann bricht Italien los auf die Barbaren ? « fragte Petros . » In den ersten Tagen des nächsten Monats . Ich gehe nach Rom . Leb ' wohl . « » Du gehst ? Und hilfst uns nicht das Weib - die Tochter Theoderichs verderben ? « fragte die Königin mit bittrem Vorwurf . » Erbarmt dich ihrer abermals ? « » Sie ist gerichtet , « sagte Cethegus , an der Tür sich kurz umwendend . » Der Richter geht - der Henker Amt hebt an . « Und stolz schritt er hinaus . Da faßte Theodahad , der sprachlos vor Staunen den Byzantiner hatte handeln sehn , mit Entsetzen dessen Hand : » Petros , « rief er , » um Gott und aller Heiligen willen , was hast du getan ? Unser Vertrag und alles ruht auf Belisar und du schickst ihn nach Hause ? « » Und läßt diesen Übermütigen triumphieren ? « knirschte Gothelindis . Aber Petros lächelte : der Sieg der Schlauheit strahlte auf seinem Antlitz . » Seid ruhig , « sagte er , » diesmal ist er überwunden , der Allüberwinder Cethegus , besiegt von dem verhöhnten Petros . « Er ergriff Theodahad und Gothelindis an den Händen , zog sie nahe an sich , sah sich um , und flüsterte dann : » Vor jenem Brief an Belisar steht ein kleiner Punkt : der bedeutet ihm : all das Geschriebene ist nicht ernst gemeint , ist nichtig . Ja , ja , man lernt , man lernt die Schreibekunst am Hofe von Byzanz . « Viertes Kapitel . Zwei Tage nach der nächtlichen Begegnung mit Theodahad und Petros verbrachte Amalaswintha in einer Art von wirklicher oder vermeinter Gefangenschaft . So oft sie ihre Gemächer verließ , so oft sie einbog in einen Gang des Palastes , jedesmal glaubte sie hinter oder neben sich Gestalten auftauchen , hingleiten , verschwinden zu sehen , die ebenso eifrig bedacht schienen , all ihre Schritte zu beobachten als sich selbst ihren Blicken zu entziehen : kaum zu dem Grabe ihres Sohnes konnte sie unbewacht niedersteigen . Umsonst fragte sie nach Witichis , nach Teja : sie hatten gleich am Morgen nach dem Krönungsfest in Aufträgen des Königs die Stadt verlassen . Das Gefühl , vereinsamt und von bösen Feinden umlauert zu sein , ruhte drückend auf ihrer Seele . Schwer und düster hingen am Morgen des dritten Tages die herbstlichen Regenwolken auf Ravenna herab , als sich Amalaswintha von dem schlummerlosen Lager erhob . Unheimlich berührte es sie , daß , als sie an das Fenster von Frauenglas trat , ein Rabe krächzend von dem Marmorsims aufstieg und mit heiserem Schrei und schwerem Flügelschlag langsam über die Gärten dahinflog . Die Fürstin fühlte schon daran , wie geknickt ihre Seele war durch diese Tage von Schmerz , Furcht und Reue , daß sie sich des finstern Eindrucks nicht erwehren konnte , den ihr die frühen Herbstnebel , aus den Lagunen der Seestadt aufsteigend , brachten . Seufzend blickte sie in die graue Sumpflandschaft hinaus . Schwer war ihr Herz von Reue und Sorge . Und ihr einziger Halt der Gedanke , durch freie Selbstanklage und volle Demütigung vor allem Volk das Reich noch zu retten um den Preis ihres Lebens . Denn sie zweifelte nicht , daß die Gesippen und Bluträcher der drei Herzoge ihre Pflicht vollauf erfüllen würden . In solchen Gedanken schritt sie durch die öden Hallen und Gänge des Palastes , diesmal , wie sie glaubte , unbelauscht , hinunter zu der Ruhestätte ihres Sohnes , sich in den Vorsätzen der Buße und Sühne an ihrem Volk zu befestigen . Als sie nach geraumer Zeit aus der Gruft wieder emporstieg und in einen dunkeln Gewölbgang einlenkte , huschte ein Mann in Sklaventracht aus einer Nische hervor - sie glaubte sein Gesicht schon oft gesehen zu haben - drückte ihr eine kleine Wachstafel in die Hand und war seitab verschwunden . Sie erkannte sofort - die Handschrift Cassiodors - . Und sie erriet nun auch den geheimnisvollen Überbringer : es war Dolios , der Briefsklave ihres treuen Ministers . Rasch die Tafel in ihrem Gewande bergend eilte sie in ihr Gemach . Dort las sie : » In Schmerz , nicht in Zorn , schied ich von Dir . Ich will nicht , daß Du unbußfertig abgerufen werdest und deine unsterbliche Seele verloren gehe « . Flieh aus diesem Palast , aus dieser Stadt : dein Leben ist keine Stunde mehr sicher . Du kennst Gothelindis und ihren Haß . Traue niemand als meinem Schreiber und finde Dich um Sonnenuntergang bei dem Venustempel im Garten ein . Dort wird Dich meine Sänfte erwarten und in Sicherheit bringen , nach meiner Villa im Bolsener See . Folge und vertraue . Gerührt ließ Amalaswintha den Brief sinken : der vielgetreue Cassiodor ! Er hatte sie doch nicht ganz verlassen . Er bangte und sorgte noch immer für das Leben der Freundin . Und jene reizende Villa auf der einsamen Insel im blauen Bolsener See ! Dort hatte sie , vor vielen , vielen Jahren , als Gast Cassiodors , in voller Blüte der Jugendschönheit , Hochzeit gehalten mit Eutharich , dem edeln Amalungen , und , von allem Schimmer der Macht und Ehren umflossen , ihrer Jugend stolzeste Tage gefeiert . Ihr sonst so