die Welt so gut . Und niemandem konnte man es übelnehmen , wenn er es sich in dieser drolligen Welt so bequem als möglich machte ! Der Edle Dietrich Häußler von Haußenbleib war vollkommen berechtigt , auf dieser Schaubühne den Patriarchen zu agieren , und wurde so häufig als Muster und verehrungswürdiges , nachahmenswertes Beispiel höchsten irdischen Strebens und Erreichens aufgestellt , daß selbst der Junker von Lauen aus Krodebeck sich allgemach daran gewöhnte , ihn derartig loben zu hören . Von dem Schüdderump wußte niemand etwas . Von dem Schüdderump hatten ja überhaupt in diesem Buche nur der Ritter und Leutnant Karl Eustachius von Glaubigern und sein Pflegekind , die Tochter der schönen Marie Häußler aus dem Siechenhause zu Krodebeck , mehr als nur eine Ahnung . Es kann hier nicht unsere Aufgabe sein , die einzelnen Perlen der Schnur zu zählen und sie in der Sonne glitzern zu lassen ; sie haben doch nur in ihrer Gesamtwirkung ihren Einfluß auf den Lauf unserer Geschichte und selbst auf den Junker Hennig von Lauen . Was kümmert uns z.B. jener Herr , welcher mit Seiner Päpstlichen Heiligkeit auf einem solchen guten Fuße stand , daß er jedem , welcher es verdiente , den Orden des Goldenen Sporns verschaffen konnte ? Es war ein sehr interessanter Herr , ein sehr liebenswürdiger und würdiger Herr ; allein obgleich Hennig ihm mit Vergnügen zuhörte , war er , Hennig , doch noch bescheiden genug , um zu erklären , daß er sich keiner so auffälligen Verdienste um das Erbteil des heiligen Petrus bewußt sei , um auf die freundlichen Vermittlungen des Herrn Barons irgendwelchen Anspruch zu haben . Aber er besuchte den Herrn Baron in seiner eleganten Wohnung und traf daselbst andere Herren , welche ihn wiederum mit anderen Herren bekannt machten , und so fühlte er sich binnen kürzester Frist dem Herrn Baron zu mannigfachem Dank verpflichtet . Von den Damen , gegen welche Hennig sich gleichfalls bald in der verschiedensten Weise verpflichtet fühlte , wollen wir noch weniger reden . Sie rühmten sich alle ihrer guten Seiten ; aber auch meistens des Gegenteils derselben . Von allen Lebensaltern und Lebensstellungen , waren sie fast alle mit einem Stück mehr oder weniger mythischer Lebensgeschichte behaftet , und ihre Vergangenheit war selten danach angetan , daß sie einer schönen Vertraulichkeit in der Gegenwart Abbruch getan hätte . Aller Zukunftsgedanken entschlugen sie sich gern und eilig , und das war sehr verständig , denn die Zukunft ist am Ende keines Menschen Freund und am wenigsten die Freundin der schönen Damen , und das nicht bloß in Wien , sondern auch in Ahala und rund um den Erdenball herum . Worüber könnten wir noch schweigen ? Natürlich über die hohe und niedere Finanz , die selbstverständlich eine hervorragende Stellung in dem abenteuerlichen Kreise des Hauses auf der Laimgruben einnahm . Aber auch die Kunst in ihren verschiedensten Verzweigungen bietet uns eine treffliche Gelegenheit , unser Manuskript abzukürzen ; und gerade hier müssen wir vor allen Dingen den Finger auf den Mund legen , denn der Edle Dietrich Häußler von Haußenbleib , welcher selbst sein Leben so künstlerisch abgerundet hatte , galt diesen Künstlern als ein großer Mäzen , und sein Name hatte den besten Klang auf ihren Zungen . Ach , wir schweigen wohl ; aber die Herrschaften sprachen alle sehr laut für sich selber , und sie imponierten dem Junker von Lauen , was auch das Kind aus dem Siechenhause zu Krodebeck und er selbst dagegen einwenden mochten ! Das war ein anderer Verkehr als auf dem Lauenhofe in Krodebeck , in der berühmten Stadt des guten Vaters Gleim , ja selbst ein anderer Verkehr als in der sonderbaren Stadt Berlin an der Spree . Die Bauern und der Pastor Buschmann nördlich vom Blocksberg , die schon außer sich vor Respekt gerieten , als sie den Edlen , den sie doch in seiner Jugend gekannt hatten , wieder zu Gesicht bekamen , was würden sie zu allen den Herren und Damen gesagt haben , welche in dem Hause des Edlen aus und ein gingen und die sie nicht in ihrer Jugend gekannt hatten ? Ob wohl der Pastorenfranz diesen gnädigen Frauen gegenüber auch von dem Wege zur Gnade geredet haben würde ? Sicherlich nicht ! Er wäre fest überzeugt gewesen , daß sie denselben längst gefunden hätten ; - bescheidentlich würde er sein evangelisch gescheitelt Haupt ihnen entgegengeneigt und höchstens den Wunsch ausgesprochen haben : ihnen mit sanften Schritten auf ihrem Pfade nachwandeln zu dürfen . Der Pastorenfranz hätte gewiß nicht seinem Junker einen Vorwurf daraus gemacht , daß derselbe sich ohne viel Sträubens in den bunten Tanz hineinziehen ließ . Er würde unzweifelhaft mit Vergnügen selber der nächsten Nachbarin auf der Stelle die Hand gereicht haben und hätte nachher bei gehöriger Muße eine Abhandlung über das Weib in Scharlach auf dem rosenfarbenen Tier mit den sieben Köpfen und zehn Hörnern geschrieben . Vielleicht würde man ihn dann auf diese Abhandlung hin in Halle zum Doktor der Theologie gemacht haben - so wäre man durchaus nicht aus der Apokalypse herausgefallen , und alles hätte den Weg genommen , den es auf dieser muntern Erde zu nehmen pflegt . Fort damit ! Ein ander Gesicht steigt uns in der Seele empor . Der Abend ist klar und still , die Sonne sinkt eben hinter die Vorhügel der Herzynischen Berge . Die alte Hanne Allmann sitzt am offenen Fenster ihrer Hütte und hält ein kleines Mädchen auf dem Schoße . Jetzt klingeln vom Walde her die Glocken der nach Haus zurückkehrenden Herden . Da kommen die guten Freunde der armen Hanne , da kommt das liebe Vieh , und die besten Bekannten darunter treten nach alter guter Gewohnheit näher , recken die Hälse und legen die feuchten blasenden Schnauzen auf das Fenstergesims . Vielleicht tritt auch Jane Warwolf aus dem Staubgewölk auf der Heerstraße mit ihrem hellen , kratzbürstigen » Glück auf ! « . Es ist alles eins - man kennt einander und versteht einander