, wie sein Gebieter ihn angelassen hatte . » Lieber Freund , « sagte sie beschwichtigend , » in einem Augenblicke , wo ein großer Seelenschmerz uns beherrscht , berührt uns die Außenwelt entweder gar nicht oder sie wird uns peinlich ; wir fühlen uns abgestoßen dadurch , daß in ihr sich alles nach wie vor unbeirrt abwickelt , während unsere innere Welt schwankt und aus dem Geleise getrieben ist . Herr von Walde mag den Verunglückten wohl sehr geliebt haben ... Aber mein Gott , Elisabeth , was thun Sie denn ? « unterbrach sie sich selbst . » Meinen Sie wirklich , daß das hübsch aussieht ? « Sie deutete auf die Guirlande . Elisabeth hatte nämlich , während Reinhard sprach , mit zitternden Händen einige dickköpfige Dahlien ergriffen und dieselben dem schlanken , bis dahin einförmig grünen Gewinde einverleibt . Es war in der That ein arger Mißgriff , auf den sie selbst mit erstaunten Augen und hochgeröteten Wangen niedersah . Die armen Dinger wurden sofort wieder von dem weichen , grünen Pfühle entfernt , an den sie sich behaglich geschmiegt hatten , und mit einer Strenge behandelt , als hätten sie sich eigenmächtig vorgedrängt . Es hatte schon längst auf dem Lindhofer Kirchturme drei geschlagen , als Elisabeth den Berg hinabeilte . Der Onkel hatte sie im Gespräche festgehalten ; er war unwirsch darüber , daß sie der Einladung folgen wollte . » Denn , « meinte er , und zwar nicht mit Unrecht , » das arme Wesen , welches heute eingesenkt werden soll , verdiene es schon , daß man wenigstens einen Tag seinem Andenken allein weihe . « Er hatte freilich keine Ahnung von dem , was in dem Herzen des jungen Mädchens vorging . Er wußte nicht , daß sein kleiner Liebling in den letzten Tagen sehnsüchtig Stunde auf Stunde gezählt hatte , deren jede den Augenblick ja näher rücken mußte , da es heißen würde : » Er ist wieder da ! « und mußte es erleben , daß sein sonst so gehorsames Herzblatt unter seinen Händen wegschlüpfte und wie ein Sturmwind durch das Mauerpförtchen flog . Ihre Füße berührten kaum die Erde . Sie hoffte , durch rasches Laufen den Zeitverlust einigermaßen zu ersetzen , aber beinahe hätte sie Thränen der Ungeduld vergossen , als zum Ueberflusse auch noch ihr leichtes Kleid an einer wilden Rosenhecke hängen blieb und mit sehr vorsichtiger Hand und vieler Langmut losgemacht werden mußte . Fast atemlos erreichte sie den Pavillon . Beide Flügel der Thür standen offen , der Salon war noch leer . Auf dem Tische war eine Auswahl von Erfrischungen , und die eine Ecke im Sofa für Helene bequem hergerichtet . Mit erleichtertem Herzen trat Elisabeth ein und lehnte sich an eines der hinteren Fenster , vor welchem sich die dichte Buschwand hinzog , als sie ein leises Geräusch hinter sich hörte ... Hollfeld hatte hinter einem der vorstehenden Thürflügel gestanden und näherte sich ihr . Sie wollte sofort den Salon wieder verlassen , ohne den Verhaßten eines Blickes zu würdigen ; er trat ihr jedoch in den Weg , wenn auch durchaus nicht in unbescheidener Weise , es lag vielmehr etwas Unterwürfiges und Ehrerbietiges in seiner Haltung , und versicherte , die Damen würden gleich erscheinen . Elisabeth sah erstaunt auf , da war auch nicht der leiseste Rest jenes frechen Tons in seiner Stimme zu bemerken , der ihr neulich jeden Blutstropfen empört hatte . » Ich gebe Ihnen mein Wort , daß Fräulein von Walde jeden Augenblick kommen muß ! « beteuerte er , als sie abermals den Versuch machte , in die Thür zu treten . » Ist Ihnen denn meine Gegenwart hier gar so schrecklich ? « fügte er leiser mit einem Anfluge von Trauer hinzu . » Allerdings , « entgegnete Elisabeth kalt und rückhaltlos , » wenn Sie sich Ihres neulichen Benehmens gegen mich erinnern , so werden Sie wissen , daß es mir unerträglich sein muß , auch nur einen Augenblick mit Ihnen allein zu sein . « » Wie hart und unversöhnlich klingt das ! ... Soll ich den kleinen , unbedachten Scherz wirklich so grausam büßen ? « » Ich rate Ihnen , künftig vorsichtiger zu sein in der Wahl der Leute , mit denen Sie scherzen wollen . « » Mein Gott , ich sehe ja ein , daß es ein Mißgriff war , ich schäme mich dieser Uebereilung ... wie hätte ich aber auch ahnen können - « » Daß man mir Achtung schuldig sei ! ? « unterbrach ihn Elisabeth mit flammenden Augen . » Nein , nein ... das habe ich gar nicht bezweifelt . Gott , wie Sie heftig werden können ! Aber ich konnte doch wahrhaftig nicht wissen , daß Ihnen das Recht zusteht , weit , weit mehr zu beanspruchen . « Elisabeth sah ihn fragend an ; sie verstand ihn offenbar nicht . » Kann ich mehr thun , als Sie kniefällig um Verzeihung zu bitten ? « fuhr er fort . » Die soll Ihnen werden unter der Bedingung , daß Sie mich sofort allein lassen . « » Hartnäckiger Trotzkopf , der Sie sind ! ... Ich wäre ein Thor , wenn ich den kostbaren Augenblick vorübergehen lassen wollte ... Elisabeth , ich habe Ihnen bereits gesagt , daß ich Sie glühend liebe , liebe bis zum Sterben ! « » Und ich bin mir bewußt , Ihnen sehr deutlich erklärt zu haben , daß mir dies sehr gleichgültig ist . « Sie fing an zu zittern ; nichtsdestoweniger blieb ihr Blick fest und ruhig . » Elisabeth , treiben Sie mich nicht zum äußersten ! « rief er aufgeregt . » Vor allem muß ich Sie ersuchen , die einfachste Höflichkeitsform festzuhalten , die uns gebietet , Fremde nicht mit dem Eigennamen anzureden . « » Sie sind ein Satan von Kälte und Bosheit ! « rief er bebend vor Zorn . » Nun , ich gebe zu , daß