, die alte , große Hausuhr , welche einen Monat ging und die seit mehr als fünfzig Jahren auf dieser Stelle stand , ohne je einer Reparatur bedurft zu haben , die handfesten Stühle und die dreifachen Reihen von Erntekronen und Erntekränzen , die an den Wänden hingen und deren Bänder zum größten Theile schon ganz verblichen waren , das Alles zeugte von Dauerhaftigkeit ; und dazu warf das Sonnenlicht , welches durch die Blätter der Linden in den Flur hineinfiel und um die welken Aehrenkränze spielte , daß sie ganz frisch darunter aussahen , eben seine hellsten Strahlen auf das goldene Haar von Eva , welche , am Tische stehend , den Rücken der Hausthüre zugewandt , die beiden sitzenden Männer bediente . Sie haben übrigens Recht , Mamsell Eva , nahm Herbert das Wort wieder auf ; ich finde auch , daß das Glück niemals allein kommt . Denn ich habe eine köstliche Nacht verlebt , und der Morgen beginnt mir eben so günstig und schön ! - Er verneigte sich dabei , um ihr das Compliment anzueignen . Sie beachtete es aber nicht , sondern fragte : Was haben Sie denn die Nacht gethan ? O , ich habe sie fast ganz im Freien durchwacht , sie war so still und schön ! - Eva sah ihn an , als erwarte sie eine Fortsetzung seines Berichtes , und da er nichts hinzufügte , fragte sie : Und das war Alles ? Weiter nichts ? Der Amtmann lachte , Herbert mußte mitlachen ; Eva ' s unbefriedigter Blick und der Ton ihrer Stimme forderten dazu heraus , aber Herbert war dabei doch nicht wohl zu Muthe . Es verdroß ihn , daß Eva komisch finden konnte , was ihn so hoch entzückt hatte , und dabei wußte er kaum , ob er mit dem Mädchen , oder mit sich selber nicht zufrieden wäre . Sie scheinen auch das Wachen also nicht zu lieben , meinte er , und er sagte das mit absichtlichem Spotte . Sie nahm es aber nicht so auf , sondern antwortete ruhig : Nein , gar nicht , wenn es zu nichts führt . In guter Gesellschaft und wenn ' s einen Tanz giebt , oder wenn es bei einem Kranken nöthig ist - ja , dann ist ' s etwas Anderes . Aber sonst - sie hielt inne und sagte , als könne sie den rechten Ausdruck nicht finden und müsse sich auf andere Weise helfen : Nachts ohne alle Ursache wachen und am Tage schlafen , wie ' s im Schlosse oft geschieht , das wäre mir grade , als sollte ich den rechten Handschuh auf die linke Hand ziehen ! Das geht mir wider den Strich ! Sie wandte sich dabei von den Männern fort , um aus dem einen Schranke noch ein Messer herbeizuholen . Als Herbert ihr nachsah , fand er ihre kräftige , große Gestalt in dem aufgeschürzten blauen Zitzkleide , mit dem sauber gefalteten Tuche um Brust und Schultern außerordentlich schön , und die Röthe des Nackens und der Oberarme sah so gesund aus , daß er unwillkürlich den Ausruf that : Ich glaube , Sie könnten gar nicht anders als Eva heißen ! Der Bruder , welcher seine Freude an dem Mädchen hatte , verstand , was Jener meinte , und gab ihm Recht ; Eva aber stützte sich mit den Händen vor ihnen auf den Tisch und sagte : Mosje Herbert , ich glaube , für Sie ist ' s auch Zeit , daß der Bau bald fertig wird und daß Sie aus dem Verkehr mit dem lächerlichen Herrn Marquis fortkommen , der hier zuweilen wie eine Bombe einfällt ! Sie lernen ihm nur seine Redensarten ab ! Das mit dem Eva heißen habe ich nun schon zweimal hören müssen , und man möchte doch auch einmal etwas Neues haben ! Sie nahm dabei eine schmollende Miene an , die sie vollends reizend machte , und Herbert fühlte so großes Vergnügen in ihrer Gesellschaft , daß der Amtmann ihn an den Aufbruch mahnen mußte . Herbert dankte also für die genossene Gastfreundschaft , Eva entgegnete , wenn es ihm gefallen und geschmeckt habe , so möge er bald und vor allen Dingen zum Erntefeste wiederkommen . Er reichte ihr die Hand zum Abschiede , und als er schon im Fortgehen war , fragte sie , was denn die gnädige Frau mache und ob sie wohl sei . Er berichtete , daß die Baronin sich am Abende nicht gut befunden habe . Eva machte ein ernsthaftes Gesicht dazu und schüttelte bedenklich den Kopf . Die wird auch nie mehr ganz gesund , sie hat ' s nie verwunden , sagte sie seufzend und mitleidsvoll , und ich möchte auch nicht an ihrer Stelle sein ! Herbert wollte wissen , weßhalb nicht . Sie antwortete nur , indem sie , ohne eine Erklärung zu geben , mit einem : O nein , gewiß nicht ! ihre vorige Aeußerung bekräftigte , und da inzwischen die Pferde vorgeführt worden waren , so trennte man sich , ohne daß Herbert eine Antwort von dem Mädchen erhalten hatte . Während des Rittes bot sich Herbert keine rechte Gelegenheit zu weiteren Fragen dar , obschon Eva ' s Aeußerung ihm nicht aus dem Sinne wollte . Die Gegend , durch welche sie kamen , war Herbert neu , und der Amtmann hatte seine Genugthuung daran , den Fremden mit allen Vorzügen des Bodens bekannt und auf alle die Vortheile aufmerksam zu machen , welche eine sorgfältige Cultur diesem Boden abzugewinnen verstanden hatte . Dafür aber verlangte er dann auch von Herbert zu hören , wie es sonst in der Provinz und in der Welt aussähe , auf deren Händel und Entwickelungen das Auge des jungen Landwirthes wie das eines jeden Mannes in jenen Tagen gerichtet war . Indeß so lange man zu Pferde blieb , war an ein rechtes zusammenhängendes Sprechen nicht zu denken , aber als man in der Nähe des