ihr gesagt . Er hatte diesen Schwur gehalten , die Kunst selbst war ihm sein Alles ; Mutter , Heilige , Geliebte , war seine Religion geworden ; er hatte sich losgerissen von allen irdischen Banden , von allen Wünschen , Plänen und Hoffnungen , die nicht Hand in Hand gingen mit seinem kunstgeweihten Streben - und nun , seit er hier in Nürnberg war , kamen diese Mahnungen an seine Vergangenheit , an seine Mutter . Der Propst Kreß und Amadeus sprachen von ihr wie von einer Unglücklichen , Verirrten , noch Lebenden - Amadeus nannte ihren Namen Ulrike . So gab es zwei Wesen auf der Welt , die dem Sohn von der Mutter Auskunft geben konnten - und vielleicht hatte er diese Auskunft zu scheuen , vielleicht weihete sie ihn der Schande , ward ihm zum Fluch ! Was war denn Amadeus seiner Mutter , was war er denn ihm ? Was redete er denn zu ihm von Liebe zu ihm , die ihn zu einem Frevel getrieben - von Vatermord und Gericht ? War es Wahnsinn ? und war nicht etwas Ansteckendes in diesem Wahnsinn ? Als strecke der Wahnsinn in einer grausen Gestalt seine Krallen nach Ulrich , als setze er sich auf sein Lager , rückte ihm näher und näher und schaue unverwandt auf ihn mit hohlen Augen , aus denen rothglühende Blitze schossen - und als wandele er sich dann in die Gestalt des Mönches Amadeus - so war es Ulrich ! Dann wieder sah er seine Mutter vor sich , die frommen Augen auf ihn gerichtet , segnend und betend , aber dann war er in der Bauhütte , die schwarz ausgeschlagen war ; die Baubrüder umstanden ihn und spieen ihn an , und der Hüttenmeister zerbrach das Richtscheit über ihm , indeß der Pallirer sein Monogramm aus den Steinen kratzte - und dann hing sich Rachel , das Judenmädchen , an ihn - plötzlich erschien die stolze Elisabeth Scheurl und neigte sich über ihn - da war es , als wichen alle Dämonen und alle Qualen - sein Herz ward groß und ruhig . Er wußte nicht , ob das Bilder waren einer wachen , zum Fieber erhitzten Phantasie , eines von mannigfachen Eindrücken geängsteten Gemüthes , oder eines Traumes , der seinen Schlaf beunruhigt - er ward sich nur bewußt , daß von alledem Elisabeth ' s Bild der letzte und bleibende Eindruck gewesen - der Gedanke an sie war ihm durch die Begegnung mit Streitberg gekommen - und er hing ihm noch nach , um eine Weile Amadeus und seine Worte zu vergessen . Am folgenden Morgen wohnten die Baubrüder der gemeinschaftlichen Messe mit bei , dann gingen sie still an ihre Arbeit . So verging eine Woche eintönig und ohne Unterbrechung . Amadeus sahen sie nicht , mit Niemand sprachen sie , nur mit Konrad wechselten sie zuweilen einige Worte . Eines Tages gegen Mittag berief man sie in ' s Conclave . Sie fanden alle Klosterbrüder versammelt . Der Abt saß in der Mitte vor einem schwarzbeschlagenen Eichentisch , auf dem sich Schreibgeräth und Aktenstücke befanden . Zwei Mönche saßen daran ihm zur Seite , die andern standen . Als Alle versammelt waren , erhob sich der Abt und sagte : » Ich habe Euch Alle in einer traurigen Angelegenheit berufen müssen . Ein schweres Verbrechen ist in unsern Mauern , in unserer Kirche verübt worden ; einer unserer Brüder hat es im Wahnsinn begangen . Höret die Mittheilung . « Er winkte dem beisitzenden Mönch , und dieser las nach einer salbungsreichen Einleitung . » Am ersten Tage des Hornung hatte der Bruder Amadeus die Nachtwache in der Kirche . Nach Mitternacht läutete er im Kloster , wo man läutet , wenn ein Feind in der Nähe ist , oder Feuer , oder dem Kloster irgend eine Gefahr droht . Bleich und zitternd vor Schrecken meldete er , daß während er sich in der Kirche an einem Seitenaltar befunden , plötzlich ein Krachen durch die Wölbung gegangen , alle Thüren zusammengeschlagen seien , wie eine Wolke von Staub neben dem Hochaltar aufgestiegen , und er dann hinzueilend gesehen , daß derselbe durch das Herabfallen des oberen Theils des Sacramentshäusleins entstanden . Wir eilten Alle in die Kirche und sahen das Werk der Zerstörung , sonst war nichts darin geschehen und Alles unverändert . Der Novize Konrad stellte auf , daß das Werk nur gewaltsam und von Menschenhand könne abgebrochen sein , aber Niemand konnte dem Glauben schenken . Es ward beschlossen , das Weihbrodgehäuse so schnell und schön als möglich wieder herstellen zu lassen und Einen aus unserer Mitte gen Nürnberg zu senden zu seiner Hochwürden dem Herrn Propst Anton Kreß , uns zwei Baubrüder zu senden . Bruder Amadeus bat um diese Sendung als Gunst , und weil er der Erste gewesen , der die Zerstörung gesehen und den heftigsten Schrecken gehabt , so erhielt er den Auftrag , und da er am Abend zurückkehrte , schien er ihn auf ' s Beste ausgerichtet zu haben . Da behaupteten die herbeigerufenen Baubrüder , daß die Zerstörung nur von Menschenhand geschehen sein könne ; wir beriefen Bruder Amadeus noch einmal genauen Bericht von ihm zu hören . Kein Verdacht hatte sich gegen ihn geregt . Er aber fiel auf seine Kniee und bekannte freiwillig , wie er sagte , durch die Worte Ulrichs von Straßburg im Gewissen getroffen , wie durch die Angst , daß man statt seiner einen Unschuldigen verdächtigen könne , daß er selbst mit eigenen frevelhaften Händen in jener Mitternacht das Kunstwerk herabgerissen und zerschlagen . Nichts hat er angegeben , was ihn zu der ungeheuren , himmelschreienden That verleitet haben könne - er hat die Größe seines Verbrechens eingesehen und ist darauf gefaßt , es mit dem Tode zu büßen . Da er aber schon früher , besonders vor anderthalb Jahren , Spuren und Ausbrüche von Wahnsinn gezeigt , und er sonst nichts begangen , wodurch man ihn einer solchen Versündigung an