Vater « , sagte Friedrich , den diese Äußerung zuerst nur ärgerte , » ich glaub , Ihr werdet altersschwach . Es handelt sich ja gar nicht drum , daß Ihr vom Eurigen etwas zahlen sollet . Gebt mir mein Mütterlich ' s heraus , dann leg ich das Geld dem Amtmann selber hin . « » Du tust immer , als ob du von deinem Mütterlichen die halb Welt kaufen könntest , und hast doch schon genug davon vertan . Du wirst dich wundern , wenn ich einmal mit dir abrechne . « » Nun , so rechnet ab , und wenn Ihr so viel Zeit brauchet , bis Ihr wisset , was Ihr alles in die Rechnung schreiben wollet , so müsset Ihr eben derweil die Bürgschaft leisten . « » Ich nicht . Das Sprichwort sagt : den Bürgen soll man würgen . Und wie kann man denn von mir verlangen , daß ich noch einen weiteren Revers ausstellen soll von wegen deines Fortkommens ? Ich hab dir zwar wohl versprochen , daß ich dich bei mir behalten will , und ich will auch dabei bleiben , wenn du dich hältst , wie ' s recht ist , nämlich besser als bisher . Aber Hand und Fuß will ich mir durch einen Revers nicht binden lassen , denn sonst wärest ja du der Herr , und ich müßt mir zeitlebens gefallen lassen , was dir anständig wär . Nein , der Sklav in meinem eigenen Haus will ich . nimmermehr werden . « Friedrich legte den Kopf eine Weile auf beide Hände , die er auf dem Tische liegen hatte . Als er das Gesicht wieder erhob , war alle Farbe daraus gewichen . » Jetzt seh ich erst , daß es eine abgekartete Sach ist « , sagte er mit einem Blick auf die Stiefmutter und verließ die Stube . Christine weinte bitterlich über dieses neue Hindernis . » Das ist eine Welt ! « sagte der Hirschbauer und kehrte sich nach der Wand . Die Bäuerin heulte und schrie , daß man arme Leute so unterdrücke , die Söhne fluchten , und der kleine Weißkopf , der heute die Welt gar nicht verstand , saß bestürzt und furchtsam in der Ecke . Friedrich aber glaubte zu bemerken , daß der abermals in Zweifel gestellte Erfolg seiner ehrlichen Bemühungen auf die Würdigung seiner Absicht oder wenigstens auf die Schätzung seiner selbst zurückwirke . Die Hirschbäuerin wenigstens schien ihn bereits mit minder günstigen Augen anzublicken ; als sie ausgeheult hatte , machte sie ein Gesicht und gönnte ihm beim Abschiede kaum ein Wort . Christine aber nahm ihm wiederholt das Versprechen ab , auch diese Prüfung womöglich durch Geduld und Gehorsam zu überwinden . Schon die folgenden Tage zeigten ihm , daß er sich in seinen Berechnungen völlig getäuscht habe und für den nächsten Sonntag auf die letzte , bestätigende Proklamation verzichten müsse . Er sprach nichts , war in seinen Verrichtungen fleißiger denn je , aber seine wundgebissenen Lippen , seine mit Blut unterlaufenen Augen verrieten den Sturm , der in ihm arbeitete . Die Narbe auf seiner Stirne trat oft blutrot hervor . Die Leute steckten bei diesem Anblick die Köpfe zusammen und murmelten einander zu , das sei ein Kerl , von dem man sich des ärgsten gewärtigen dürfe . 26 Rasselnd und donnernd fuhren eines Vormittags mehrere Jagdequipagen die Straße herauf . Mitten im vollen Jagen hielt die vorderste vor der Sonne und nötigte dadurch die andern zu einem ebenso plötzlichen Halt . In der Sonne gab es ein Rennen und Jagen treppauf und -ab . Der Herzog Karl selbst war es , der in der ersten Kalesche saß und im raschen Vorbeijagen nach dem Schurwald einen Trunk vom Besten begehrte . Die Ehre war groß , noch größer aber die Eile , mit welcher der Befehl ausgeführt werden mußte , denn es war bekannt , daß der Herr nicht gern wartete und weder im Großen noch im Kleinen ein Hindernis seines Willens gelten ließ . Der Sonnenwirt flog daher wie ein Jüngling von achtzehn Jahren , und wenig fehlte , so wäre er die Treppe hinabgefallen ; doch brachte er den alten Familienpokal glücklich an den Wagen . Sein Sohn sah vom Fenster aus zu , wie ihn der Herzog in Empfang nahm und nach einem guten Zuge wieder zurückgab ; er sah , wie der junge Fürst gnädig , aber immer hastig mit seinem Vater sprach , wie dieser unter tausend freudigen Bücklingen sich weigerte , die Zeche zu machen , aber von dem bei dem Herzog im Wagen sitzenden Hofherrn einen mit einem gebieterischen Wink begleiteten Silbertaler annehmen mußte . Neugierig betrachtete er den von Jugend und Jagdlust strahlenden Landesherrn , dessen Allmacht ihm die Zahl seiner Jahre voll machen und doch den Wunsch seines Herzens nicht erfüllen konnte : das vornehme , freie Gesicht mit den herrisch umherschweifenden hellblauen Augen drückte eine machtbewußte Sorglosigkeit aus , welche die Freuden des Lebens in vollen Zügen schlürfte und sich dabei um keinerlei Bedenken zu kümmern hatte . So mußte es wenigstens einem jungen Menschen erscheinen , dem die Kehrseite solcher Herrlichkeit verborgen blieb . » Nur ein Scherflein von dieser Freiheit und Ungebundenheit ! « seufzte er : » ich wollt es ja nur dazu benutzen , um an meinem Weib und Kind ein rechtschaffen Werk zu tun ! « » Wer wird denn dastehen und gucken , wenn ' s alle Händ voll zu tun gibt ! « rief eine Magd , die in die Stube stürzte . » Die Herren in den andern Kutschen wollen auch Wein . Fort ! im Hausgang drunten stehen schon Butellen g ' nug , ' s fehlt nur an Händen , um sie nauszutragen . « Er eilte hinunter , ergriff mechanisch ein paar Flaschen und trug sie vor das Haus , wo sein Vater soeben , trunken vor Glück von dem Wagen des abfahrenden Herzogs zurücktrat und , beständig komplimentierend , seinem