Sache . Ihr dauert mich auch , denn was sie jetzt Joggeli alles angeben werden , kann man sich denken . Macht ja , daß ihr immer den Zins geben könnt ; dein Mann soll sich losmachen von denen beiden Burschen , wo immer mit dem Maul zahlen wollen , sonst geht es nicht gut . So ist , wohin ich sehe , bloß Trübes und Trauriges ; ich bin froh , es nicht erleben zu müssen , und sollte es doch gut machen helfen , dieweil ich auch schuld daran bin . Ach , ich kann nicht sagen : Vater , es ist vollbracht ; wenn ich nicht die Hoffnung hätte , daß Gott gelinder strafe , als man es verdient , daß bei ihm möglich sei , was Menschen unmöglich scheinet , daß er alles zum Besten leite , sieh , ich verzweifelte noch in meinen letzten Tagen . Härter liegt nichts auf dem Herzen , glaub es mir , als zwei Kinder zu sehen im Rachen der Welt , der Pforte der Hölle , und an den Armen keine Hände zu haben , sie herauszuziehen . « Vreneli wollte trösten , aufrichten , aber wie schwer ist das nicht , wenn man das Herz selbst voll hat zum Zerspringen und wenn es einem dünkt , die Klagen seien wahr , in gleicher Lage wäre es einem ebenso ! Was hatten sie zu erwarten , wenn die Base starb , und wen hatte Vreneli noch auf der Welt , bei dem es Rat und Trost schöpfen , sein Herz ergießen konnte , seit Uli seinen Glauben seinen Götzen zugewandt , ungläubig gegen Vreneli geworden war ? Es wußte nichts , als mit der Base zu weinen , sie zu bitten , guten Mutes zu sein , ihr Leben zu fristen solange als möglich , seinetwegen , denn wenn sie mal im Grabe sei , dann sei ihr Stern erloschen und das Elend vor der Tür . Es hätte nicht umsonst Gotte sein müssen einem armen Fraueli und sich entsetzen über dessen Armütigkeit , es wisse jetzt , daß es sich dazu vorbereiten solle , und dies wolle es tun alle Tage , denn dahin werde es mir ihnen kommen , wenn nicht noch weiter , jammerte Vreneli . » Du guter Tropf « sagte die Base , » wenn es mir besser drum wäre , fast müßte ich lachen . Ihr habt noch nichts erlebt ; wem geht es immer wie gewünscht , ohne Angst und Anstand ? Glaubst , ihr wäret die Einzigen , welche nicht Lehrgeld zahlen müssen in der Welt , welche Torheit büßen müssen oder welchen Gott handgreiflich darlegt , daß man sich nicht auf Menschen verlassen müsse noch auf des Menschen Herrlichkeit ? Wenn ihr hier schon nichts verdient oder noch dazu um alles kommt , was ihr habt , ich habe doch nicht Kummer um euch wegen Durchschlagen durch die Welt . Du und Uli werden ihr Brot allenthalben finden , solang ihr euern guten Namen habt , dafür wirst du sorgen . Bereite dich , noch viel Härteres zu ertragen ! Was kömmt , nimm immer mit Dank auf , daß es nicht härter ist , und mache dich wieder auf Härteres gefaßt . Sorge nur dafür , daß du die Kleinen dem zubringst , der da gesagt hat : Lasset die Kindlein zu mir kommen , denn ihnen gehört das Himmelreich . Absonders dieses da , mein klein Schätzeli , « sagte die Base und drückte das kleine Vreneli , welches auf ihrem Schoße saß , an ihr Herz . Das kleine Mädchen war ihre Freude auf der Welt , so gleichsam das einzige Blümlein , welches einem alten Gärtner übrig blieb . Das Kind vergalt diese Liebe treulich . Vom frühen Morgen an war es drüben und mußte abends zumeist schlafend heimgetragen werden . Es war der Base kleine Aufwärterin : trug ihr hin und her , was sie bedurfte ; ihre Gesellschafterin : kläpperlete mit ihr , so viel sie wollte ; ihr Schulkind : sie lehrte es buchstabieren und zwar mit Sanftmut und Geduld , so daß die Kleine Fortschritte machte wie ein klein Hexelein ; dazu erzählte sie ihm schöne Geschichten und redete ihm zu , was es Vater und Mutter sein solle , und das Kindlein nahm zu an Alter , Weisheit und Gnade bei Gott und bei den Menschen , und alle sagten , und wirklich nicht ohne Grund , es sei weit über sein Alter , sie hätten noch keins so gesehen . Mit dem Kinde gab sich jemand ab , und zwar nicht pedantisch mit Buchstabenzeigen bloß oder sonstiger Schulfuchserei , sondern in warmer Liebe , mit schönen Geschichten und lieblichen Worten , welche einem Kinde sind , was im Frühling den Blumen der Tau . Es verderben gar unendlich viele Kinder am Geiste , weil ihnen eben dieser warme , weiche Tau fehlt ; die edelsten Keime vertrocknen , gehen nie auf . Es haben gar unendlich viele Kinder ihrer Großmutter viel mehr zu verdanken als den gelehrtesten Herren Professoren , welche oft nicht viel anders sind als vertrocknete Haarseckel . Joggeli benahm sich eigen gegen seine Frau ; er war böse über sie , zürnte ihr , daß sie krank war . Der alte Mann fühlte wohl , was sie ihm war , seine Stütze , sein Stab im Leben , und was er würde ohne sie ; aber eben deswegen hätte sie nicht krank sein sollen , den Ärger darüber ließ er gleich einem unartigen Kinde an ihr aus . Bald sagte er , sie bilde sich nur ein , krank zu sein , bald schonte sie sich zu wenig , brauchte ihm nicht Arznei genug , fuhr zu wenig den Quacksalbern nach ; sie hatte ihre liebe Not mit ihm . Er schleppte ihr sogar einmal einen Arzt herbei , sie wußte lange nicht , war es ein alter Bettelmusikant oder ein verkleideter Kapuziner ; dem Dreck nach