' s , als wolle sie die Hände falten , dann fuhren sie beide auf den Rücken , um das Bund oder die Nestel zu lösen , welche ihre aufgeschürzten Röcke festhielten , was ihr aber in der Bestürzung und Hast eben so wenig gelang , als weiland ihrem Neffen Hans Jochem die Lösung des Hosenbundes , welchen der Krämer ihm angezaubert . Dann fuhr sie in die Haare , die allerdings nicht mehr ganz in Ordnung waren , aber bei dem Verfahren , das sie einschlug , auch nicht besser wurden . » So schlage doch - « , entglitt es ihren Lippen , aber ebenso schnell verschluckten diese wieder eine Lästerung , welche bei einer so frommen Frau unmöglich aus dem Herzen kam . Wie hätte sie auch noch im selben Athem die heilige Katharina , die heilige Barbara und Ursula anrufen dürfen . Das haben wenigstens die Mägde gehört . » ' S ist ja der Kurfürst ! « Und dann flogen zwei . Zuerst Hans Jürgen , aber nicht freiwillig , wie der Vogel durch die Luft , er flog wie die Kugel aus dem Rohr oder der Kegel vom Ball des Spielers . Dann die Edelfrau . Hans Jürgen turkelte seitwärts , sie stürzte geradezu auf die Knie . » Allerdurchlauchtigster Herr Markgraf und gnädigster Herr Kurfürst , Gnade ! - Die abscheulichen Mädel ' plantschten so sehr - aber mein Mann ist unschuldig . - Wir sind Alle unschuldig . - Man kann ' s ihnen noch so oft sagen , sie thun ' s doch . Und gerade heute ! - ' S ist zu viel , weiß Gott , ' s ist zu viel auf ein Mal . « » Daß ich zur ungelegenen Stunde hier eintrete , « sagte lächelnd der hohe Gast . Darin theilte Kurfürst Joachim der Erste , den Frau von Bredow ihr Lebelang hoch in Ehren , ja nächst dem lieben Gott am höchsten hielt , auf einen Augenblick das Schicksal mit dem verachteten armen Hans Jürgen . Sie hatte in ihrer Angst und Eifer auch nicht gehört , was er sagte , sonst würde sie nicht fortgefahren haben : » Was zu viel ist , Durchlaucht , ist zu viel - und die Ehre dazu ! - Keinem kleinen Kinde nicht hat mein Mann den Finger gekrümmt , so lammfromm ist er - das ist , mit Respect zu sagen , ein schlechter Mensch , der das ihm nachsagt - und der gnädige Kurfürst kann selbst in alle Winkel und Ecken « - wahrscheinlich hatte sie schließen wollen : » die Nase stecken , « als sich plötzlich ihr Mund von neuem Schrecken schloß . » Darum kam ich nicht , « fiel Joachim rasch ein und hielt ihr , wie schon vorhin , die Hand entgegen , sie aufzuheben : » Ich komme als Gast , aber es thut mir leid , daß ich ungelegen komme . « » Ungelegen ? « rief sie . » Unser Haus steht unserm Markgrafen allezeit offen . Wer das von uns sagen thäte , daß unser Landesherr in das Haus eines Bredow ungelegen käme - aber die Sonne schien nun mal so warm - und da grade mein Herr - aber wenn ich nur ' nen kleinen Wink gehabt , da hätte ich ja die Anne Susanne - es mußte aber doch auch grade heute Alles kommen , wie ein Donnerwetter , wenn die Sonne - « Daß ihre Zunge mit ihren Gedanken durchging und alle Zügel rissen , wer verargt ' s der armen Frau ! Wer fordert von der besten Hausfrau , die immer auf dem Fleck ist , daß sie es auch da noch sei , wenn der vornehme Herr , mit dem Stern auf der Brust , im Augenblick eintritt , wo ihre Arme im Waschfaß stecken ; und von dem vornehmen Gönner , hängt ihres Gatten , ihres Sohnes Schicksal ab ; Sie wäscht vielleicht nur , damit ihr Mann sich gut präsentiren soll ; vom ersten Eindruck hängt Alles ab . Und dies war ihr Fürst , und sein Richtschwert hing noch über dem Haupt ihres Mannes . Wo Alles in Unordnung war , wer fordert , daß unserer Frau von Bredow Gedanken in Ordnung sein sollten ? Kurfürst Joachim forderte es nicht : » Ich kenne meine Getreuen , ihr Fürst kommt ihnen nie ungelegen , aber die Stunde doch vielleicht , meine liebe Frau von Bredow , « lächelte er . » Ach gnädigster Herr ! Der Fuß , der Fuß ! Das Wasser ! - ' s ist aber reines Grabenwasser . « Einer der kleinen Wasserbäche , die von den Treppen über den gestampften Boden rieselten , netzte allerdings die Sohlen seiner Stiefeln , aber indem der Fürst es bemerkte , sah er auch , daß die würdige Frau selbst schon im Feuchten kniete , und mit einer ritterlichen Bewegung hob er sie , ehe sie sich dessen versah , auf . » Es thut mir leid , daß ich die würdige Frau meines lieben und getreuen Vasallen in so löblicher Verrichtung stören mußte . Nun ist es ein Mal , so und man muß sich darinfinden . Das Wetter ist schön , und der Hausherr reitet mit mir in seinem Walde umher , derweil die gute Hausfrau das Haus zur Nothdurft beschickt . Ein verirrter Waidmann fordert nicht viel , ein einfach Lager für die Nacht , und ein freundlich Gesicht zum Willkomm . « Weniger konnte der Landesherr freilich nicht fordern , wo er bei einem Vasallen eintritt . Aber auch die Nacht wollte er bleiben ! Das war noch mehr als zuviel . Ihr ehrliches Gesicht verbarg nicht den neuen Schreck . » Das ganze Haus ist ja naß ! « » Ein trocken Kämmerlein findet sich doch wohl ; und wo nicht , ein Stall , ein Schuppen . Der müde Jäger schläft auch ungewiegt unter Gottes Himmelsdach . Wo ist Herr Gottfried ?