denn keines kümmert mich mehr ! - Und sag nicht , Du willst um meinetwillen jetzt nicht heiraten und willst lieber mit Deiner Sophie zusammen unglücklich sein ! - Ich würde Dir gleich hierher schreiben : » Du sollst sie heiraten ! « wenn ich nicht fürchten müßte , Du glaubtest am Ende gar , Du habest sie nur um meinetwillen geheiratet . Nein , so was muß man tun aus sich , für sich und wegen sich , aber keinem andern zu Gefallen weder lassen noch tun . - Ich begreif kein Philistergesetz , aber daß ein Baum wurzle im geeigneten Boden seiner Nahrung , das begreife ich , und mögen seine Äste recht schlank in die Weite sich strecken , daß die Sonne ihn früh vergolde und der Wind mit ihm plaudere , und daß kein häßlicher Irrtum Dich um die Wahrheit Deines Glückes betrüge . Es ist heut so trüb , so trüb wie nirgend in der Welt , man möchte sich vor lauter Trübsinn verlieben . Die Nebel nehmen hier die seltsamsten Gestalten an , und der Regen fällt zuweilen auf kleine Stellen , nicht tropfenweis ' , sondern aus einem Guß herab . Diese Trübheit macht mir Deutlichkeit und Klarheit so lieb , so reizend sonst auch öfters Dunkelheit , Verworrenheit und Undeutlichkeit erscheinen mag ; - drum hab ich ' s auch gewagt , durch meine Deutlichkeit diesmal die Verworrenheit in Dir aus dem Dunkel ins Klare zu bringen . Ich küsse Dich , lieber Clemens , und drücke Dich an mein Herz ; sei gut und gegen mich besonders und traue mir mehr wie Dir , das heißt in gewissen Dingen . - Du mußt wissen , daß ich schon eine Weile im Mondschein schreibe , weil mein Licht ausging . Der Mond schwimmt zwischen dem Gewölk , und die grauen Berge drüben sonnen sich in seinem Schein , ich wollte sagen : monden sich , und begleiten sich gegenseitig mit Schatten , und die kleinen Quellen ruschlen so leise wie Gespenster . - Leonhardi ist hier , er stählt sich mit Stahlbädern ! Was wird dann erst werden , wenn diese Kur gelingt ! - Bettine Marburg Liebe Bettine ! Ich bin seit wenigen Tagen wieder hier . Meinen Brief , in dem ich Dir sage , daß ich Sophien nicht heirate , hast Du wohl erhalten ? Ich hoffe auf Antwort ; - unterdessen muß ich Dich um alles in der Welt bitten , Dich nicht phantastischer Schwermut zu übergeben , der alles Schöne und Wahre endlich in uns erliegt . Ich habe Dich so oft gebeten , Du solltest Deine Empfindungen und Phantasien mehr von Dir trennen und sie allein für sich in irgendeiner Form niederschreiben , sie zur Poesie erheben , wie die Kirche von dem Dorf , der Wald vom Felde stets getrennt sein muß , wenn etwas gedeihen soll . Dann fordere ich weiter auch , nie wieder an meiner Liebe zu zweifeln , noch zu glauben , daß ich je ohne Deine Liebe leben möchte . - Wenn Du Dich nicht zu Sophien neigen kannst , so ist dies nur , weil Du sie ganz verkennst ; es ist nicht jene Sophie mehr , die mich nicht verstand , es ist ein unschuldiges , liebes , treues , göttliches Weib . Liebes Kind , sei glücklich ! Es tut mir leid , daß Du mir nie schreibst , es freue Dich , meine Büste zu erhalten , in ungefähr drei Wochen wird sie Dir Tieck zusenden , es ist die beste Büste , die er gemacht , ein wahres Kunstwerk ! - Sie ist Dir zulieb gearbeitet , halte sie lieb und schone sie ! Ich werde wohl in einiger Zeit zu Dir kommen , wenn Du mir schreibst , wann Du wieder in Frankfurt sein willst . Da ich von Weimar wegging , ist Sophie auf einige Zeit nach Dresden gegangen , um sich zu zerstreuen . Ein Brief des Herzogs von Gotha an Sophie , worin er über Theater schwindelt und nur davon spricht , Sophiens und mein Dichtertalent der Bühne zu widmen , bewog mich folgendes zu schreiben , wozu mein Aufenthalt in Lauchstädt mir Gelegenheit gab ; ich habe mit dem trefflichen Tieck dort viel über Theater verkehrt . - Diese Truppe , von Goethe auf eine Stufe gebracht , wo sie jedem gefällt und eigentlich imponiert , war der Gegenstand der galanten Konversation an table d ' hôte , und da alle Laufgräben der Fadheit , Unwahrheit und Gemeinheit mit Wetter- und Theatergesprächen eröffnet werden , so ist es doch noch wunderbarer , wenn man in öffentlichen Blättern verkündigt , wie dieser oder jener mit Beifall aufgetreten und bis auf ein gewisses Schnarren mit hinreichendem Gebrülle das schwer zu befriedigende , sehr gebildete Publikum zu München , Mannheim , Stuttgart usw. ganz entzückt hat ; alles dergleichen kommt mir viel erstaunlicher als Zeitungsartikel vor , als irgend die einsamen Wetterbeobachtungen eines neben seinem Barometer studierenden Landpredigers im Reichsanzeiger oder sonst in einem Provinzialblatt . Es kann sein , man will dadurch einer Geschichte der Kunst vorarbeiten , gleich einer Weltgeschichte aus Armeebulletins , doch dergleichen soll mit vieler Teilnahme und großem Nutzen gelesen werden . - Mir auch scheint es eine äußerst wichtige Sache ums Theater zu sein , mit der man es über die Maßen gern recht ernsthaft meinen möchte . Ich selbst gedenke meiner frommen Wünsche , die sich bei meinem schweren Leiden im Parterre , wo ich doch wohl , seit der Vetter von Lissabon Hering in den Kaffee getaucht , fünfundzwanzigmal gesessen haben mag , entwickelt haben , ich würde diese Wünsche veröffentlichen , wenn nicht alles dieses wie Spreu in der Luft verflöge vor Ludwig Tieck , der allein beauftragt ist , der Mimik ein Licht aufzustecken , da er das größte mimische Talent ist , was jemals die Bühne nicht betreten . Dieser Dichter , der als darstellender Künstler die Bühne zu einer Ehre gebracht