wieder festzudrücken , unter dem Pavillone verschnauften die Kavaliere und ihre Rosse . Der Enterbte war von der Tribüne herabgekommen , trat in den Pavillon , und Hermann sah , daß er mit dem verlarvten Neffen beiseite trat . Eine gewisse Vermutung machte ihn auf den Inhalt des Gesprächs neugierig , er wußte sich scheinbar unbefangen den beiden zu nähern , und konnte wenigstens einige Worte von ihren Reden vernehmen . » Macht es nicht so auffallend « , sagte der Enterbte zum Neffen , » es kommt sonst aus , und wir werden um unsern Spaß gebracht . « » Herr Baron « , versetzte der Neffe in einem rauhen , holprichten Dialekte , » ich nehme mir es auch vor , aber wer kann wider die Natur ? « Die Kavaliere begannen das Ringelstechen ; mancher Ring blieb auf den Degen sitzen , mancher flog auch , von ungeschicktem Stoße berührt , in den Sand . Der Verlarvte schien anfangs die Warnung des Enterbten beachten zu wollen , er zeichnete sich nicht aus , fehlte , traf , wie es kam . Auf einmal aber war es , als ob in ihn wieder ein übermütiger Geist führe . Denn plötzlich ritt er bei dem Baume vorbei , und stach , diesem den Rücken zukehrend , mit einer sichern Bewegung nach hinten zierlich den Ring ab . Das war noch wenig . Das nächste Mal warf er den Degen nach dem Ringe , traf ihn , und fing den Degen in der Luft auf . Es war gut , daß hiermit dieser Teil des Festes zu Ende ging , denn wer weiß , welche Streiche noch sonst zur Gemütsergötzung der Zuschauer verübt worden wären . Sobald der Zug wieder im Pavillone war , nahm Hermann den geschickten Reiter beiseite , und befahl ihm geradezu , sich zu entlarven . Die bestimmte Mahnung setzte den Menschen aus der Fassung , er nahm die Maske ab und ein braunes , verbranntes Gesicht erschien unter dem Barett . » Sie sind gedungen , unsrem Feste zum Hohne zu gereichen ! « redete ihn Hermann hart an . » Verfügen Sie sich zu Ihrer Gesellschaft , bei der die Künste , welche Sie üben , für Geld zu sehen sind . Fort ! « - » Mein Herr « , versetzte der Mensch , welcher zu ebner Erde so verlegen war , als er im Bügel sich keck erwiesen hatte , » ich wollte es nicht gern tun , denn ich fürchtete mich vor Rüge und Bestrafung , aber der Herr Baron setzten mir so lange zu , daß ich mich endlich bewegen ließ . « - » Und was war die Absicht bei diesem Possenspiele ? « fragte Hermann . » Ich sollte « , antwortete der andre , » nach dem Caroussel vor der Frau Herzogin hinknien , und die Geschenke empfangen , die der Herr Baron dann von mir haben wollte . Was weiter im Werke war , kann ich nicht sagen , wir reisen schon morgen fort . « Hermann nötigte den falschen Ritter auf sein Kunstpferd , und begleitete ihn noch einige hundert Schritte , um gewiß zu sein , daß er sich entferne . Als er umkehrte , begegnete ihm der Enterbte auf halbem Wege . Dieser sah dem abziehenden Kunstreiter nach , und sagte dann mit giftigem Blicke : » Sie tun ja , als ob Sie hier Herr im Hause wären . « » Mein Auftrag geht dahin , reine Bahn zu halten « , versetzte Hermann . » Ich hätte nicht übel Lust , den Oheim dem Neffen folgen zu lassen . Das ist auch etwas , worin wir die Wilden unleugbar übertreffen , daß wir uns an jemandes Tafel , Hohn und Schimpf im Herzen , niederlassen können . « Er wandte ihm den Rücken und ließ ihn stehn . Eine laute Fanfare von Trompeten und Pauken verkündete das Ende des dritten Teils , des Stechens nach dem Türkenkopfe , welches inzwischen vor sich gegangen war , und das Caroussel beschließen sollte . Die Kavaliere waren abgestiegen und standen , des Danks gewärtig ; die Pferde wurden von der Bahn geführt . Die Herzogin saß unruhig , eine Träne im Auge , da . Sie fürchtete , jeden Augenblick den Verlarvten wieder hervortreten , und sich mit unter die Dankbegehrenden stellen zu sehn . Sie wußte nicht , wer dieser Mensch sei , aber ihr weibliches Ahnungsvermögen sagte ihr , daß er ihr und ihrem Feste Schlimmes bedeute . Hermann eilte , was er konnte , und trat atemlos hinter ihren Lehnstuhl . Er flüsterte ihr zu , daß der Störer entfernt sei , und nannte ihr diejenigen Edelleute , welche nach seiner Meinung sich am besten gehalten hatten . Die Geschenke , bestehend in goldnen Pokalen , damaszierten Ehrendegen , prachtvollen Schärpen und kostbaren Ringen , wurden verteilt . Auch wer keinen Dank empfing , wurde doch mit einer zierlichen Schleife , welche die verschlungnen Namen des Herzogs und der Herzogin zeigte , geschmückt . Alles dieses geschah bei Pauken- und Trompetenschall im Namen der abwesenden Königin . Die Versammlung erhob sich . Nach dem Verlarvten wurde einige Augenblicke lang gefragt , dann vergaß man ihn . Nur der alte Landedelmann war untröstlich , als er erfuhr , daß dieser Paladin sich entfernt und dadurch seinen Umarmungen entzogen habe . Er verfiel darauf wieder in das Gespräch von den Schlagbäumen , solange er einen Zuhörer finden konnte . Man wollte nicht fahren , im Gehen meinte jeder sich mit denen , die er am liebsten mochte , besser zusammenzufinden . Alles wanderte in buntem Gewimmel nach dem Speisesaale . Sobald die Gesellschaft den Platz verlassen hatte , stürzte eine Menge Knaben aus dem Volke herbei und raffte auf , was an Federn , Schlangenköpfen und sonstigen Kleinigkeiten umherlag . Hermann nahm eine Bandschleife , welche , von der Hand der Herzogin berührt , liegengeblieben war , und wollte sie als Erinnrungszeichen verwahren