Gefahr ist ihm gleich dem Aufgang der Sonne ; da wird ihm Tag , da sieht er deutlich was not tut ; und tut alles , indem er seinen Enthusiasmus beherrscht , er denkt auf seine Ehre und auf seine Verantwortung zugleich , er richtet alles durch sich allein aus , die Befehle der Kommandanten und seine eigne wohlberechnete Pläne ; und auch noch was der Augenblick erheischt ; unter dem Kanonenfeuer der Festung verwüstet er die Mühlen , erbeutet das Getreide und löscht die Haubitzen mit dem Hut ; keinen gefahrvollen Plan überläßt er einem andern , die kleine Stadt Kuffstein steckte er selbst in Brand mitten unter den Feinden ; eine Schiffbrücke der Bayern macht er flott . In einer stürmischen Nacht , im Wasser bis an die Brust , hält er aus bis zum Morgen mit zwei Kameraden , wo er noch die letzten Schiffe unter einem Hagel von Kartätschen flott macht . - List ist seine göttlichste Eigenschaft , den verwilderten Bart , der ihm das halbe Gesicht bedeckt , nimmt er ab , verändert Kleidung und Gebärde , und so verlangt er den Kommandanten der Festung zu sprechen , man läßt ihn ein , er macht ihnen was weis von Verrat und errät unterdessen alles , was er wissen will , in dieser großen Gefahr , mit noch zwei andern Kameraden , ist er keinen Augenblick verlegen , läßt sich beleuchten , untersuchen , zutrinken und endlich , vom Kommandanten bis zum kleinen Pförtchen , zu dem sie hereingekommen waren , begleitet , nimmt er treuherzig Abschied . Alle diese Mühen und Aufopferungen werden indessen zunichte gemacht durch die Unzuverlässigkeit von Österreich , das überhaupt ist , als könne es keinen glücklichen Erfolg ertragen , und fürchte sich vor seinem großen Feind , einst diese Siege verantworten zu müssen , und so wird es auch noch kommen , es wird noch den großen Napoleon um Verzeihung bitten , daß man ihm die Ehre erzeigt , ihm ein Heldenvolk entgegenzustellen ; ich breche ab , zu gewiß ist mir , daß auf Erden allem Großen schlecht vergolten wird . Vor drei Wochen hat man ein Bild , eine Kopie von Albrecht Dürers selbst verfertigtem Porträt , an Dich abgeschickt ; ich war grade auf einige Tage verreist und weiß also nicht , ob es wohl eingepackt und ob die Gelegenheit , mit welcher es ging , exakt ist , Du mußt es der Zeit nach jetzt bald in Händen haben , schreib mir darüber , das Bild ist mir sehr lieb , und darum mußt ich Dir ' s geben , weil ich mich selbst Dir geben möchte . Selbst in dem kalten Bayernlande reift alles nach und nach , das Korn wird schon gelb , und wenn die Zeit auch keine Rosen hier bricht , so bricht sie doch der Sturm , und falbe Blätter fliegen schon genug auf dem nassen Sandboden ; wann wird denn eine gütige Sonne die Früchte an meinem Lebensbaum reifen , daß ich ernten kann Kuß um Kuß ? - Einen Weg geh ich alle Tage , jede Staude , jedes Gräschen ist mir auf diesem bekannt , ja die Sandsteinchen im Kiesweg hab ich mir schon betrachtet . Dieser Weg führt nicht zu Dir , und doch wird er mir täglich lieber , wenn mich nun einer gewohnt würde , zu Dir zu tragen , wie würden da Blumen und Kräuter erst mit mir bekannt werden , daß mir stets das Herz pochte bis an Deine Schwelle , und allen Liebreiz hätte auf diesem Weg jeder Schritt . Vom Kronprinz weiß ich Gutes , er hat mit den Gefangenen , die man hart behandelte und hungern ließ , zu Mittag gegessen . Die Kartoffeln waren gezählt , er teilte treulich mit ihnen , seitdem werden sie gut bedient , und er hat ein scharfes Auge darauf ; das hab ich durch seinen getreuen Bopp , der die ausführliche Erzählung mit etlichen Freudentränen begleitete . Sein kaltes Blut mitten in Gefahren , seine Ausdauer bei allen Mühen und Lasten werden auch noch anderweitig gerühmt , und immer ist er dabei bedacht , nutzlosen Grausamkeiten vorzubeugen ; das war von ihm zu erwarten , aber daß er diese Erwartung nicht zuschanden gemacht hat , dafür sei er gelobt und gesegnet . Einliegendes Kupfer von Heinze wirst Du wohl erkennen , ich hab ' s von Sömmering erhalten und zugleich den Auftrag , um Dein Urteil darüber zu bitten , er selbst findet es gleichend , aber nicht in den edelsten Zügen ; ich sage : es hat eine große Ähnlichkeit mit einem Bock , dies ließe sich noch rechtfertigen . Tieck liegt noch immer als Kranker auf dem Ruhebettlein , ein Zirkel vornehmer und schöner Damen umgibt sein Lager , das paßt zu gut und gefällt ihm zu wohl , als daß er je vom Platz rückte . Jacobi befindet sich ganz leidlich , Tante Lene schreit zwar , sein Kopf tauge nichts , der , sowie er etwas Philosophisches schreiben wolle , ihn schmerze , zusamt den Augen ; wenn nun auch der Kopf nichts taugt , so war doch sein Herz sehr lebendig aufgeregt als ich ihm vorlas , was Du für ihn geschrieben hast ; ich mußte es ihm abschreiben , er meinte , da er keine so freundliche Fürsprache bei Dir habe , wie Du bei ihm , so müsse er wohl selbst Dir schriftlich danken , einstweilen schickt er beikommende Rede über Vernunft und Verstand . Bettine Köln , wo ich vorm Jahr so fröhlich war , der launige Rumohr hat ' s hingekritzelt , er geht hier so ganz verträglich mit der Langenweile um , und bejammert mit aufrichtigem Herzen die Zeit , die wir miteinander am Rhein zubrachten . Hier spielt der Wind schon manches falbe Laub von den Ästen und mir die kalten Regentropfen ins Gesicht , wenn ich frühe , wo noch kein Mensch des Weges geht , durch die feuchten Alleen