Malerei entbehrt . Ziehe hin , die Ausübung deiner Kunst sei dir heilige Andacht , und deine zerrissene Seele wird gelabt werden mit himmlischem Trost . « - Als Francesko aufblickte zu den Frauen , gewahrte er , wie sie in sanftleuchtenden Strahlen zerflossen und ein Lilien- und Rosenduft die Kirche durchströmte . Nun wußte Francesko , wer die Frauen waren , und wollte den andern Morgen seine Pilgerfahrt beginnen . Aber noch am Abende desselben Tages fand ihn nach vielem Mühen ein Diener Zenobios auf , der ihm ein zweijähriges Gehalt auszahlte und ihn einlud an den Hof seines Herrn . Doch nur eine geringe Summe behielt Francesko , das übrige teilte er aus an die Armen und machte sich auf nach dem fernen Preußen . Der Weg führte ihn über Rom , und er kam in das nicht ferne davon gelegene Kapuzinerkloster , für welches er die heilige Rosalia gemalt hatte . Er sah auch das Bild in den Altar eingefugt , doch bemerkte er bei näherer Betrachtung , daß es nur ein Kopie seines Gemäldes war . Das Original hatten , wie er erfuhr , die Mönche nicht behalten mögen , wegen der sonderbaren Gerüchte , die man von dem entflohenen Maler verbreitete , aus dessen Nachlaß sie das Bild bekommen , sondern dasselbe nach genommener Kopie an das Kapuzinerkloster in B. verkauft . Nach beschwerlicher Pilgerfahrt langte Francesko in dem Kloster der heiligen Linde in Ostpreußen an und erfüllte den Befehl , den ihm die heilige Jungfrau selbst gegeben . Er malte die Kirche so wunderbarlich aus , daß er wohl einsah , wie der Geist der Gnade in ihm zu wirken beginne . Trost des Himmels floß in seine Seele . Es begab sich , daß der Graf Filippo S. auf der Jagd in einer abgelegenen wilden Gegend von einem bösen Unwetter überfallen wurde . Der Sturm heulte durch die Klüfte , der Regen goß in Strömen herab , als solle in einer neuen Sündflut Mensch und Tier untergehen ; da fand Graf Filippo eine Höhle , in die er sich samt seinem Pferde , das er mühsam hineinzog , rettete . Schwarzes Gewölk hatte sich über den ganzen Horizont gelegt , daher war es , zumal in der Höhle , so finster , daß Graf Filippo nichts unterscheiden und nicht entdecken konnte , was dicht neben ihm so raschle und rausche . Er war voll Bangigkeit , daß wohl ein wildes Tier in der Höhle verborgen sein könne , und zog sein Schwert , um jeden Angriff abzuwehren . Als aber das Unwetter vorüber und die Sonnenstrahlen in die Höhle fielen , gewahrte er zu seinem Erstaunen , daß neben ihm auf einem Blätterlager ein nacktes Knäblein lag und ihn mit hellen funkelnden Augen anschaute . Neben ihm stand ein Becher von Elfenbein , in dem der Graf Filippo noch einige Tropfen duftenden Weines fand , die das Knäblein begierig einsog . Der Graf ließ sein Horn ertönen , nach und nach sammelten sich seine Leute , die hierhin , dorthin geflüchtet waren , und man wartete auf des Grafen Befehl , ob sich nicht derjenige , der das Kind in die Höhle gelegt , einfinden würde , es abzuholen . Als nun aber die Nacht einzubrechen begann , da sprach der Graf Filippo : » Ich kann das Knäblein nicht hilflos liegen lassen , sondern will es mit mir nehmen , und daß ich dies getan , überall bekannt machen lassen , damit es die Eltern oder sonst einer , der es in die Höhle legte , von mir abfordern kann . « Es geschah so ; aber Wochen , Monate und Jahre vergingen , ohne daß sich jemand gemeldet hätte . Der Graf hatte dem Fündling in heiliger Taufe den Namen Francesko geben lassen . Der Knabe wuchs heran und wurde an Gestalt und Geist ein wunderbarer Jüngling , den der Graf seiner seltenen Gaben wegen wie seinen Sohn liebte und ihm , da er kinderlos war , sein ganzes Vermögen zuzuwenden gedachte . Schon fünfundzwanzig Jahre war Francesko alt worden , als der Graf Filippo in törichter Liebe zu einem armen bildschönen Fräulein entbrannte und sie heiratete , unerachtet sie blutjung , er aber schon sehr hoch in Jahren war . Francesko wurde alsbald von sündhafter Begier nach dem Besitze der Gräfin erfaßt , und unerachtet sie gar fromm und tugendhaft war und nicht die geschworene Treue verletzen wollte , gelang es ihm doch endlich nach hartem Kampfe , sie durch teuflische Künste zu verstricken , so daß sie sich der freveligen Lust überließ , und er seinen Wohltäter mit schwarzem Undank und Verrat lohnte . Die beiden Kinder , Graf Pietro und Gräfin Angiola , die der greise Filippo in vollem Entzücken der Vaterfreude an sein Herz drückte , waren die Früchte des Frevels , der ihm sowie der Welt auf ewig verborgen blieb . Von innerm Geiste getrieben , trat ich zu meinem Bruder Zenobio und sprach : » Ich habe dem Throne entsagt , und selbst dann , wenn du kinderlos vor mir sterben solltest , will ich ein armer Maler bleiben und mein Leben in stiller Andacht , die Kunst übend , hinbringen . Doch nicht fremdem Staat soll unser Ländlein anheim fallen . Jener Francesko , den der Graf Filippo S. erzogen , ist mein Sohn . Ich war es , der auf wilder Flucht ihn in der Höhle zurückließ , wo ihn der Graf fand . Auf dem elfenbeinernen Becher , der bei ihm stand , ist unser Wappen geschnitzt , doch noch mehr als das schützt des Jünglings Bildung , die ihn als aus unserer Familie abstammend getreulich bezeichnet , vor jedem Irrtum . Nimm , mein Bruder Zenobio , den Jüngling als deinen Sohn auf , und er sei dein Nachfolger ! « - Zenobios Zweifel , ob der Jüngling Francesko in rechtmäßiger Ehe erzeugt sei , wurden durch die von dem Papst sanktionierte Adoptionsurkunde , die ich auswirkte , gehoben , und