Kopfkissen . Er schritt weiter und kam in die Küche , da stand ein kleines Töpfchen mit einer Milchsuppe , das war übergekocht und halbverbrannt ; sonst war der Herd voll Retorten der abenteuerlichsten alten Gestaltung , in denen allerlei Dämpfe , wie Schatten von kleinen Menschen überdampften . Hier wurde ihm sehr öde und einsam , und was alle die künstlichen Maschinen nicht vermocht hatten : er schauderte und eine namenlose Angst ergriff ihn vor dem Leben eines ganz einsamen Menschen , der wie der letzte auf der Erde sich in seinen Träumen verliert und verwildert , an Hölle und Himmel zugleich anstößt und nicht hinein dringen kann . Er wollte ins Freie und trat in den Garten ; da saß an der Haustüre ein magerer nackter afrikanischer Hund auf seinen Hinterfüßen und wie er ihn niedersenkte , gleich setzte er sich wieder in die beschwerliche Stellung ; zwei ekelhafte Katzen schlichen unter kleinen alten , halbverdorrten halbbeschnittenen Bäumen umher , als gingen sie spazieren ; ließen sich auch durch die Ankunft des Grafen nicht irre machen , bis eine riesenhafte Kröte aus einer gemauerten Höhle kam ; da setzten sie sich stille um sie her und fingen an zu spinnen . Mit Abscheu sah der Graf dies widrige Abrichten ; unglaublich , wozu ein Mensch kommen kann , auch der gelehrteste , in wunderlich eigensinniger Abgeschiedenheit ; ihm war es , als sähe er sich schon so getrennt von allem Schönen , wenn er von seiner Dolores getrennt , dem Sonderbaren ganz hingegeben . Er trat aus dem schmalen Garten in ein großes Gartenhaus , das gegen den Sinn des übrigen Hauses , wo alles über und auf einander gehäuft und gelegt war , mit seinen reinen grüngemalten Wänden abstach ; in der Mitte hing über einem eisernen Gitter ein kleiner Glaskasten , aus welchem vier Trompeten von Silber ausliefen . Der Kasten hing an einem dünnen Drahte ; auf der einen Seite stand eine lebensgroße Figur , die eine Flöte in Händen trug , auf der andern Seite schwamm auf einem Quecksilberbecken eine metallene Ente . Noch peinigte ihn das Gefühl , ganz fremde und einsam in der Gewalt fühlloser Maschinen zu sein , die von dem Menschen geschaffen , leicht die Obergewalt über ihn bekommen könnten ; er sagte trotzig laut : » Spiel Flötenspieler , wenn du was kannst ! « - Der Flötenspieler setzte die Flöte sogleich an und spielte zwar etwas steif und unbequem , aber sehr künstliche Konzerte , wobei die Ente im Wasser fröhlich rauschte und von den Körnern , die an der Seite lagen , mit großer Begierde fraß . Der Graf schloß beide Augen mit seinen Händen und rief verwundert : » Wer hört hier , wer läßt sich hören , bin ich närrisch , oder ist alles nicht wahr ? « Eine zarte weibliche Stimme antwortete ihm : » Närrisch sind wir alle , ich kann dich hören , du kannst mich hören . « - Der Graf sah auf : » Wer bist du ? « - » Das unsichtbare Mädchen « , antwortete jetzt die Stimme aus der kleinen Trompete des Glaskastens . - GRAF : » Wie kommst du hierher , die Zeitungen erzählen ja , daß du in London eben viel Aufsehen machst . « - SIE : » Es gibt der unsichtbaren Mädchen viele , mich hält hier die Liebe fest . « - GRAF : » Liebe zu einem Unsichtbaren , oder kannst du sehen ? « - SIE : » Ich sehe mehr als ihr alle , und liebe mehr als ihr alle ; ich liebe den Flötenspieler . « - GRAF : » Liebt er dich wieder ? « - SIE : » Ach nein , er liebt mich nicht , seitdem ich verlangte , er solle mich ganz lieben ; doch was geht dich das an ? « - GRAF : » Liebes Kind , es geht mich sehr nahe an , denn ich wollte auch einmal in meinem Leben ganz geliebt sein . « - SIE : » Unglücklicher , und der Mond hat doch zwei Seiten und eine , die du nie sehen kannst . « - GRAF : » Warum hast du das nicht früher eingesehen ? « - SIE : » Weil ich früher nicht unglücklich war . « - GRAF : » Seit wann bist du unglücklich ? « - SIE : » Seit ich in diese Stadt gekommen und der Flötenspieler in den Büchern des Alten gelesen hat ; da hat er tagelang , nächtelang gelesen , und beschworen , und hat mein vergessen , da er mir doch geschworen hatte , mich nie zu vergessen ; endlich schlief er ein und ich sah , daß er schwer träumte ; der Schweiß lief ihm über die Stirne , da nahm ich seine Bücher , und warf sie alle ins Feuer ; da wachte er zornig auf und schalt sehr und will nicht eher wieder mit mir reden , bis ich die Bücher ihm wiedergeschafft habe . « - GRAF : » Wie kommt ' s , daß du mir dies alles vertraut , ich hab es nicht zu wissen verlangt ; werd ich es auch verdienen , sagst du es jedem ? « - SIE : » Du bist der erste , dem ich es gesagt , denn du siehst wahrhaft unglücklich aus , als wäre dir die Saat deiner Liebe ganz verhagelt , und du hättest keine mehr . « - GRAF : » Sag an Flötenspieler , ist alles so wahr , wie mir das liebe Mädchen gesagt ? « - SIE : » Er spricht niemals , zuweilen singt er aber , wenn er recht betrübt ; er setzt an : hör zu , er wird singen , und er singt so schön , so schön ! « - Der Flötenspieler setzte wirklich die Flöte an , blies und sang abwechselnd folgendes Lied : Flammenruh nach Weisheit streben Senkt den