mit einer solchen Geläufigkeit und Sicherheit gegeben , daß es unmöglich war , ein Wort dazwischen zu werfen oder darüber nachzudenken . Der Hofrath war denn auch vollständig verblüfft . Er starrte den Sprechenden ganz fassungslos an und fragte endlich kleinlaut : „ Meinen Sie das wirklich ? “ „ Es ist meine unumstößliche Meinung . Um nun aber wieder auf meinen Heirathsantrag zu kommen – “ „ Kein Wort davon ! “ unterbrach ihn Moser . „ Es ist Beleidigung . Meine Tochter ist die Braut des Himmels . “ „ Ich bitte um Entschuldigung , sie ist meine Braut , “ behauptete Max . „ Der Himmel kann warten , ich aber nicht . Nach fünfzigjähriger glücklicher Ehe habe ich nichts dagegen , ihm Agnes abzutreten , bis dahin aber nehme ich sie für mich ganz allein in Anspruch . “ „ Wollen Sie etwa die heilige Bestimmung meines Kindes verspotten ? “ rief der Hofrath , von Neuem in Wuth gerathend . „ Ich weiß es längst , Sie sind ein Ungläubiger , ein Gottesleugner , ein – “ die Stimme versagte ihm , er rang nach Athem und griff mit beiden Händen nach seiner Halsbinde . „ Regen Sie sich nicht auf ! “ warnte der junge Arzt . „ Solche heftige Erregungen können in Ihrem Alter und bei Ihrer Constitution gefährlich werden . Sie neigen entschieden zu Schlagflüssen . “ Die lange , hagere Gestalt Moser ’ s widersprach auf das Entschiedenste dieser Annahme , aber das kümmerte den Doctor Brunnow nicht , der ruhig fortfuhr : „ Nebenbei gesagt , es ist bei einer solchen Constitution von unglaublichem Vortheil , einen Schwiegersohn zu haben , der Arzt ist und selbstverständlich mit großer Sorgfalt über das Leben und die Gesundheit seines Schwiegervaters wachen würde . Wie gesagt , Sie dürfen sich nicht aufregen . “ „ Sie regen mich auf , “ rief der Hofrath , der bei dieser fortwährenden Betonung des schwiegerväterlichen Vehältnisses ganz wild wurde . „ Sie werden mir einen Schlaganfall zuziehen mit Ihre abscheulichen Behauptungen . Ich fühle mich schon ganz unwohl – das Blut steigt mir nach dem Kopfe ; ich brauche Luft – “ damit sank er in den Lehnstuhl zurück und faßte wieder nach seiner Halsbinde . Max kam ihm freundschaftlich zu Hülfe und löste den Knoten . „ Wir wollen vor allen Dingen dieses weiße Ungethüm entfernen , “ sagte er . „ Dann wird Ihnen leichter werden . Ich habe ein unfehlbares Mittel gegen Congestionen und werde es Ihnen sogleich verschreiben . Dergleichen Zufälle sind bedenklich , – wir müssen vorsichtig sein . “ Moser sah mit Wehmuth seine geliebte Halsbinde in den Händen des Doctors , der sie säuberlich zusammenfaltete und auf den Tisch legte . Mit der Entfernung des „ weißen Ungethüms “ schien aber wirklich die Heftigkeit von dem alten Herrn gewichen zu sein , und die Drohung wegen des Schlaganfalls hatte ihn ängstlich gemacht . Er sah geduldig zu , wie sein Quälgeist an den Schreibtisch ging , ein Recept – ein ganz unschädliches nervenstillendes Mittel – verschrieb und mit dem Papier in der Hand zu ihm zurückkehrte . „ Sechs Tropfen in einem Glase Wasser , “ sagte er mit ungemeiner Wichtigkeit . „ Wie oft ? “ brummte der Hofrath . „ Dreimal täglich . “ „ Ich danke Ihnen . “ „ Gar keine Ursache . “ Textdaten zum vorherigen Teil < < < > > > zum nächsten Teil zum Anfang Autor : W. Heimburg Titel : Um hohen Preis aus : Die Gartenlaube 1878 , Heft 32 , S. 534 – 536 Fortsetzungsroman – Teil 24 [ 534 ] Der Hofrath glaubte jetzt den unverwüstlichen Freier los zu werden , aber er irrte sich , der letztere zog , statt zu gehen , einen Stuhl heran und setzte sich ihm gegenüber . „ Sie willigen also in die Verbindung Ihrer Tochter mit mir ? “ begann Max wieder . Moser wollte von Neuem auffahren , besann sich aber , daß er ja sehr zu Schlaganfällen neige und jede Aufregung vermeiden müsse ; er erwiderte daher mit möglichster Ruhe : „ Nein und abermals nein ! Ich glaube es nicht , daß Agnes sich so weit vergessen kann , Sie zu lieben . Sie hat den Klosterberuf aus freiem Antriebe erwählt ; sie ist eine gehorsame Tochter , eine fromme Katholikin . “ „ Und wird eine ganz vorzügliche Gattin werden , “ vollendete Max . „ Uebrigens bin ich auch Katholik . “ Moser faltete die Hände . „ Ja , aber was für einer ! “ „ Ich meine nur , die Confession würde kein Hinderniß sein . Meine Verhältnisse sind für den Augenblick allerdings noch etwas bescheiden , aber sie würden einer Frau mit nicht allzu hohen Ansprüchen genügen . Was endlich meine Persönlichkeit betrifft , so würde mein Schwiegervater – – “ „ Hören Sie auf mit Ihrem ewigen Schwiegervater ! “ stöhnte der Hofrath . „ Ich will das nicht hören . Sie sind ein entsetzlicher Mensch . “ „ Sie werden sich an mich gewöhnen , “ versicherte der junge Arzt . „ Ich darf doch morgen wiederkommen um Sie und meine Braut zu sehen ? “ Der alte Herr antwortete nicht , um die Unterredung nicht zu verlängern ; er wollte den Plagegeist vor allen Dingen aus dem Hause haben . Morgen wollte er sich einschließen , verriegeln ; Max schien auch einzusehen , daß er seinem armen Schwiegervater für heute genug zugesetzt habe , denn er ging wirklich , wandte sich aber an der Thür noch einmal um . „ Herr Hofrath ! “ „ Was wollen Sie denn noch ? “ fragte dieser verzweiflungsvoll . „ Wenn Sie mit Agnes die Sache besprechen , vermeiden Sie jede Aufregung dabei ! Sie wissen ja , wie gefährlich das ist . Sechs Tropfen von der Arznei in einem Glase Wasser , dreimal täglich , und vor allen Dingen Mäßigung und Ruhe