ließ ihren Blick durch den Raum schweifen , während ihre lange Hand einen weiten Kreis umschrieb . » Ich habe es durchgesetzt , was ich ihm damals versicherte , als er den Grundstein zu dem Hause legen ließ , durchgesetzt bis zu dieser Stunde ! Und daß ich in diesem Augenblick mein Gelübde breche , das wird er nie erfahren . « Sie schritt tiefer in das Atelier herein und lachte spöttisch auf . » Sieh dich um , Adelheid ! « sagte sie zu der Stiftsdame , die zögernd und sichtlich widerwillig ihr gefolgt war . » Ist diese verrückte Einrichtung nicht der reine Blödsinn ? ... Darin hat er allerdings recht gehabt – zu solchem Kram würde ich bis in alle Ewigkeit mein Geld nicht hergegeben haben – dazu mußte er selbst verdienen ! – Er ist ein sinnloser Verschwender ! « unterbrach sie sich selbst erbittert , und das Blut stieg ihr in das Gesicht . » In alte Scharteken und Trümmer steckt er Unsummen , wie er der fremden Gesellschaft im Erdgeschoß die teuersten Weine und Speisen durch die Gurgel jagt ! « – In welch grobe Ausdrucksweise verfiel die Entrüstete ! Und wie lebhaft wurden ihre Gebärden , wie rasch wandelte sich die müde-schleppende Gangart zum Geschwindschritt ! ... Die » Gnädige « durchfegte quer das Atelier und trat zu Donna Mercedes ' Entsetzen in den Wintergarten . » Die Dienstboten klatschen , und er braucht ' s doch nicht zu wissen ! « murmelte sie mit einem fast irrsinnigen Ausdruck vor sich hin . Sie drückte die in den Garten führende Tür zu , drehte den Schlüssel um und steckte ihn , als genüge ihr nur diese Art von Sicherheit , in die Tasche . Donna Mercedes verhielt sich lautlos wie eine Tote . Nur das Myrtengezweig trennte sie von dem Frauengesicht , dessen Atem sie nahezu streifen konnte – nie hatte sie den Verheimlichungstrieb so abstoßend , so wahnwitzig gesteigert ausgeprägt gesehen , als in der Art und Weise , wie die Frau den Schlüssel verbarg . Sie befand sich in einer höchst peinlichen Lage – sie war gefangen . Ihr stolzer Sinn , ihr ganzes Empfinden empörte sich gegen die Mitwissenschaft dessen , was die Baronin in Abwesenheit ihres Mannes hier trieb ; allein noch unerträglicher war ihr der Gedanke , jetzt erst hervorzutreten und der Frau den Schlüssel abzunötigen – sie beschloß , still auszuharren , vielleicht entfernten sich die Damen bald wieder . Die Baronin war , ohne sich umzusehen , in das Atelier zurückgekehrt . Und nun huschte sie von Schrank zu Schrank ; keine der Türen war verschlossen ; die meisten Schubfächer erwiesen sich als leer , oder sie waren mit Zeichnungen und Entwürfen gefüllt , welche die gierig wühlenden Hände stets verächtlich wieder hineinstopften . Es war abscheulich zu sehen , wie die lange Gestalt sich katzenartig an den Schränken und Kredenzen emporreckte , wie sie auf die Zehen trat und zwischen dem klirrenden Geschirr auf den Simsen und Borden jedenfalls nach irgend einem achtlos liegengelassenen Brief tastete . Währenddessen war die Stiftsdame an die Staffelei getreten . Anfänglich hatte sie in regungsloser Überraschung wie angewurzelt gestanden – aber nun entfuhr ihr ein Ausruf der Entrüstung . Sie rauschte um einige Schritte von dem Bilde weg , und ihr Blick suchte nach der umherhuschenden Frau . » Ich bitte dich , Klementine , lasse doch dieses widerwärtige Spionieren ! « rief sie in zürnender Ungeduld . » Komm lieber hierher und sieh , was du durch deine Gleichgültigkeit verschuldet hast ! « » Mein Gott , was hast du denn wieder ? « antwortete die Baronin ärgerlich über die Schulter hinüber . Sie hatte eben eine Schranktür zurückgeschlagen , hatte ein leeres Kuvert in einem der Fächer gefunden und schien jeden Buchstaben der Adresse mit den Augen zu verschlingen . » Ist das nicht von Damenhand ? « fragte sie , eilig das Atelier durchschreitend , und hielt der Stiftsdame das Kuvert hin . » Ich berühre anderer Briefe grundsätzlich nicht , « entgegnete diese in herber Rüge und hob abwehrend die Hand . » Wozu diese häßliche Art von Indiskretion ? – Selbst wenn dir der Inhalt einen augenfälligen Beweis der Untreue in die Hände lieferte , « – eine Flamme innerer Erregung schlug bei diesen Worten über das Gesicht der Baronin hin – » er würde deinen Mann bei den Unseren weniger schuldig erscheinen lassen als dieses Bild hier – das bricht ihm den Hals ! – Sieh her ! « Sie trat wieder hinter die Staffelei , während die Baronin unter einem Gemisch von Scheu . Verdruß und Widerspruch sich nicht von der Stelle bewegte . « Ach was – ich mag nicht ! « versetzte sie störrisch . » Du berührst seine Briefe nicht , und ich sehe grundsätzlich seine Bilder nicht an . « » Ja , leider ! – Da rühmst du dich , weil du noch nie das Atelier betreten hast , und jetzt weiß ich , daß du stets und immer in dieser Werkstätte hättest zugegen sein müssen , um einen Weltskandal zu verhindern ! « – Sie streckte die Rechte gegen das Bild aus . » Das ist das abscheulichste Tendenzgemälde , das je in die Welt hinausgegangen ist ! « rief sie tief erregt . – » Diese hier « – sie zeigte auf die herrliche Mittelgruppe – » die Abgefallenen , die Ketzer , die vor Gottes Angesicht Verstoßenen , sie tragen den Nimbus himmlischer Verklärung , und die Getreuen dort , die in Glaubensinbrunst die Waffen ergriffen , um den Fels der Kirche von dem hinaufkriechenden Gewürm zu säubern , sie kommen da hervorgestürzt , als mord- und blutgierige Teufel ! ... Und das konnte in seinem Kopfe entstehen , während du an seiner Seite gingst ! Es durfte ungehindert Form und Farbe annehmen , dieweil du kein anderes Ziel verfolgtest , als den spröden Ehemann als schmachtenden und sklavisch unterwürfigen Liebhaber zu deinen Füßen