seinen Sohlen hinauflecken durften . Ah , dort dehnte sich ein herrlicher Wasserspiegel hin . Er fing den Azur des wolkenlosen Morgenhimmels auf – ein riesiger Sapphir von fleckenloser Reinheit ! Der Teich war fertig , unglaublich rasch fertig geworden durch die massenhaft auf diesen kleinen Fleck konzentrierte Menschenkraft und riesige Geldopfer . Schwäne durchfurchten die blaufunkelnde Flut , und dem Ufer nahe schwankte ein buntbewimpelter Nachen au der Kette . Als Käthe gegangen war , hatte der Park in heller Maienblüthe gelegen – jetzt schien alles Grün tief schattiert , wie ein nachgedunkeltes Gemälde ; über das sanfte Farbengemisch der Frühlingsblumen waren die Sonnenflammen sengend hingelaufen und hatten dafür die Blüthenfackeln der Cannas , die kerzenartig aufstrebenden Gladiolen auf jedem zwischen der Boscage hervortretenden Rasenspiegel angezündet . Wie viele Hände mußten bezahlt werden , um dem Parke das Gepräge peinlicher Sauberkeit und Pflege zu bewahren ! Kein abgefallenes Blättchen lag auf den Wegen ; kein Grashalm bog sich über die vorgeschriebene Linie ; keine verdorrende Blüthe hing an den Zweigen . Und dort zwischen den köstlich schattierten Gruppen von Laubholz trat jetzt die imposante Façade des neuen Marstalles hervor ; auch an ihr war ununterbrochen gearbeitet worden ; ihr Emporwachsen war ein so zauberhaft rasches , als habe eine Riesenkraft das Mauerwerk mit seinen Stuckverzierungen aus der Erde getrieben . Und hier förderte in der That die treibende Macht , das Geld , fort und fort ; hier sprang der Goldquell in unverminderter Stärke , ob auch auf der Börsenbühne die großen Brunnen verschüttet waren – nein , nicht einer der elektrischen Schläge , welche die Geschäftswelt so mörderisch durchzuckten , hatte seinen Lauf hierher gelenkt . Unter der kühlen Wölbung der Lindenallee hinschreitend , kam Käthe der Villa näher und näher . Noch nie war ihr das kleine Feenschloß so aristokratisch unnahbar erschienen , als heute in dieser tiefgoldenen Morgenbeleuchtung , mit der aufgezogenen , farbenglänzenden Flagge auf seiner Plattform – das flatternde Willkommenzeichen wogte , festlich einladend , hoch in den Lüften . Unwillkürlich legte das junge Mädchen die Hand auf das ängstlich pochende Herz – sie war nicht eingeladen , und doch kam sie . Es war ein schwerer Gang , es war ein großes Opfer der Schwesterliebe , dieses Niederkämpfen der eigenen stolzen Natur . Hinter dem Bronzegitter des untern Balkons lief das Löwenhündchen der Präsidentin auf und ab und kläffte die Kommende wie immer feindselig an , und die Papageien im blauen Salon akkompagnierten kreischend durch die weit offenen Glasthüren . Als Käthe unter das Portal trat , huschte eine Dame an ihr vorüber ; sie hielt das Taschentuch vor das Gesicht , aberüber den Spitzenbesatz hinweg streifte ein scheuer Blick aus furchtbar verweinten Augen das junge Mädchen . Käthe erkannte sie – es war die schöne , üppige , in Luxus schwelgende Frau eines Majors ; die Eleganz ihrer Toiletten war in der Residenz sprüchwörtlich geworden . Sie eilte um die Hausecke , in das Dunkel der Boscage , jedenfalls , um erst die Thränenspuren zu beseitigen , ehe sie die von Spaziergängern wimmelnde Promenade betrat . „ Dem Manne bleibt auch nichts Anderes übrig , als ‚ die Kugel vor den Kopf ‘ – das Bett unter dem Leibe soll ihm genommen werden , “ hörte Käthe , an der halb offenen Thür der Portierstube vorübergehend , einen Bedienten sagen . „ Geschieht ihm ganz recht – was braucht denn solch ein Officier in Papieren zu spekulieren , von denen er nicht den Pfifferling versteht ! Nun kommt die Frau und heult unserm Herrn was vor , und der soll nun den Karren aus dem Moraste holen – das könnte ihm fehlen ! Wenn er allen Denen helfen wollte , die in den letzten Tagen dagewesen sind , da könnte er nur den Ziegenhainer in die Hand nehmen und den Staub von den Schuhen schütteln – da blieb ’ ihm nichts . “ Abermals ein Opfer der entsetzlichen Katastrophe ! Käthe schauerte in sich zusammen und stieg unbemerkt die Treppe hinauf . In der Beletage war es feierlich still – mechanisch schritt sie zuerst nach dem kleinen Salon , den sie bewohnt , und öffnete die Thür . Die Frau Baronin Steiner herrschte allerdings hier nicht mehr , aber das Zimmer war auch nicht angethan , einen andern Gast wieder aufzunehmen . Sämmtliche Möbel waren ausgeräumt – dafür standen große , schöndrapierte Tafeln die Wände entlang und trugen auf ihren Flächen einen förmlichen Bazar von Ausstattungsgegenständen , den mit großer Ostentation aufgebauten , wahrhaft fürstlichen „ Trousseau “ der Frau Professorin in spe ; in der Mitte des Salons aber wogte von einem Kleiderständer nieder milchweißer Atlas , umhaucht von Spitzenduft und mit Orangenblüthen besteckt , und so hoch auch das Postament war , der schwere Stoff schleppte doch noch weit über das Parquet hin – Flora ’ s Brautanzug ! Käthe drückte mit weggewandten Augen die Thür wieder zu – einige Sekunden später lag sie tieferschüttert in Henriettens Armen , die in einen so exaltierten Jubel ausbrach , als werde sie durch diese Ankunft aus namenloser Pein erlöst . Die kranke Schwester war allein . Man habe heute im Hause keine Zeit für sie , klagte sie ; der Kommerzienrat richte Flora die Hochzeit aus , und zwar mit einem beispiellosen Aufwand . Er wolle bei dieser Gelegenheit der Residenz wieder einmal zeigen , wie hoch er Alle überrage , wenn er auf seinen Geldsäcken stehe – das sei nun einmal seine Schwäche . … Ganz ihrer unabhängigen Art und Weise gemäß , hatte sie es unterlassen , den Verwandten anzuzeigen , daß sie Käthe telegraphisch berufen habe . Das sei doch völlig überflüssig , meinte sie mit großen , erstaunten Augen auf Käthe ’ s betroffenes Kopfschütteln hin ; sie habe es stets betont , daß die Schwester eines Tages zurückkommen werde , um sie zu pflegen – man wisse das im Hause gar nicht anders , und was ein mögliches unvorbereitetes Zusammentreffen mit dem Kommerzienrat betreffe , so möge