der erste , kleine , scheinbar improvisierte Ball , mit welchem sie die hoffähige Jugend zu überraschen gedachte . Der Konzertsaal mit der anstoßenden Reihe von kleineren Sälen schwamm in weißem Tageslicht . Es troff von den mächtigen Glaskronen am Plafond , den Kandelabern in den Ecken , und im fernen Wintergarten , der die Zimmerreihe beschloß , schossen Lichtfontänen aus riesigen Lilienstengeln , aus Maiblumenglocken von weißem Glas , die sich gleichsam aus der fremdländischen Pflanzenwucht der Boscage emporranken . Was die hoffähigen Damen an Juwelen aufzubringen vermochten , es lag hingestreut auf Locken , Busen , auf schwer niedersinkendem Atlas und in hochgepuffter Gaze . Und die Seidenpracht rauschte , die flimmernden Fächer schwirrten , und alte wie junge , schöne wie häßliche Lippen flüsterten und kicherten in den Tönen der Medisance , der Schmeichelei , der heimlichen Liebe und des versteckten Neides . Dieses verworrene Geräusch verstummte einen Augenblick vollständig beim Eintritt » der Schönwerther « ... So sah sie aus , die fast mythenhaft gewordene zweite Frau ? So eigenartig stolz und gelassen ? So wenig berührt und eingeschüchtert durch die versammelte glänzende Hofgesellschaft ? Und was war das nun wieder für eine neue Marotte des Sonderlings , des Phantasten , der sie führte ! Er hatte diese Gräfin Trachenberg durch die Scheinehe in ein abscheulich schiefes Licht gebracht ; er hatte sie , als schäme er sich ihrer , bisher scheu versteckt ; sie war der Gegenstand mitleidiger Spöttereien gerade bei Hofe gewesen , und weil dadurch das Verhältnis nachgerade ein unhaltbares geworden , so befand sich die Bitte um Lösung desselben bereits auf dem Wege nach Rom . Da gab es keinen Zweifel mehr , und gerade da führte er sie bei Hofe auf , mit einer Ostentation , als wollte er sagen : » Seht , so schlecht ist mein Geschmack doch nicht gewesen ! Selbst zum Zweck meiner Komödie habe ich es nicht über mich vermocht , meinen Schönheitssinn ganz zu verleugnen . Seht sie euch noch einmal an , die Vielbespöttelte , ehe ich sie – heimschicke ! « Und die Herren meinten , er sei geradezu toll geworden vor Uebermut und Eitelkeit ; etwas Harmonischeres als diese zwei hohen Gestalten nebeneinander lasse sich nicht denken . Die erste Frau sei stets wie ein Schmetterling vor ihm hergegaukelt , und wenn sie je einmal um der Etikette willen ihre Fingerspitzen auf seinen Arm gelegt und ihr schmales Figürchen an ihm in die Höhe gereckt habe , so sei das fast lächerlich gezwungener Anblick gewesen . Ehe die zweite Frau noch ihren Weg durch den ungeheuren Saal vollendet , war es bereits festgestellt , daß sie eine Loreleierscheinung und er – ein blinder Narr sei . Man sah freilich nicht , wie er plötzlich den schönen , weißen Arm fester an sich drückte , als überkomme ihn die Reue , sein junges Weib diesen sie gierig anstarrenden Augen ausgesetzt zu haben ; man hörte nicht , daß es zärtliche Worte , Worte einer jäh erwachenden heftigen Eifersucht waren , die er ihr zuflüsterte ; man verstand ihn nicht , als er sie so feierlich betonend mehreren alten Damen als seine Frau vorstellte – es war eine Farce , eine neue Kaprice , in der er sich gefiel und bei welcher das arme Opfer an seiner Seite und der ganze Hof wohl oder übel mitwirken mußten – wie immer . Die einzelnen Töne aus dem Orchester herüber schwiegen plötzlich ; die Anwesenden standen wie die Statuen , und sämtliche Augen richteten sich auf die Seitenthür , durch welche die Herzogin kommen mußte . Die Flügel wurden feierlich zurückgeschlagen , und Serenissima , gefolgt von den beiden kleinen Prinzen und mehreren Damen und Herren , trat in den Saal . In diesem Augenblicke suchte Liane unwillkürlich Mainaus Gesicht . Eine dunkle Flamme lief ihm bis über die Schläfen , und ein böses Lächeln flog um seinen Mund . » Ah , in gelber Seide , und Granatblüten in den Locken ! « sagte er leise , ohne den Blick der jungen Frau zu erwidern . » Liane , sieh dir diese schöne Fürstin genau an ! So sah sie aus an jenem Ballabende , an welchem sie mir versprach , mein zu werden . Himmlische Reminiscenzen , die sie , wie es scheint , gerade heute aufzufrischen wünscht ! « Die Herzogin sah in der That überraschend schön aus . Das feurige , glänzende Gelb , das um die tief entblößten Schultern wogte , die glutvollen , ungezwungen aus den schwarzen Locken auf die Stirn fallenden Blumenkelche hoben das blutlose , wachsartige Weiß ihrer Haut in fast dämonischer Wirkung ; dazu die geschmeidigen , schlangenhaft weichen Bewegungen , der seltsame , luftatmende Zug um die blaßroten Lippen , um die leicht bebenden Nasenflügel , das Flammen der großen Augen – Liane mußte unwillkürlich an die Willis denken , die den Gegenstand ihrer Leidenschaft zu Tode tanzen ... Wenn er diesem Zauber abermals verfiel ? ... Die junge Frau bebte in sich hinein ; sie legte ihre schönen , schlanken Finger enger um seinen Arm und schmiegte sich so fest an ihn , daß er den unruhigen Schlag ihres Herzens fühlen konnte . » Raoul ! « flüsterte sie zu ihm hinauf , ihn erinnernd , daß sie da sei . Er fuhr überrascht herum ; dieser zärtlich weiche Herzenston von ihren Lippen traf zum erstenmal sein Ohr ; zum erstenmal lag ihre ganze Seele unverschleiert in den großen stahlfarbigen Augen , welche die seinigen suchten – angesichts der eintretenden Herzogin , des ganzen Hofes verriet ihm ein einziger angstzitternder Laut , daß seine Liebe erwidert werde . Die fürstliche Frau hemmte sekundenlang ihre Schritte ; sah es doch aus , als falle aus den Lüften ein schwarzer Schleier verdüsternd über die strahlende Erscheinung ; die schöngebogenen Brauen zogen sich finster zusammen . Dort die milchweiße , silberbestreute Robe , die wie ein Mondstrahl unter all den bunten Toiletten flimmerte , schien sie sehr zu