nur noch ein schwacher roter Schein . Sie begann umherzuwandern . Bis zehn Uhr wollte sie noch warten , dann zur Ruhe gehen . Vielleicht konnte man ja schlafen . Aber gegen zehn Uhr kam doch die Kammerfrau und beschied sie hinunter . Sie ging die Korridore entlang und über verschiedene Treppen und Treppchen , bis sie in die wohldurchwärmte und hellerleuchtete Halle vor den Gemächern Ihrer Hoheit gelangte , empfand sie auch heute wieder den eigentümlichen Zauber dieser prächtigen Räume . Überall dieses satte Rot auf Wänden , Teppichen und Vorhängen , überall das gedämpfte Licht rötlich verschleierter Ampeln und Lampen , überall Gruppen üppiger fremdländischer Pflanzen und überall prächtige , farbenglühende Gemälde in breiten , funkelnden Goldrahmen . Die Herzogin lag in ihrem Schlafzimmer , in dem niedrigen mit schweren roten Vorhängen umgebenen Bette , deren Falten oben an der Decke ein vergoldeter Adler in seinen Klauen hielt . Auch hier eine rötliche Beleuchtung , die das bleiche Gesicht mit trügerischen Rosen überhauchte . » Es ist spät , Dina « , sagte die Kranke mit verschleierter Stimme , » aber ich kann nicht schlafen , fast nie mehr , und ich kann nicht allein sein , ich fürchte mich . Ich habe mir darum einen Vorhang des Bettes so legen lassen , daß ich die Tür nicht sehe . Mich erfaßt mitunter eine unerklärliche Angst , es möchte etwas schreckliches über die Schwelle kommen , unser Hausgespenst , die weiße Frau , die mir melden will , was ich ja schon weiß : daß ich sterben muß . Ich lag sonst so gern im Dunkeln . Erzähle , Klaudine , erzähle mir alles , ich meine , oft wird es nicht mehr sein , daß ich dir zuhören kann . Wie erging es dir , Dina ? Sprich ! « Klaudine meinte , sie müsse hinauseilen aus diesem reichen Zimmer mit seiner vergoldeten Decke und dem betäubenden Maiblumenduft , der vom Wintergarten herüberzog . » Mir geht es gut , Elisabeth , ich bin nur traurig , daß du leidest « , sagte sie und nahm zur Seite des Bettes Platz . » Klaudine « , begann die Kranke , » ich habe noch so vielerlei zu schreiben und zu ordnen , und wenn erst mein Vater hier ist und meine Schwestern – sie werden bald eintreffen – und wenn ich die Angst wieder bekomme , die erstickende Angst , dann ist es zu spät . Hilf mir ein wenig dabei . « » Elisabeth , du regst dich unnötig auf . « » Nein , o nein , ich bitte dich , Dina ! « Und sie wandte ihr abgemagertes Gesicht um und blickte das Mädchen mit den großen glänzenden Augen an , als wollte sie in das Herz der Freundin schauen . » Du bist eine so seltsame Braut , Klaudine « , begann sie nach einer Weile flüsternd , » und seltsam ist auch Euer Brautstand . Er dort , du da . Klaudine , gestehe , es war ein frommes Opfer von dir , als du an jenem gräßlichen Tage deine Hand verschenktest ! Sprich , Klaudine , du liebst ihn nicht ? « Mit wahrhaft verzehrender Angst hingen ihre Blicke an dem nassen Antlitz des Mädchens . » Elisabeth « , sagte dieses nach einer Pause und legte die Hände auf ihre Brust . » Ich liebe Lothar , ich habe ihn geliebt , als ich noch nicht wußte , was Liebe ist , als halbes Kind habe ich ihn schon geliebt ! « Die Herzogin schwieg , aber sie atmete rasch . » Glaubst du mir nicht , Elisabeth ? « fragte Klaudine leise . » Ja , ich glaube dir , Dina . Aber liebt er dich ? Sage , liebt er dich auch ? « flüsterte die Herzogin . Sie senkte die Wimper . » Ich weiß es nicht « , stammelte sie . » Und wenn du wüßtest , er liebt dich nicht , würdest du trotzdem sein Weib werden wollen ? « » Nein , Elisabeth ! « » Und du würdest dich nie entschließen können , einem anderen deine Hand zu schenken , der dich unsäglich liebt ? « Das schöne Mädchen saß wie ein Steinbild , ohne zu antworten . » Klaudine , weißt du , weshalb ich gekommen bin ? « fragte die Herzogin leidenschaftlich erregt . » Um mit der letzten Lebenskraft demjenigen , der mir am teuersten ist auf dieser Welt , ein heißersehntes Glück zu retten . Als ich fortging nach Cannes « , sprach sie weiter , » da kämpfte noch meine törichte Schwachheit , mein verwundetes eitles Herz mit der besseren Einsicht . Klaudine , der Herzog liebt dich – mich hat er nie geliebt . Er liebt dich mit aller Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit , deren sein edles Herz fähig ist . Ich habe während der Jahre unserer Ehe in jedem Zuge seines Gesichts lesen gelernt – er liebt dich , Dina ! Und er wird dich nie vergessen . Sitze nicht so stumm da , um Gottes willen , antworte ! « » Du irrst dich ! « rief Klaudine angstvoll und streckte abwehrend ihre Hand gegen die Herzogin aus . » Du irrst dich , Seine Hoheit liebt mich nicht mehr , es ist ein Wahn von dir ! Du darfst nicht über solche Hirngespinste grübeln , du durftest deshalb nicht kommen . « » O , glaubst du , Dina , daß man die Liebe auszieht wie ein Kleid ? « fragte die Herzogin bitter , » daß man sich vornehmen kann , etwa als wolle man einen Spaziergang machen : von heute ab wird nicht mehr geliebt – Punktum ? So ist das Herz nicht beschaffen . « Klaudine schwieg . » Ich werde mich nie verheiraten « , sagte sie dann leise und bestimmt , » wenn nicht beider Herzen sich einander zuneigen , nie ! Verzeihe , Elisabeth , ich darf dir keine