von der Verrätherei und der List seines Bruders , wohl wies er darauf hin , daß er sich endlich einmal nach seinem Jakob umsehen müsse , doch gelang es mir leicht , die Bedenken des armen Schelms zu beschwichtigen . Ich rühmte die Sicherheit und Verborgenheit seines Schlosses , und zu der Freude , welche er hierüber empfand , gesellte sich noch der Umstand , daß er mich über Alles liebte und jetzt , nachdem sein Schutzengel auf der Oberförsterei die freundlichen Augen auf ewig geschlossen , nur noch mit Angst und Schrecken an die bevorstehende , unumgänglich nothwendige Trennung dachte . Daß seine lange Abwesenheit bei den Seinigen Mißtrauen erwecken müsse , begriff ich sehr Wohl , ebenso , daß mit jedem Tage die Sehnsucht nach seinem Raben wuchs , und so rieth ich ihm denn , sich noch an demselben Abend nach der Hütte seiner Mutter zu begeben , dort einige Erkundigungen einzuziehen und dann bei der ersten günstigen Gelegenheit zu mir zurückzukehren . Er that , wie ich ihm rieth , doch bereits in der Mitte des folgenden Tages traf er wieder bei mir ein . Die Gelegenheit , das elterliche Obdach ohne Aufsehen zu verlassen , hatte sich nur zu schnell geboten . Trotzdem er seinem Bruder eine Anzahl , vorgeblich auf der Landstraße erbettelter , kleiner Münzen einhändigte , war er von diesem ungewöhnlich hart mißhandelt worden . Die Mißhandlungen hätte er wohl ertragen , als derselbe aber drohte , seinem Jakob den Hals umzudrehen , hatte er den Raben an sich genommen und den günstigen Augenblick erspähend , war er davongelaufen . Der Vogel , der seine Zunge nicht zu zügeln verstand , war allerdings ein gefährlicher Gast für mich ; um Alles in der Welt aber hätte ich es nicht vermocht , des braven , treuherzigen Burschen einzige Freude aus meiner Nähe zu bannen , um so mehr , da wählend meines Aufenthaltes in der Höhle kein fremder Mensch die abgelegene Schlucht betreten hatte , und Anton , die mir drohende Gefahr nicht unterschätzend , bereitwilligst seinen vorwitzigen Jakob mittelst einer an seinem Fuße befestigten Schnur im Hintergrunde der Höhle gefangen hielt . Entdeckungen , die vielleicht in Beziehung zu meiner Lage zu bringen gewesen wären , hatte er nicht gemacht . Nur einmal war er von seinem Bruder gefragt worden , ob er mich gesehen habe , und als er dies verneinte , hatte jener die Bemerkung hingeworfen , daß der Oberstlieutenant schwerlich ohne fremde Hülfe das todte Fräulein von dem Stuhl auf das Bett getragen haben könne . Anton fand in dieser Aeußerung nichts Verdächtiges , ich dagegen errieth sogleich , daß jener Umstand jedenfalls zwischen Bernhard und dem wilden Andres zur Sprache gekommen . Und noch mehr , es schien mir daraus hervorzugehen , daß die beiden Geistlichen kaum noch die zuvorkommende Aufnahme im Hause meines Vormundes gefunden , wie Bernhard vielleicht gewohnt gewesen , und daher in dem Verdacht bestärkt wurden , daß ich in der Nähe weilen müsse . Auch die Stunde , in welcher die Beerdigung in dem nächsten Kirchdorf stattfinden sollte , hatte Anton sich gemerkt , und von ganzem Herzen billigte ich seinen Entschluß , derselben beiwohnen und mir demnächst einen Bericht , so gut es eben in seinen Kräften stand , über die Feierlichkeit abstatten zu wollen . Wie gern , wie unendlich gern hätte ich meiner armen Johanna das letzte Geleite gegeben , wie gern zusammen mit meinem erkalteten Herzen auch noch einige Spätblumen zu ihr in ' s Grab gelegt ; doch ich war ein Geächteter , der den Anblick anderer Menschen fliehen mußte . Aber Anton gab ich ein Sträußchen Blumen und grüne Farrenkräuter mit , das Einzige , was in dem Bereich meines Verstecks zwischen dem Gestein aufzufinden war , und ertheilte ihm den Auftrag , das Sträußchen auf den Sarg zu legen und die liebe , theure Todte von mir zu grüßen , aber leise , ganz leise , so daß seine Worte nicht von den Umstehenden vernommen weiden könnten . Anton versprach , meinen Auftrag auszuführen , und seine trüben Augen schauten mich dabei so treuherzig , so theilnahmvoll und aufrichtig an , daß ich unwillkürlich einen Vergleich anstellte zwischen dem armen , von aller Well verlassenen und verachteten Krüppel und Denjenigen , die mit kalter Berechnung das irdische Glück einer Familie zerstörten , um ihren selbstsüchtigen , verächtlichen Zwecken zu genügen , und sich dabei stolz die Träger und Verbreiter des göttlichen Wortes und der göttlichen Lehre nannten . Als Anton dann gegangen war , ich mir und meinen traurigen Betrachtungen allein überlassen blieb und der eigentlichen Urheber meines Unglücks gedachte und des unschuldigen Opfers , welches ihren finstern , fluchwürdigen Plänen gefallen war , o , wie sich da mein Herz zusammenschnürte . Ich war kein Mensch mehr , der milderen Gefühlen zugänglich ; nein , eine wilde Wuth , ein unersättlicher Durst nach Rache erfüllte mich , und indem sich meine Zähne knirschend aufeinander rieben , sann ich darüber nach , wie es zu ermöglichen sei , Bernhard sammt seinem verrätherischen Genossen , und sollte mein Leben der Preis dafür sein , auf die qualvollste Art zu vernichten . Und hätte ich zehn Leben zu verlieren gehabt , damals erschienen sie mir ein geringer Preis für die blutige Vergeltung , welche ich an Johanna ' s und meinen Verderbern auszuüben hoffte . Ich lag hart am Ausgange meines Verstecks ; meine Blicke reichten zwischen den Brombeerranken hindurch eine kurze Strecke in die Schlucht hinein . Der Himmel spannte sich grau und eintönig über die stille Landschaft aus ; die in der Luft enthaltene Feuchtigkeit hatte Bäume , Zweige und Felswände dunkler gefärbt und die dürren Blätter durchnäßt und erschlafft , wie um ihnen , zur Feier des Tages , das Rauschen und Flüstern zu verbieten , doch der Anblick der gleichsam in Halbschlummer versenkten Natur vermochte den wilden Sturm nicht zu beschwichtigen , der in meiner Brust tobte . Thränen der Wuth drangen mir in