Ihnen eine Mitteilung machen , die Sie in Zorn versetzen wird , die ich Ihnen aber als Ihr Freund nicht vorenthalten darf . “ „ Nun ? “ fragte die Amazone und zündete sich eine neue Zigarre an . „ Ich habe entdeckt , daß Möllner liebt . “ Die Gräfin fuhr auf und blickte Herbert wie träumend an . Der eben eingezogene Rauch der frischen Zigarre quoll in Wolken aus ihrem halbgeöffneten Munde und gab ihr das Ansehen eines schönen feuer ­ speienden Dämons . „ Wen liebt er ? “ frug sie , während ihre flammen ­ den Augen den Namen von Herberts Lippen saugen wollten , noch ehe er ihn aussprechen konnte . „ Haben Sie je von einer Gelehrten namens Hartwich gehört ? “ „ Ja , ja , sie ist auch eine Emanzipierte . “ „ Ja , jedoch in ganz anderer Art als Sie , Grä ­ fin “ , berichtigte Herbert , sich voll Schadenfreude an den Qualen der stolzen Frau weidend . „ Sie sind nur zu Ihrem Vergnügen emanzipiert , jene ist es aus Grundsatz . Eine raffinierte Person , die Möllner durch ihren Geist imponiert . “ „ Nun — und diese ist es ? “ rief sie , vor Unge ­ duld den weichen Teppich stampfend , daß der Staub aufflog . „ Diese liebt er ! “ Zum ersten Mal sprang die Gräfin von ihrem Ruheplatz und stand hoch emporgerichtet in ihrer ganzen Majestät vor Herbert . Ihr goldgesticktes türki ­ sches Hauskleid hing in schweren Falten an ihr nieder . Ihre dunklen Haare fielen aufgelöst auf ihre Schul ­ tern . Das Flimmern und Funkeln ihrer langen Diamant-Ohrringe verriet das leise Zittern , das ihren Körper überflog . Die niedere antike Stirn mit den kühn geschwungenen Brauen , der halb geöffnete Mund mit der pfeilförmigen Oberlippe , der breite , kräftige Hals , die gewaltige und doch so vollendet schöne Gestalt — Alles erinnerte an eine Niobe , nur daß der Affekt , welcher sie soeben beherrschte , mehr Zorn als Schmerz war . „ Ist es wahr — wirklich wahr ? Ich will Alles hören . “ Herbert erzählte , was er selbst erlebt und er ­ fahren hatte . Die Gräfin schwieg einige Minuten , wie erstarrt von Überraschung — dann murmelte sie kurze und abgebrochene Worte vor sich hin , die Herbert nicht verstand , endlich schwoll ihr Groll so weit , über ihre Lippen , daß er bis an Herberts Ohr drang . „ Man muß Alles zum ersten Mal erleben — es ist das erste Mal , daß ein Mann , dem ich mich ge ­ nähert , eine Andere liebte . “ Sie schritt im Zimmer auf und nieder , daß die Lichter in den Ampeln flacker ­ ten , wo sie vorüberkam . Ihre Zigarre warf sie in den Kamin . „ Das muß mir begegnen ! Mir ! O , verwünscht sei der Tag , wo es dem Grafen einfiel , hierher zu reisen , um Heilung zu suchen ! Dafür ver ­ brachte ich nun seit seinem Tode die Flitterwochen meiner Witwenschaft in diesem Neste , abgeschieden von allen Herrlichkeiten der Welt , züchtig verschämt , hoffend und harrend wie eine Braut , keine Gesell ­ schaft um mich , als meine Pferde , meine Hunde und — Sie ! Dafür , dafür — um mir die Lehre zu holen , daß es einen Mann gibt , der mir widerstehen kann . Wahrlich , das war der Mühe wert ! “ Sie schlug sich vor die Stirn . „ O wär ’ ich damals nicht in jene Vorlesung gegangen , dann hätte ich ihn vielleicht nie gesehen . Wär ’ ich weggeblieben ! Was kümmern mich Physiologie und Anatomie oder wie das Zeug heißt . Ich hörte , dieser Möllner sei ein so schöner Mann , da trieb mich die Neugier hin . Ich Törin , daß ich mir einbildete , er habe mich in jener Vorlesung gesehen und bewundert , wie ich ihn “ , — sie blieb stehen und versank unwillkürlich in die Erinnerung : „ Gott im Himmel , war dieser Mensch schön an jenem Abend ! Diese Stirn , dieses Haar und dieses Auge — ein Jupiterkopf . Ich fühlte mich erröten , wie ein sechzehnjähriges Mädchen , wenn mich ein Strahl dieses Auges traf . Und diese Würde , diese Haltung ! Und diese Sprache mit dem tiefen Glockenton ! Ich verstand nicht , was er sagte , aber es war auch nicht nötig , seine Stimme war eine Melodie , der man mit Entzücken lauscht auch ohne Worte ! Sein Vortrag eine Symphonie — nein schöner als diese , denn in der Symphonie hören wir nur , — hier aber sahen wir auch ; die Bewegungen seiner Lippen beim Sprechen sind unnachahmlich und wenn er lächelt , welche Zähne ! “ Sie hielt inne . Ihre Lippen zuckten , ihre Wangen glühten . Es war ihr eine Wollust , endlich einmal ihr Herz auszuschütten , unbekümmert um das , was ihr Zuhörer dabei empfand . „ Und ist seine Stimme schon so hinreißend , wenn er von den trockensten Dingen redet , wie muß sie erst klingen , wenn seine Seele darin überfließt ! “ Sie bedeckte mit der Hand die Augen und lehnte sich über ­ wältigt an den Sockel des Farnesischen Stiers . Herbert saß regungslos stumm , wie ein Gefolter ­ ter , seine Schmerzen schnürten ihm die Kehle zu . „ Ich habe keinen Mann mehr eines Blickes ge ­ würdigt , seit ich ihn sah , sie haben mich Alle ange ­ widert . Ich war ihm treu ohne Schwur , ohne Pflicht , ohne Recht . Ich habe , seit ich ihn liebe , zum ersten Male empfunden , was der Moralist eine sittliche Regung nennen würde . Denn ein Weib , das zum ersten Male wahrhaft liebt , wird zur Jungfrau — sei sie sechszehn