das Gesetz seiner geistigen Macht und Schönheit zu zwingen wußte « . Die Hauptüberraschung aber brachte der Abend . Im Rücken von Tamsel , unmittelbar hinter dem Park , liegt eine Wald- und Hügelpartie , durch die sich ein Hohlweg , die Straße nach dem benachbarten Zorndorf , hinzieht . Sei es nun , daß dieser Hohlweg dem Terrain , um dessen Reproduzierung es sich handelte , wirklich ähnlich sah , oder sei es , daß man einfach nahm , was man hatte , gleichviel , der Hohlweg war auf Anordnung des Grafen Ludwig überbrückt worden , um an dieser Stelle die Erstürmung des Passes von Gabel , eine der glänzendsten Waffentaten des Prinzen , noch einmal bildlich zur Darstellung zu bringen . Unten standen die Tamseler und Küstriner , Kopf an Kopf , um Zeuge des prächtigen Schauspiels zu sein , und Feuerwerk und Leuchtkugeln erhellten die Nacht , während Graf Ludwig , von einem der zur Seite liegenden Hügel aus , den Prinzen bis an den Brückeneingang führte . Unter dem Jubel des Volkes überschritt dieser den » Paß « , an dessen Ausgang ihm drei Johanniterritter : Graf Dönhoff , von Schack und von Tauenzien in rotem Kriegskleid und schwarzen Ordensmänteln entgegentraten und auf die transparenten Worte hinwiesen : Henry parait ! il fait se rendre ! Vous fremissez fiers Autrichiens ! Si vous pouviez le voir , si vous pouviez l ' entendre , Vous béniriez le sort qui vous met dans ses mains . Also etwa : Heinrich erscheint und vor seinem Begegnen Zittert Östreich und unterliegt ; – Kenntet ihr ihn , ihr würdet es segnen , Stolze Feinde , daß Er euch besiegt . Die Erinnerung an jenen glänzenden Abend lebt noch bis heute fort . 1795 starb Graf Ludwig Wreech , der letzte seines Geschlechts , und Tamsel ging durch Erbschaft an den Grafen von Dönhoff über . Ein halbes Jahrhundert lang hatten die Wreechs dem Rheinsberger Hofe treulich gedient und aus nicht völlig aufgeklärten Gründen ihre Lebensaufgabe darin gesetzt , den Prinzen Heinrich auf Kosten seines Bruders , des Königs – den sie geradezu haßten – zu verherrlichen . Bogislaw von Tauenzien , der spätere Graf Tauenzien von Wittenberg , Sohn des berühmten Verteidigers von Breslau , gehörte fünfzehn Jahre lang dem Rheinsberger Hofe an . Er war ein ganz besonderer Liebling des Prinzen , der schon 1776 den damals erst sechzehnjährigen Fähnrich von Tauenzien zu seinem Adjutanten ernannte . Bis ganz vor kurzem noch befand sich ein trefflicher alter Stich im Rheinsberger Schloß , der die Szene darstellt , wie der Fähnrich von Tauenzien seine erste Meldung vor dem Prinzen macht . 1778 , bei Ausbruch des Bayerischen Erbfolgekrieges , folgte Tauenzien dem Prinzen nach Sachsen und Böhmen und kehrte mit ihm in das Rheinsberger Stilleben zurück , das nur noch durch die zweimalige Reise des Prinzen nach Paris , 1784 und 1788 , auf längere Zeit unterbrochen wurde . Auf beiden Reisen begleitete Tauenzien den Prinzen , 1784 als Leutnant , 1788 als Kapitän , und gedachte noch in späteren Jahren eben dieses Aufenthalts in der französischen Hauptstadt mit besonderer Dankbarkeit und Vorliebe . Bis 1791 , nachdem er kurz vorher zum Major befördert worden war , blieb er in Rheinsberg , dann aber trat er in die Suite des Königs und ward in den Grafenstand erhoben . Seine Stellung zum Prinzen wurde dadurch sehr schwieriger Natur , und nur Vermutungen lassen sich darüber äußern , in welcher Art er dieser Schwierigkeiten Herr wurde . Das Mißverhältnis zwischen dem König und seinem Onkel ( Prinz Heinrich ) war offenkundig , und Tauenzien stand zwischen zwei Gegnern , die beide Anspruch auf seine Treue und Dankbarkeit hatten . Wir müssen indes annehmen , daß er seiner Aufgabe gewachsen war , der Prinz würde sonst schwerlich eine ganze Reihe von Erinnerungen an Tauenzien um sich geduldet und wert gehalten haben , darunter ein treffliches Ölporträt , das bis diesen Tag den Zimmern des Schlosses verblieben ist . Major von Kaphengst Major von Kaphengst Die Rheinsberger Kirchenglocke trägt auch den Namen » Major von Kaphengst « als Inschrift . Von ihm und dem Schauplatz seines späteren Lebens werden wir ausführlicher zu sprechen haben . Christian Ludwig von Kaphengst ward ungefähr im Jahre 1740 auf seinem väterlichen Gute Gühlitz in der Priegnitz geboren . Wann er an den Rheinsberger Hof kam , ist nicht genau festzustellen gewesen ; sehr wahrscheinlich lernte der Prinz ihn während des Siebenjährigen Krieges kennen ( vielleicht als Offizier im Regimente Prinz Heinrich ) , fand Gefallen an seiner Jugend und Schönheit und nahm ihn nach erfolgtem Friedensschlusse mit nach Rheinsberg . Als Adjutant des Prinzen , eine Stellung , zu der ihn seine geistigen Gaben keineswegs befähigten , stieg er zum Kapitän und bald danach zum Major auf und beherrschte nun den Hof und den Prinzen selbst , dessen Gunstbezeugungen ihn übermütig machten . Der König , der in seiner Sanssouci-Einsamkeit von allem unterrichtet war , mißbilligte , was in Rheinsberg vorging , und wollte dem » Verhältnis « à tout prix ein Ende machen . 1774 überbrachte deshalb ein Page des Königs ( von Wülknitz ) dem Prinzen Heinrich ein königliches Geschenk von 10000 Stück Friedrichsdor , freilich zugleich mit der Order , » daß er den Major von Kaphengst entlassen möge « , eine Order , deren Wortlaut sich hier der Möglichkeit der Mitteilung entzieht . Der Prinz , aller Zuneigung zu seinem Günstling unerachtet , unter dessen Ungebildetheit und Eitelkeit er gelitten haben mochte , gehorchte dem Befehle sofort und tat es um so lieber , als die Entfernung Kaphengsts dem bestehenden Verhältnis nur die Last und Peinlichkeit eines unausgesetzten Verkehrs nahm , ohne das Verhältnis selbst absolut zu lösen . In der Tat , seitens des Prinzen wurde den 10000 Stück Friedrichsdors seines Bruders aus eigenen Mitteln noch ungefähr dieselbe Summe hinzugefügt und nachher unter Anzahlung von zirka 100000 Talern ein drei Meilen von Rheinsberg gelegener Graf Wartenslebenscher Güterkomplex , der die Rittergüter Meseberg