Konrad , willst du Norinas ersten Verehrer zu ihrem Porträtisten machen ? ! « » Warum nicht ? « entgegnete der , auf den Scherz eingehend , » bin ich doch sicher , daß es ein abgewiesener Freier war . « Carlo lachte hell auf : » Freier ! Ausgezeichnet ! - Der Sohn des alten Lucca vom Ponto Vecchio der Freier der Contessa Savelli ! « Maud wurde neugierig : » Das ist ja schrecklich romantisch ! Erzähle , Norina - bitte , bitte , wie war ' s ? « quälte sie . » Es ist nichts zum Lachen , Maud , « antwortete Norina ablehnend . Und Konrad kam ihr zu Hilfe , indem er , zu Carlo gewendet , frug : » Was weißt du von ihm ? Am Ende wäre dein Scherz ernsthaft zu erwägen ? « Ich sah bei einem Kunsthändler ein paar Porträts mit seinem Namen gezeichnet , « begann der Graf . » Wißt ihr , so ganz verrückte , « unterbrach ihn Maud lebhaft , » Menschen mit grünen Backen und blauen Haaren . « Konrad notierte sich die Adresse . » Ich werde mich nach ihm erkundigen lassen , « sagte er , und fügte , mit einem Blick auf Norina , hinzu : » Was meinst du , wenn er der erste Anwärter auf eine unserer Klosterzellen wäre ? « » Klosterzelle ? ! « Maud horchte auf , und Konrad erzählte ihr von dem Plan , den Eckartshof erholungs-und ruhebedürftigen Künstlern zur Verfügung zu stellen . Sie klatschte vergnügt in die Hände . » Norina als Königin eines Musenhofes - wundervoll ! « rief sie , » aber nicht wahr , ihr ladet mich ein , wenn schöne Frauen unter die edlen Sänger die ersten Kränze verteilen ? « Und scherzend gingen sie auseinander , ohne des Malers noch einmal Erwähnung zu tun . » Ich danke dir , « sagte Norina warm , als sie allein mit Konrad war ; » Mauds Gelächter und Carlos Spott vertrag ' ich nicht immer . « Konrad drückte ihr die Hand . » Ich verstehe , « entgegnete er zärtlich . » Was meinst du : wollen wir deinem alten Freunde weiterhelfen ? « Ein dankbarer Blick lohnte ihn . Als sie aber dann allein in ihrem Zimmer war , das nur ein paar Kerzen flackernd erleuchteten , und vor den Spiegel trat , sah ihr ein Gesicht entgegen , vor dem sie erschrak . Waren das ihre Augen , die so unruhig flackerten ? War es ihr Herz , das aus ihnen sprach ? Und was pochte plötzlich so ungestüm in ihren Adern , daß sie an den Schläfen in blauen Strichen scharf hervortraten ? - Vittorio Tenda , der Handwerkersohn , der die brennende Glut seines Herzens im Arno löschen wollte , - der Bettler , dem sie Geld hinwarf statt ihres Herzens , und der es nahm ? ! Sie wollte eben die Lippen hochmütig schürzen , den Kopf stolz in den Nacken werfen , als die Tränen ihr aus den Augen stürzten , unaufhaltsam . Warum nur , warum ? Während des Aufenthalts der Savellis , der nicht unbekannt blieb - die Tanten hielten einen brieflichen Verkehr mit den Nachbarn um so eifriger aufrecht , je mehr der persönliche unterbrochen war - , machten die Greifensteiner ihren Gegenbesuch . Sie hatten ihn lang genug aufgeschoben , waren doch die Hochsesser von der alten Tradition abgewichen , indem sie ihre Antrittsvisite nicht angekündigt und einfach ihre Karten zurückgelassen hatten , und man sich notgedrungen - man war ja so gar nicht in Toilette gewesen ! - verleugnen lassen mußte ! Die Baronin Rothausen hatte bei dem nach diesem Ereignis rasch zusammen geladenen Teebesuch der Nachbarn energisch erklärt , daß man der » hochmütigen Ausländerin « beweisen würde , wie wenig gespannt man auf ihre Bekanntschaft sei . In der Tat war die Bezähmung der allgemeinen Neugierde nur das Resultat äußerster Selbstbeherrschung . Sie wäre unmöglich gewesen , wenn man nicht durch die alten Fräuleins so genau über alle Details der jungen Ehe unterrichtet gewesen wäre , und sie hatte jetzt - wo die Kunde von der amerikanischen Milliardärin und ihren fabelhaften Toiletten überall verbreitet war - ihre äußerste Grenze erreicht . » Wie Sie Ihrer verstorbenen Frau Schwiegermutter ähnlich sehen ! « flötete die Baronin nach überaus zärtlicher Begrüßung der » lieben , jungen Nachbarin « , und fügte augenverdrehend hinzu : » daß die Arme ein so trauriges Ende nehmen mußte ! « Vergebens erwartete sie - was bisher von keinem jungvermählten Paar umgangen worden war - den Rundgang durch Haus und Wirtschaft . Norina dachte gar nicht daran , fremden Menschen einen weiteren Einblick in ihre Häuslichkeit zu gewähren , als den in ihre Empfangsräume , und da sie sich ebenso in ihnen bewegte wie in den großen hohen Sälen des Palazzo Savelli , so war das Urteil über sie , das binnen kurzem das Urteil der ganzen Nachbarschaft sein würde , rasch gefällt : » hochmütige , kaltschnäuzige Pute « , dachte Frau von Rothausen bissig und setzte sich ostentativ zu den alten Fräuleins . Norina versuchte indessen , Hilden in ein Gespräch zu ziehen . Das junge Mädchen , die in den wenigen Jahren , seit Konrad sie nicht gesehen hatte , rasch gealtert war - wie Frauen altern , die nichts haben als ihre Jugend - , tat ihr leid . Sie wußte , daß sie Konrad bestimmt gewesen war ; vielleicht hatte sie ihn sogar geliebt , so geliebt , wie sie sich erinnerte von ihrer Erzieherin gehört zu haben , daß deutsche Mädchen lieben : bis zur völligen Aufopferung ihrer selbst . Sie versuchte alle Tasten auf der Klaviatur des Herzens anzuschlagen , vergebens . » Wie verstimmt dieses Instrument sein muß , « dachte sie , bis Hilde plötzlich aus fast peinlicher Einsilbigkeit heraus , von ihrer Kinderfreundschaft mit Konrad , ihrem letzten längeren Besuch auf Hochseß - »