saßen , kamen zwei von den Plaienschen Soldknechten und holten den Malimmes zum Hauptmann Grans . Er schien diesen Weg nicht gerne zu machen . Und flüsterte dem Runotter zu : » Laß den Buben nit aus dem Haus ! Und die Gäul müssen unter Zaum und Sattel sein . Den ganzen Tag . « » Was fürchtest ? « » Geforchten hab ich noch nie was . Aber gestern hab ich allerlei gemerkt , das mir nit gefallen hat . Wir reden noch drüber . Jetzt muß ich zum Hauptmann . Hauptleut warten nit gern . « Als Malimmes das Haus verlassen hatte , legte Runotter seine Platten an und ging zum Stall . In den kleinen Hof , wo der Brunnen war , fiel schon die Morgensonne herein . Runotter guckte am Haus hinauf und sah auf der Altane des zweiten Stockes den Buben stehen , in Küraß und Schienen . Jul , ganz in Sonne , das schmale Gesicht umschattet von den dichten Strähnen des schwarzen Haares , beugte sich über das Geländer , nickte dem Gepanzerten im Hof da drunten zu und wollte in die weiße Stube treten . Doch heiß erschrocken blieb der Bub auf der Altanenschwelle stehen , ein schlanker Schatten vor dem Glanz der Sonne . Frau Marianne , den zierlichen Stahlhut mit den grauen Reiherfedern auf dem Arm , und die alte Magd , mit Wein und Mahl für den Durst und Hunger eines Riesen , kamen zur Tür herein . In ängstlicher Hast bestellte die Magd den kleinen Tisch und surrte davon . Die Amtmännin machte erstaunte Augen , als sie das säuberlich bedeckte Bett und das sorgfältig aufgeräumte Stübchen sah . Zum erstenmal , seit die Kriegsleute in ihr Haus gefallen , bekam ihr Gesicht einen ruhigen , fast frohen Ausdruck . Der rätselhafte Schutz , der ihrem Haus zu Hilfe gekommen war , hatte ihr Herz nicht so zutraulich berührt wie die Ordnungsliebe dieses gepanzerten Knaben . » Junger Mensch « , sagte sie , » dich hat deine Mutter gut erzogen . « Weil der Bub gegen die Sonne stand , konnte sie die Erschütterung nicht gewahren , die den Wortlosen befiel . Sie reichte ihm den schmucken Helm mit den Reiherfedern hin . » Der Soldknecht mit der bösen Narb hat mir gesagt , du tätst ein Eisenhütl brauchen . Da ist eines . Ich hätt ' s keinem anderen gegeben . Dir geb ich ' s gern . « Sie sagte herzlich . » Komm , tu dein junges Köpfl her ! Ob das Hütl paßt ? « Jul beugte den Kopf . Und von den Schultern fiel ihm das schwarze Haar um die heißen Wangen . Frau Marianne hob den Stahlhelm über die Stirn des Buben . » So ein junges Köpfl muß guten Schutz haben ! « Sie seufzte schwer . » Ach , der Krieg ! « Da wurde sie wieder heiter . » Guck nur , wie das Hütl sitzt ! « Sie trat zurück und betrachtete den Buben mit Wohlgefallen . » Meinem Sohn hat ' s auch so gut zu Gesicht gestanden . Der hat ' s gekriegt , wie er wehrhaft worden ist . « Erschrocken nahm Jul den Helm herunter . » Das Hütl nimm ich nit . Ich bin kein Sackmacher . « » Du ? Ein Sackmacher ? Und hast meinem Haus den Fried geschenkt . In einer schiechen Zeit . « Hastig sagte der Bub : » Bloß weil ich den flinkeren Gaul hab , bin ich der erste beim Tor gewesen . Daß Eurem Haus nichts Ungutes widerfahren soll , das hat mein - - Wahr ist ' s , Frau ! Das hat der Runotter so haben wollen , mein Vetter . « Frau Marianne beugte den Kopf , wie um hinunterzulauschen nach der üblen Leidenskammer ihres Mannes . Dann sagte sie ernst : » Was man deinem Vetter getan hat , ist ohne Verstand gewesen . Und da vergilt er ' s an unserem Haus mit gütigem Fried ! Dein Vetter ist ein redlicher Mann . Soll ihn der schieche Krieg nicht anders machen . Der Krieg ist ein Leutverderber . « Während Frau Marianne diese Goldmünze ihrer Weisheit prägte , hatte Jul mit zitternden Händen den Helm auf die Bettkissen hingelegt , in die das blinkende Eisen lautlos versank . » Aber komm , Bub , jetzt tu dich hersetzen ! Ganz wohl ist mir , daß ich ein lützel plauschen kann . Dein Mahl hab ich selber gekocht . Da möcht ich auch zuschauen , wie ' s dir schmeckt . Greif zu ! Es ist dir vergönnt . « Sie legte ihm vor , füllte das Weinglas und redete dem Zögernden herzlich zu . Und immer betrachtete sie den Buben , während er aß . » Vor sieben Jahr , bei einem Richtmannsfest in der Ramsau , da hab ich deines Vetters Mädel gesehen . Ist selbigsmal noch ein halbes Kind gewesen . Und so viel trutzig gegen meinen Buben . Ich muß dran denken , weil ich mein ' , du ähnelst ihr ein lützel . « Jul beugte das Gesicht über den Zinnteller . » Oft sagen ' s Leut . « » Wo ist das Mädel jetzt ? « Mühsam antwortete der Bub : » Es heißt , die hat der Vetter hinübergeschickt ins Pondau - zu seiner Schwägerin - « » Ist das deine Mutter ? « Der Bub schüttelte den Kopf . » Wo lebt deine Mutter ? « Jul hob den Kopf . » Meine Mutter hat sterben müssen . Schon lang . « » Ach - « Mit beiden Händen griff Frau Marianne über den kleinen Tisch hinüber . Und während sie die zitternde Faust des Buben streichelte , sagte sie : » Dir lebt deine Mutter noch allweil . Sonst wärst du nicht , wie du bist ! Aber komm , tu trinken und essen ! Mein armer Ruppert sagte allweil