« - » Und hast ihn gesprochen ? « fragte der Rentmeister ungeduldig . Der Trompeterhans schüttelte das Haupt : » Man hat mich nicht zu ihm gelassen . Oberst Gordon , der Kommandant von Eger , war bereits abtrünnig und mit Buttler einig , den Herzog und seine Partei umzubringen . Ich witterte Unrat , da man mich unter einem Vorwande entwaffnet und auf die Burgwache gebracht hatte . Dorten ward mir gewiß , ich sei ein Gefangener . Durch das Gitterfenster der Wachtstube konnt ich hören , teilweise auch sehen , was auf dem Burghofe und im Bankettsaale vor sich ging . Während , wie es hieß , der kranke Herzog von Friedland in der Bürgermeisterei am Ringe seine einsame Erholung suchte , hatten seine Vertrauten , die Grafen Kinsky und Tercky , der Feldmarschall Ilow und der Rittmeister Neumann , die Einladung des hinterhaltigen Gordon zur fröhlichen Tafel angenommen . Da nach dem Schmause die Fenster geöffnet wurden , konnte man hören , wie der Wein die Zungen gelöst hatte . Ein Wallensteinischer prahlte , in wenigen Tagen werde der Herzog eine Armee zusammengebracht haben , der ganz Europien nicht widerstehen könne . Ein anderer rief im Übermut der Trunkenheit : Ihr Brüder , wahrlich ich will mein Haupt nicht eher sanfte legen , als bis diese Hand in Habsburgs Blute gewaschen ist , - ja in Habsburgs Blute , dixi ! Lautlos still ward alles , dann ging neues Toben los . Soeben war Friedlands Wohl getrunken , als im Hofe dumpf Waffen klirrten und Soldaten sachte schritten . Auf einmal rief eine Stimme im Bankettsaale : Nieder mit Friedland ! Viva la casa d ' Austria ! Holla , wer ist gut habsburgisch ? Dies war das Feldgeschrei für die kaiserische Partei und das verabredete Zeichen zum Beginne der Mörderei . Unter solchen Rufen hatten Gordon , Leslie und Buttler die drei Kerzenleuchter vom Tische genommen und sich auf die Seite begeben , indessen andrerseits Dragoner mit blanker Waffe auf die überraschten Freunde Wallensteins eindrangen . Und nun ging ein Waffenrasseln los , ein Hilferufen , Wutgebrüll und Stöhnen . Wie man später sagte , war Kinsky der erste , der in sein Blut sank . Ilow , der seinen Degen von der Wand nehmen will , empfängt den mörderischen Stoß durch den Rücken . Tercky , dem es gelingt , seines Degens habhaft zu werden , wehrt sich wie ein Leu . An die Wand gelehnt , fordert er Gordon und Buttler als schändliche Verräter heraus , ritterlich mit ihm zu fechten . Die Dragoner , von denen er schon zwei niedergestreckt hat , stutzen vor seinen Hieben und Stößen und halten ihn schon für gefeit und gefroren , indem sein Lederkoller wie ein Panzer schützt . Da findet Deveroux mit schlitzendem Dolche den Weg zum Herzen , und dies hat ausgeschlagen . Neumann ist zwar aus dem Saale entronnen , doch nur , um in die Spieße der Außenposten zu stürzen . Gleich mir und der ganzen Wachtstube hatten die in einem Gemache neben dem Saale speisenden Diener das Hilfegeschrei ihrer Herren vernommen , konnten aber nicht beistehen , da sie eingesperrt waren . Wohl sprangen etliche aus dem Fenster , wurden jedoch von den unten postierten Soldaten niedergemacht . Ein einziger entkam aus der Burg und rannte , während eine Kugel hinter ihm drein in die Nacht sauste , zur Bürgermeisterei , um den Frauen der getöteten Grafen die Schreckenspost zu überbringen . Schaurig war ' s für mich , manches von diesen Vorfällen aus der Nähe wahrzunehmen , ohne helfen , ja ohne meine friedländische Gesinnung verraten zu dürfen . In der Wachtstube verblieb ich die ganze Nacht , von den Soldaten als ein Gefangener gehalten , wiewohl sie kameradschaftlich mit mir redeten und nichts dagegen hatten , daß ich über ihre Schultern durchs Fenster lugte , sobald sich auf dem Hofe etwas zutrug . Bald nach der Mordtat trat der Oberstwachtmeister Leslie zu uns in die Wachtstube und sagte , es sei soeben ein Befehl des Kaisers vollstreckt ; hinfürder gelte nur noch des Kaisers Wille , und man solle Seiner Majestät schwören ; mit der Friedländischen Tyrannei sei es nun endlich aus . Unverzüglich leistete die Wache den verlangten Eid . Drauf beobachteten wir , wie bei Fackelschein die Ermordeten aus dem Burghause in den Hof geschleift und nebeneinander in die Ecke gelegt wurden . Während man in der Wachtstube zechend und knöchelnd disputierte , lag ich auf meinem Strohsack und überlegte , ob Herzog Wallenstein ermordet , gefangen oder entkommen sei , und was aus diesen Ereignissen für unsern Herrn Schaffgotsch zu erwarten . Als der erste Hahn krähte , ward ein Trupp trunkener Offiziere in die Burg eingelassen , und aus ihren Reden entnahmen wir , was in der Stadt vorgefallen war . Bis gegen Mitternacht hatte sich Wallenstein mit seinem Astrologo über das Geheimnis der Sterne beraten und das Verhängnis der kommenden Stunden enthüllen wollen . Seno hatte ihn vor einer großen Gefahr gewarnt , doch nun vermeinte Wallenstein , die Gefahr sei vorüber , und hatte sich zu Bette begeben . An den Fensterscheiben rüttelte der Sturm , und es klirrte ein scharfer Regen . Auf einmal erschallt weibliches Jammergeschrei ; es sind die Gräfinnen Tercky und Kinsky , denen der entsprungene Diener den blutigen Tod ihrer Gatten gemeldet hat . Zugleich stampft die Meuchelbande die Wendeltreppe heran und sprengt die Tür . Im Hemde steht Wallenstein beim Fenster , als Deveroux mit gefällter Partisane auf ihn losstürmt : Bist du der Schelm , der des Kaisers Volk dem Feinde zuführen und der Majestät die Krone vom Haupte reißen will ? Da Wallenstein verächtlich schweigt und die Brust entblößt , seine Arme ausbreitet , so stößt der Mörder zu . Ohne Schmerzenslaut , stumm sinkt der Herzog zu Boden . Ein paar Augenblicke stund die Meuchelbande starr vor ihm , dem sie bisher zitternden Gehorsam entgegenbrachten . Dann vergaß ihre Furia jede Ehrfurcht und vergriff