Erinnerung : er hatte diese Worte eines Nachmittags im Grünschloß gesprochen , als die Rede auf Liebe und Liebesbewerbungen gekommen war , und die Fürstin hatte ihn gebeten , sie aufzuschreiben . Nachdenkend hielt er das Blatt in der Hand ; damals hegte er sogar einen Widerwillen gegen das kecke Wesen der Fürstin , sein Herz war damals erfüllt mit Kamillas Reiz , alles übrige berührte ihn nicht . Da rauschte ein Gewand , Konstantie trat ins Zimmer . Es hatte sich im Salon ein Streit erhoben über ein französisches Buch ; ihn zu enden , war sie nach ihren Gemächern geeilt , um das Buch zu holen . Valerius sah sie mit großen Augen an , ein träumerisches Nachsinnen lag in ihnen , das Blatt hielt er noch in der Hand . Eine flüchtige Röte stieg in Konstantiens Gesicht , sie griff nach dem Blatte und berührte dabei seine Hand . Ein süßes Gefühl weckte ihn aus dem Nachdenken . » Pfui doch , wie unartig , meine Mappe durchzustöbern ! Wie kommen Sie denn überhaupt in meine Zimmer ? Und wer hat denn jene Türen geöffnet ? « Sie warf hastig die Flügeltüre ihres Schlafzimmers herum . Unterdes kam auch Hedwig herbeigesprungen , schalt Stanislaus , daß er sich von ihr und der Gesellschaft entferne , und zog ihn fort . Die beiden Deutschen waren allein . Koustantie ging nach einem Winkel des Zimmers . » Unartiger Mensch , helfen sie mir ein Buch finden . « Er sprang hinzu - sie nannte aber keinen Titel und sah zerstreut unter die Bücher . Der leichte Schatten von Verlegenheit , welcher sich über ihr Wesen verbreitete , gab diesem glänzenden Wesen einen um so höheren Reiz , je seltener er an ihr wahrzunehmen war , je mehr er gegen das Herrschende und Imponierende ihrer Erscheinung zu kontrastieren schien . Ihre rechte Hand tastete wie suchend auf den Büchern umher , die linke strich leise an den Falten des Gewandes entlang . Diese weiße Hand schien alle ihre außergewöhnliche Unsicherheit auszudrücken . Valerius ergriff sie leise , die weichen , warmen Finger setzten noch einen Augenblick die Bewegung fort und schienen ebenfalls unschlüssig zu sein , ob sie sich dem Fremden ergeben sollten . Aber sie wurden still , und kaum merklich wuchs ihre leichte Schwere von Sekunde zu Sekunde . Nur als sie der Mann zu seinen Lippen aufhob , glaubte er ein leises Beben in ihnen zu verspüren . Valerius führte die Hand von den Lippen auf seine Wange , die warme Hand an die heiße Wange - er schwieg , sie schwieg , ihr Kopf wendete sich nicht zu ihm , aber er sah ihr Herz stürmisch klopfen . Aus den vorderen Zimmern her kam Geräusch ; da wendete sie sich plötzlich zu ihm ; ein unbeschreiblicher Ausdruck von Wehmut , Glück und Innigkeit lag darauf , feucht glänzten ihre Augen , jene vermittelnde Hand legte sich eng und fest in Hand und Wange des Mannes , er fühlte ihr heißes Antlitz an dem seinen , ihren Mund auf seinem Auge , und fort war sie , dahin flog sie durch die Zimmer . » Hat sie nicht Liebster gesagt , leise , ganz leise , als sollte ich es selbst nicht hören ? « sprach er ebenso leise . Er konnte sich lange von der Stelle , von dem Zimmer nicht trennen , und » Liebster « , » Liebster « flüsterte er vor sich hin . Als er in den Salon kam , lachte und scherzte man noch darüber , daß die Fürstin ein falsches Buch gebracht und dann eiligst ein Recht aufgegeben habe , was sie kurz vorher so hartnäckig verteidigt . Sie saß in einer holden Verwirrung da , und die Nachbarn des Deutschen flüsterten einander zu : » Sie wird alle Stunden schöner . « Valerius war so munter und ausgelassen , wie man ihn noch nicht gesehen hatte ; er scherzte und tändelte ohne Aufhören mit Hedwig , die mehr als einmal zur Fürstin sagte : » So liebenswürdig ist Ihr Landsmann noch niemals , niemals gewesen . « Konstantie lächelte wie das verborgene Glück und sah einen Augenblick auf Valerius . Es hing dann vor ihren Augen ein dünner Flor , durch welchen eine unendliche Seligkeit drängen zu wollen schien . - Als der Salon leer geworden , fiel es ihr ein , daß sie ihm Briefe aus Deutschland mitgebracht habe ; sie ging fort , und als sie wieder kam , trat ihr Valerius einige Schritte entgegen . Sie gab ihm die Briefe und sagte mit jener leisen , die Seele bewegenden Stimme : » Ich liebe dich unsäglich . « 19. Der Wind trieb die Wolken wie ein scheltender Herr sein Gesinde am Himmel umher . Sie flogen scheu unter dem Monde und den Sternen hinweg . Valerius glaubte aber auch ohne dies , Sterne und Himmel bewegten sich im Tanze , als er aus dem Palaste trat . Die Bewegung des Herzens macht alles beweglich , und es gibt keinen schöneren Sturm im Menschen , als wenn eine Liebschaft ihre Knospe schwellt , und wenn diese das Geheimnis ihrer Blume zu heben beginnt . Das sind die Momente der Himmelsahnung , welche uns die Gottheit gelassen hat für dürre unerquickliche Steppen von freudlosen Jahren , es sind die Zisternen unserer Lebenswüste , die immer einige Tropfen frisches Wasser bewahren , mag es noch so heiß um uns drängen . Solche Momente sind ' s gewesen , welche den Menschen zum ersten Male den stolzen Glauben erzeugt haben , sie seien gottähnliche Wesen . Valerius flüchtete wieder zu seinem geliebten Strome hinaus , heute mit seiner Lust . Heim konnte er nicht , das Zimmer war zu enge für sein Herz , denn es ist eine mehr als figürliche Redensart , daß das Herz sich ausdehnt von großen Gefühlen - man braucht wirklich mehr Raum , und in einer kleinen Stube kann man nicht soviel Glück ausströmen als