erstarb unter den starren Blicken im Feuerschein . Ein Tier in der Ferne jagte hin . Ein junger Hengst , der unruhig eine Strecke aufgescheucht . Wie ein dunkles Monument , so dünkte es Einhart , weil das Tier näher kam . Wie einer weiten mächtigen Freiheit Göttersohn schien es . Der wilde Hengst wieherte . Es antwortete wiehernd in der Runde . Der Mond begann höher und höher in die graue Nacht emporzuziehen und Strahlen zu spenden in die tiefe Schweigsamkeit . Einhart hatte vergessen , daß er schon in der nächsten Stunde zurückkehren müsse in eine andere Welt . Ausklang Einhart hatte graue Haare , die allmählich weiß wurden . In seinem Hause vor der Stadt , das in einem alten Garten lag , war die Vorhalle weiß getüncht , und es standen wenige Marmorbildungen in Nischen . Und seine Räume waren hoch und still , darin nur einige Bedienstete umgingen und eine alte Schaffnerin . Einhart war ein Meister geworden , der in hohem Werte stand . Toren , die Glossen machten über manche seiner Weisen , gab es wie immer mehr wie Kenner . Aber sehr viele spürten auch jetzt längst das Glück heraus , dem Einharts Seele sehnsüchtig nachgetrachtet , je mehr er die eigenen Brunnen ergraben . Einhart war in späteren Jahren noch vollends ein Einsiedler geworden , ein Eremit ohne Kutte , und ein rechter Sinnierer . Nicht etwa , wie Einer , der mit Begriffen sinnt , also , daß in der Seele nur Namen schwirren , daß das innere Auge nichts sieht als Grau in Grau , und das Ohr hört Worte hallen . Er hatte immer heitere Gesichte seines inneren Auges und hörte die Dinge aus sich tönen . So konnte Einhart in seiner vereinsamten Schau sitzen , wie ein Derwisch vor einem Blumenkeim , bis aus der schwarzen Erde die Blume selber aufstieg , die er heiter erwartete . Einhart war selten mit Menschen zusammen . Außer mit Poncet . Viele waren auch gestorben . Aber die Kinder seiner Nachbarschaft kannten ihn alle . Er lächelte jedes an und spaßte mit ihm . Erzählte lustige Sperlingsschwänke und deutete ihnen in gütigem Geplauder Sträucher und Sterne . Das Auge jedes , auch des kleinsten Jungen leuchtete und erwartete eine Freude , wenn Meister Einhart noch immer mit dem heiteren Funkelblick die Straße kam , noch immer schlank und gehalten und von einem paar gelber , zottiger , schlanker Schäferhunde begleitet , die ihm die Gräfin Schleh noch geschenkt hatte . Und Poncet war immer noch sein Freund . Der war auch grau geworden und auch weise . Wenn die beiden am Winterabend im Atelier Einharts vor einem hohen Kaminfeuer saßen und nur dann und wann der eine oder andere in die Stille hinein plauderte , erinnerten sie sich an viel vergangenes Leben . Auch an manche Zerwürfnisse , als wäre es jetzt ein Gut . » Man muß doch sagen , daß das Leben Weisheit hat , mindestens wie ein guter Tonsetzer , « sagte Einhart . » Wenn man es nur aufzuspüren versteht . « » Mir scheinen jetzt auch viele Schmerzen in der Rückschau sonnenklar aufgelöst , « sagte dann Poncet . * * * Später , als Einhart schon auf die Siebenzig zuging , begann er eine leidenschaftliche Erinnerung neu zu fühlen . So daß er wochenlang nicht ans Licht kam . Er saß und radierte allerhand Szenen aus dem Steppenleben , einen ganzen Reigen phantastischer Blätter , darin allenthalben ein gespenstiger Reiter und eine heilige Frau mit Verenas Zügen umging . In solcher Vertiefung in die eigene Schau einer weiten Welt , die an ihm vorübergegangen , also daß er gebeugt dasaß , wie ein lächelnder Hieronymus im Gehäuse , schwanden ihm seine Jahre hin . Indes ihn die Welt von ferne als Meister pries . Kein Uneingeweihter fand Zutritt in Einharts Werkstatt . Nur daß noch lange Jahre daraus reiche , satte Schöpfungen gingen , die vor seinem Auge zum eigenen Staunen aufgewachsen , wie auf einem gepflügten Acker einsame , seltene Blumenkelche . * * * » Ich war einer , der aus der grau in grauen Welt Helligkeit auffing , Licht , Sonne , weil ich einmal als Kind die Sonne gesehen in blonde Mädchenhaare fallen und sie beglänzen . Seitdem liebte ich das Fest der Mühsal , den Glanz der irdischen Dinge , « sagte er oft . Oder er sagte auch : » Ich hatte manche Enttäuschung . Die Dinge und wir selber narren uns oft . Es ist viel Torheit in unseren Geschäften . Und manchmal ist das Blut herrschsüchtig , wie ein Tyrann . Aber es gibt auch viel Trost . « Einmal sagte er : » Zwanzig Jahre und mehr hatte ich als Künstler gelebt und nicht begriffen , daß unser tiefstes Leben nur leben will ohne Rest und ohne Spiegel . Johanna starb und hinterließ mir diese Wahrheit . Aber ich begriff sie noch lange nicht . Das Leben will nicht Belehrung sein , nicht Zwecke haben , nicht Gabe werden , nicht bestimmt sein von tausend Blicken hier hin und dort hin . Adam und Eva noch immer in der weiten , einsamen Steppe , hungrig nacheinander , sehnsüchtig nach Mitfreude , sehnsüchtig nach MitLeiden , hungrig nach Hoffnung , hungrig nach Zukunft . Weil über alle Dränge der Seele auf Erden der Tod sein Zeichen schrieb . Das ist es . « Und er sagte dann auch : » Verena heißt diese Weisheit . Verena , die vor mir vorüberging ohne Acht , daß sie mir für immer die alte Ursehnsucht zurückließ . « * * * Als Einhart Selle im Sarge lag , nachdem er an einem Morgen nicht mehr aus tiefem Schlafe die Augen aufgetan , sah er aus wie einer , der das Leben lächelnd ansieht von hoch auf der Kommandobrücke . Wie ein Kapitän sicheren Blickes . Oder ein Lotse , der durch tiefe Gewässer fährt . Er war wie jung