kam Häschke zu seinem Ziele . Im Stiche lassen wolle er sie nimmermehr , erklärte der Aufseher . Und Ungerechtigkeit würde er nicht dulden . » Hurra , jetzt machen wir Strikke ! « rief Häschkekarl . Er wisse genau , wie dergleichen gemacht werden müsse , behauptete er . Wenn die Arbeiter nur wüßten , was sie wollten und untereinander festhielten , dann könne es gar nicht fehlen , dann müßten schließlich die Aussauger , die Brotherren , klein beigeben . Dann diktiere der Arbeitnehmer seine Forderungen . Häschke nannte das mit geheimnisvoller Miene » Boykott « ! Er hielt eine Art von Ansprache an die Leute , die gespickt war mit hochtrabenden Redensarten aus unverdauten Zeitungsartikeln . Seiner Zuhörerschaft imponierte er mit diesen dunklen Wendungen gewaltig . Je weniger sie verstanden , desto stärker fühlten sie sich überzeugt . Die Mädchen hatte er so wie so auf seiner Seite , denn die waren dem Schwerennöter alle zugetan . Selbst die nüchterne , überlegte Ernestine zeigte sich für den Plan , die Arbeit niederzulegen begeistert . Das Ende war , daß die Sachsengänger vom Felde abzogen und das bereits gemähte Getreide unaufgestellt liegen ließen . Sie begaben sich in die Kaserne . Es herrschte jene gehobene Stimmung unter ihnen , wie sie in der Schule nach einem gelungenen Streiche zu folgen pflegt . Die Männer legten sich ins Gras vor das Haus und zündeten ihre Zigarren an . Die Mädchen hatten sich in ihren Schlafsaal im ersten Stock zurückgezogen , zu Näh- und Flickarbeit . Bald ertönte Gesang von hellen Frauenstimmen durch die geöffneten Fenster . Ernestine war die Chorführerin . Nach einiger Zeit antworteten unten vom Rasen her tiefere Töne ; Häschkekarl leitete den Männergesang . Und so löste ein Lied das andere ab ; die Mädchen stimmten an , die Burschen fielen ein . Auf einmal erschienen Köpfe von außen an den Fenstern des Schlafsaales . Die Burschen waren es , die mit Hilfe der Dachrinne und eines Simses da hinauf geklettert waren . Die Mädchen stoben schreiend auseinander . Nur Ernestine fand Geistesgegenwart genug , die Fenster schnell zu schließen und zu verriegeln . Häschke und seine Kumpanen stiegen , nachdem sie genugsam Grimassen geschnitten und sich an den Schrecken , den sie eingejagt , geweidet hatten , wieder zum Erdboden hinab . Nach dieser Heldentat legten sie sich von neuem auf den Rasen , rauchten ihre Pfeifen , die Hände unter dem Kopf , die Beine übereinander geschlagen und ließen sich von der Sonne bescheinen , deren Strahlen an der kalkgetünchten Wand abprallten . Auf einmal wurden die Faulenzer von wohlgezielten Wasserstrahlen getroffen . Schreiend und sprudelnd sprangen sie auf und konnten über sich gerade noch die lachenden Mädchen verschwinden sehen . So gab es noch mancherlei Kurzweil und Schabernack an diesem Nachmittage . Man hatte sich nun einmal in ein Unternehmen eingelassen , dessen Ausgang zweifelhaft war ; und in verwegenem Galgenhumor meinte man , daß es auf ein paar Dummheiten mehr oder weniger nicht ankomme . Einer war , dem sehr wenig nach Lachen und Scherzen zumute war : Gustav . Das junge Volk hatte nichts zu verlieren ; die waren ohne Verantwortung . Was bedeutete es ihnen , wenn sie brotlos wurden ? Aber er , der für Weib und Kind zu denken und zu sorgen hatte ! - Gegen Abend ließ der Inspektor sagen , er wünsche mit dem Aufseher zu sprechen . Gustav begab sich hinüber . Häschke legte ihm noch ans Herz , er solle » die Ohren steif halten « und » auf keinen Fall klein beigeben « . Der Inspektor empfing den Aufseher auf ganz andere Weise als zu Mittag . Von der hochfahrenden Miene war nichts mehr zu sehen , sein Ton war wesentlich freundlicher , er bot Gustav sogar einen Stuhl an , was noch nie bisher vorgekommen war . Kein Zweifel , der Ausstand der Wanderarbeiter kam ihm äußerst ungelegen . Man hatte auf den ausgedehnten Besitzungen des Herrn Hallstädt noch mehrere Abteilungen von Sachsengängern in Lohn ; wenn nun der Ausstand zu den anderen Gruppen übersprang ! Jetzt , wo gerade die Ernte auf dem Felde stand und geborgen sein wollte ! Wo sollte er denn jetzt andere Leute herbekommen ? Ringsum herrschte Arbeiternot . Der Inspektor verlangte von Gustav , er möge noch einmal auseinandersetzen , was die Leute eigentlich wollten ; mittags habe er es nicht ganz verstanden . Der Aufseher wiederholte seine Forderungen . Der Inspektor kratzte sich hinter dem Ohr . Wenn ' s nach ihm gehe , sagte er , würden die Arbeiter alles bewilligt bekommen , was sie verlangten ; aber Herr Hallstädt habe sehr bestimmte Ansichten und auf eine Bezahlung der Überstunden im Tagelohn werde er niemals eingehen . Gustav meinte , dann könne er ja mal zu Herrn Hallstädt nach Welzleben gehen . Aber davon wollte der Beamte durchaus nichts wissen . Er riet dringend davon ab , ja er warnte davor . Der Aufseher würde damit gar nichts erreichen . Herr Hallstädt sei völlig unzugänglich und habe ein für allemal verboten , daß die Arbeiter direkt mit ihm verhandelten . » Sie sind ja ein vernünftiger Mann , Büttner ! « sagte der Inspektor . » Treiben Sie die Sache nicht auf die Spitze ! Reden Sie mal mit Ihren Leuten . Sie haben ja auch noch andere Mittel in der Hand . - Ich meine , als Aufseher haben Sie ja schließlich großen Einfluß . - Ich denke , wenn wir zweie einig sind , werden wir mit der Gesellschaft schon fertig werden . Herrn Hallstädt wollen wir lieber nicht erst einmischen , das hätte keinen Zweck . - Also ich denke , wir sind einig ! - Ich werde auch dafür Sorge tragen , daß Sie am Schlusse der Arbeitszeit eine anständige Gratifikation erhalten , Büttner ! « - Aber Gustav ließ sich nicht so leicht kirren . Wenn er auch nicht so viel Scharfblick besaß , um sofort herauszufinden , wie