würde für sie das Rätsel dieses Besuches immer dunkler . » Auch soll ich Ihnen sagen , wie herzlich er bedauert , daß es ihm leider nicht mehr vergönnt ist , sich persönlich von Ihnen zu verabschieden . « » Verabschieden ? « stammelte Kitty . » Herr Forbeck verreist ? So plötzlich ? Und das hat solche Eile , daß er nicht einmal eine Minute mehr findet , um - « Sie vermochte nicht weiterzusprechen . Auch Werner schwieg . Diesen erschreckten Mädchenaugen war ein Bekenntnis eingeschrieben , das er mit Sorge zu lesen schien . » Aber ich bitte Sie , Herr Professor ! Wie ist denn nur das gekommen ? So unerwartet ? « » Er muß so rasch wie möglich nach München . « » Rasch ? So rasch ? Aber - « Kittys Stimmung begann sich in unverhehlten Ärger zu verwandeln . » Deswegen fährt der Zug nicht früher . Da wäre noch Zeit genug gewesen ! Verzeihen Sie , Herr Professor , ich selbst komme dabei nicht in Frage , aber meine Tante , die sich doch wohl ein bißchen Rücksicht bei Herrn Forbeck verdiente - « Kitty verstummte , ein jähes Erblassen ging über ihre Wangen . » Er kann nicht kommen ? Er ist krank ? Verwundet ? Das will er vor uns verheimlichen , um uns nicht besorgt zu machen . « Jetzt war mit dem Rätsellösen die Reihe an Werner . » Hans ? Verwundet ? Wie kommen Sie auf eine solche Vermutung , Komtesse ? « » Hat er Ihnen denn nicht erzählt , was geschehen ist ? Die unglückselige Geschichte mit dem Adler , der aus dem Käfig entflog ? « Kittys Worte sprudelten . » Wäre Herr Forbeck nicht gewesen , es wäre mir übel ergangen . Diesmal ebenso wie damals am Wetterbach ! Denken Sie , mit beiden Händen faßte er den Adler ! Ich war zu Boden gestürzt - aber Tantchen wollte Herrn Forbeck zu Hilfe kommen , und dabei hat sie die beiden Griffe in den Arm bekommen . Aber wir glaubten , daß wenigstens Herr Forbeck unverletzt wäre - « » Das ist er auch ! Beruhigen Sie sich ! « » Nein ! Er verheimlicht es auch vor Ihnen . Deshalb will er so schnell nach München . « Wieder stockte sie . » Aber nein ! Er ist doch in Hubertus gewesen , gestern , sogar zweimal ! Das stimmt nicht ! « Verstört sah sie zu Werner auf . » Mir scheint , ich rede ein bißchen wirr durcheinander . Freilich , es wäre kein Wunder . « Werner meinte den Sinn dieser Worte zu verstehen ; neben allem , was die vergangene Minute ihn erkennen ließ , mußte er auch der Dinge denken , die er von Forbeck über Tassilo gehört hatte . Der Abschied , zu dem es zwischen Bruder und Schwester gekommen , mochte in dem Herzen des Mädchens noch mit schmerzlicher Wirkung nachzittern . » Ich bitte um Vergebung , Komtesse - es war unrecht von mir , daß ich meinem jungen Freund diesen letzten Besuch - « Es lag ihm auf der Zunge : ersparen wollte . Er korrigierte sich : » daß ich diesen Weg für ihn übernahm . Ich würde das unterlassen haben , wenn ich gewußt hätte , daß Hans der Dame , von der Sie sprachen , verpflichtet ist . Nun ist es geschehen , und es war gutgemeint . Ich bitte Sie , nehmen Sie Hans dem berechtigten Unmut Ihrer Tante gegenüber in Schutz , und legen Sie alle Schuld auf mich ! Und Sie selbst , Komtesse - « Er hatte Mühe , seine Bewegung zu verbergen . » Zürnen Sie ihm nicht ! Die Notwendigkeit dieser Reise hat sich so plötzlich ergeben , er hat noch mancherlei zu ordnen . Halten Sie ihm das zugute , und nehmen Sie seinen Abschied aus meiner Hand entgegen . « Kitty hatte sich erhoben und reichte Werner die Hand . Ihren Augen war es anzumerken , daß sie mehr auf alles hörte , was in ihrem Innern redete , als auf die Worte , die an ihr Ohr schlugen . » Und wenn es der Zufall bringen sollte , daß Ihre Wege und die seinen von nun an auseinanderführen , so bewahren Sie ihm ein freundliches Gedenken ! Daß er diese Tage nicht vergessen wird , dafür ist gesorgt . Die Begegnung mit Ihnen wurde für ihn zu einem Wendepunkt seines Lebens , weckte das Beste seiner jungen Künstlerseele und gab ihm die Kraft für ein Werk , das seinem Namen Ehre machen wird . Und wenn Sie in kommender Zeit erfahren werden : Hans Forbeck hat sich unter den Ersten seiner Kunst einen Platz erkämpft - so dürfen Sie sagen : Dabei hab ' ich mitgeholfen . Dieser Gedanke wird Ihnen Freude machen . Nicht wahr , Komtesse ? « Kitty vermochte nicht zu sprechen ; sie nickte nur , während sie auf Werner niedersah , der ihre zitternde Hand an seine Lippen zog . Als er ging , machte sie einen Schritt , wie um ihn zur Tür zu begleiten . Eine Stuhllehne geriet ihr unter die tastende Hand , und da blieb sie stehen , so bestürzt , als hätte sich etwas Unbegreifliches ereignet . Werner verließ das Haus . Als er aus dem Schatten der Veranda in die Sonne trat , holte Fritz ihn ein : das » gnädige Fräulein « ließe den Herrn Professor bitten . Werner stand in sichtlicher Unruhe . Was konnte Kitty ihm noch zu sagen haben ? Zögernd folgte der dem Diener . Als er in das Billardzimmer treten wollte , wies ihn Fritz zur Treppe . Sie stiegen hinauf , und der Diener öffnete eine Tür . Werner trat ein und sah sich einer bejahrten Dame gegenüber , deren Gesicht er nur unklar zu unterscheiden vermochte , weil es im Schatten der durch die Fenster flutenden Sonne lag - ein Gesicht