heraus und lege sie diesen Zeilen bei . Du siehst daraus , daß ich mich nicht geirrt habe . Wer mag nur der Crampas sein ? Es ist unglaublich - erst selber Zettel und Briefe schreiben und dann auch noch die des anderen aufbewahren ! Wozu gibt es Öfen und Kamine ? Solange wenigstens , wie dieser Duellunsinn noch existiert , darf dergleichen nicht vorkommen ; einem kommenden Geschlechte kann diese Briefschreibepassion ( weil dann gefahrlos geworden ) vielleicht freigegeben werden . Aber so weit sind wir noch lange nicht . Übrigens bin ich voll Mitleid mit der jungen Baronin und finde , eitel wie man nun mal ist , meinen einzigen Trost darin , mich in der Sache selbst nicht getäuscht zu haben . Und der Fall lag nicht so ganz gewöhnlich . Ein schwächerer Diagnostiker hätte sich doch vielleicht hinters Licht führen lassen . Wie immer Deine Sophie « Zweiunddreißigstes Kapitel Drei Jahre waren vergangen , und Effi bewohnte seit fast ebenso langer Zeit eine kleine Wohnung in der Königgrätzer Straße , zwischen Askanischem Platz und Halleschem Tor : ein Vorder- und Hinterzimmer und hinter diesem die Küche mit Mädchengelaß , alles so durchschnittsmäßig und alltäglich wie nur möglich . Und doch war es eine apart hübsche Wohnung , die jedem , der sie sah , angenehm auffiel , am meisten vielleicht dem alten Geheimrat Rummschüttel , der , dann und wann vorsprechend , der armen jungen Frau nicht bloß die nun weit zurückliegende Rheumatismus- und Neuralgiekomödie , sondern auch alles , was seitdem sonst noch vorgekommen war , längst verziehen hatte , wenn es für ihn der Verzeihung überhaupt bedurfte . Denn Rummschüttel kannte noch ganz anderes . Er war jetzt ausgangs Siebzig , aber wenn Effi , die seit einiger Zeit ziemlich viel kränkelte , ihn brieflich um seinen Besuch bat , so war er am anderen Vormittag auch da und wollte von Entschuldigungen , daß es so hoch sei , nichts wissen . » Nur keine Entschuldigungen , meine liebe , gnädigste Frau ; denn erstens ist es mein Metier , und zweitens bin ich glücklich und beinahe stolz , die drei Treppen so gut noch steigen zu können . Wenn ich nicht fürchten müßte , Sie zu belästigen - - denn ich komme doch schließlich als Arzt und nicht als Naturfreund und Landschaftsschwärmer - , so käme ich wohl noch öfter , bloß um Sie zu sehen und mich hier etliche Minuten an Ihr Hinterfenster zu setzen . Ich glaube , Sie würdigen den Ausblick nicht genug . « » O doch , doch « , sagte Effi ; Rummschüttel aber ließ sich nicht stören und fuhr fort : » Bitte , meine gnädigste Frau , treten Sie hier heran , nur einen Augenblick , oder erlauben Sie mir , daß ich Sie bis an das Fenster führe . Wieder ganz herrlich heute . Sehen Sie doch nur die verschiedenen Bahndämme , drei , nein vier , und wie es beständig darauf hin und her gleitet ... und nun verschwindet der Zug da wieder hinter einer Baumgruppe . Wirklich herrlich . Und wie die Sonne den weißen Rauch durchleuchtet ! Wäre der Matthäikirchhof nicht unmittelbar dahinter , so wäre es ideal . « » Ich sehe gern Kirchhöfe . « » Ja , Sie dürfen das sagen . Aber unserein ! Unsereinem kommt unabweislich immer die Frage , könnten hier nicht vielleicht einige weniger liegen ? Im übrigen , meine gnädigste Frau , bin ich mit Ihnen zufrieden und beklage nur , daß Sie von Ems nichts wissen wollen ; Ems , bei Ihren katarrhalischen Affektionen , würde Wunder ... « Effi schwieg . » Ems würde Wunder tun . Aber da Sie ' s nicht mögen ( und ich finde mich darin zurecht ) , so trinken Sie den Brunnen hier . In drei Minuten sind Sie im Prinz-Albrechtschen Garten , und wenn auch die Musik und die Toiletten und all die Zerstreuungen einer regelrechten Brunnenpromenade fehlen , der Brunnen selbst ist doch die Hauptsache . « Effi war einverstanden , und Rummschüttel nahm Hut und Stock . Aber er trat noch einmal an das Fenster heran . » Ich höre von einer Terrassierung des Kreuzbergs sprechen , Gott segne die Stadtverwaltung , und wenn dann erst die kahle Stelle dahinten mehr in Grün stehen wird ... Eine reizende Wohnung . Ich könnte Sie fast beneiden ... Und was ich schon längst einmal sagen wollte , meine gnädige Frau , Sie schreiben mir immer einen so liebenswürdigen Brief . Nun , wer freute sich dessen nicht ? Aber es ist doch jedesmal eine Mühe ... Schicken Sie mir doch einfach Roswitha . « Effi dankte ihm , und so schieden sie . » Schicken Sie mir doch einfach Roswitha ... « , hatte Rummschüttel gesagt . Ja , war denn Roswitha bei Effi ? war sie denn statt in der Keith- in der Königgrätzer Straße ? Gewiß war sie ' s , und zwar sehr lange schon , gerade so lange , wie Effi selbst in der Königgrätzer Straße wohnte . Schon drei Tage vor diesem Einzug hatte sich Roswitha bei ihrer lieben gnädigen Frau sehen lassen , und das war ein großer Tag für beide gewesen , so sehr , daß dieses Tages hier noch nachträglich gedacht werden muß . Effi , hatte damals , als der elterliche Absagebrief aus Hohen-Cremmen kam und sie mit dem Abendzuge von Ems nach Berlin zurückreiste , nicht gleich eine selbständige Wohnung genommen , sondern es mit einem Unterkommen in einem Pensionate versucht . Es war ihr damit auch leidlich geglückt . Die beiden Damen , die dem Pensionate vorstanden , waren gebildet und voll Rücksicht und hatten es längst verlernt , neugierig zu sein . Es kam da so vieles zusammen , daß ein Eindringenwollen in die Geheimnisse jedes einzelnen viel zu umständlich gewesen wäre . Dergleichen hinderte nur den Geschäftsgang . Effi , die die mit den Augen angestellten Kreuzverhöre der Zwicker noch in