sie ja nicht , diese Landwehrleute - von solchen kann man sich auf die ärgsten Unthaten gefaßt machen , und Du - eine Frau - läufst da mitten hinein ; Du - nun der Doktor hat mir verordnet , Dir keine Vorwürfe zu machen - « » Wie geht es meinem Sohne Rudolf ? « » Der schreit und heult nach Dir , sucht Dich im ganzen Haus , will nicht glauben , daß Du weggereist seiest , ohne ihm einen Abschiedskuß zu geben . Und nach den Anderen frägst Du nicht ? nach Lilli , Rosa , Otto , Tante Marie ? Du kommst mir überhaupt so teilnahmslos vor - « » Wie geht es Allen ? Hat Konrad geschrieben ? « » Gut geht es Allen . Von Konrad kam gestern ein Brief - es ist ihm nichts geschehen . Lilli ist selig . Du wirst sehen , von Tilling wird nächstens auch gute Nachricht eintreffen . Leider ist in politischer Hinsicht nichts Gutes zu erwarten . Du hast doch von dem großen Unglück gehört ? « » Welches ? ... Ich habe in der Zeit gar nichts Anderes gesehen , als großes Unglück . « » Ich meine Venetien - unser schönes Venetien fortgeschleudert - dem Intriganten Louis Napoleon auf dem Präsentierteller gereicht ! Und das nach solchen glänzenden Siegen , wie wir sie bei Custozza errungen haben ... Statt unsere Lombardei zurückzunehmen , auch noch unser Venedig hingeben ! Freilich , dadurch sind wir die Feinde im Süden los , haben auch den Louis Napoleon für uns und können jetzt mit aller Wucht für Sadowa Rache nehmen , den Preußen aus dem Lande hinauswerfen , ihn verfolgen und uns Schlesien holen . Benedek hat große Fehler begangen , jetzt aber wird der Oberbefehl in die Hände des glorreichen Feldherrn der Südarmee gelegt ... Du antwortest nicht ? Nun denn , so will ich Dir , immer nach Bressers Verordnung - Ruhe lassen . « Nach zweistündiger Fahrt kamen wir in Grumitz an . Als unser Wagen im Schloßhof einfuhr , stürzten uns die Schwestern entgegen . » Martha , Martha « - riefen Beide schon von weitem : » Er ist da ! « Und nochmals - am Wagenschlag » Er ist da , Martha ! « » Wer ? « » Friedrich , Dein Mann . « Ja - so war es . Erst gestern , spät am Abend , war Friedrich mit einem Verwundetentransporte von Böhmen nach Wien und von dort hierher gebracht worden . Er hatte eine Kugel in das Bein bekommen , eine Wunde , die ihn augenblicklich dienstunfähig und pflegebedürftig machte , die jedoch gänzlich ungefährlich war . Aber auch die Freude ist schwer zu ertragen . Die mir von meinen Schwestern so unvorbereitet zugerufene Nachricht : » Friedrich ist da « wirkte ebenso , wie die Schrecknisse der vergangenen Tage : sie raubte mir die Besinnung . Man mußte mich aus dem Wagen in das Schloß tragen und zu Bett bringen . Hier verbrachte ich - war es die Nachwirkung des Narkotikums , war es die Heftigkeit des Freudenschlages ? - mehrere Stunden in bald schlafender , bald delirierender Bewußtlosigkeit . Als ich zu mir kam und mich in meinem Bette sah , da glaubte ich , daß ich aus einem schweren Traum erwachte und daß ich von Grumitz gar nicht fortgekommen war . Der Brief Bressers , mein Entschluß nach Böhmen abzureisen , meine Erlebnisse dortselbst - die Rückfahrt , die angekündigte Heimkehr Friedrichs : Alles nur geträumt ... Ich blickte auf . Am Fuße des Bettes stand meine Kammerjungfer . » Ist mein Bad bereit ? « fragte ich , » ich will aufstehen . « Jetzt stürzte aus einer Ecke des Zimmers Tante Marie hervor : » Ach Martha , armer Schatz , bist Du endlich wach und bei Sinnen - Gott sei Dank ! Ja , ja , steh auf - und ja , ja , nimm Dein Bad , das wird wohl thun ... wenn man so von Straßen- und Eisenbahnstaub bedeckt ist , wie Du - « » Eisenbahnstaub - was meinst Du denn ? « » Schnell , steh ' auf - Netti , richten Sie Alles vor . Friedrich vergeht schon vor Ungeduld , Dich zu sehen . « » Friedrich , mein Friedrich ! ! ! « Wie oft hatte ich in den letzten Tagen diesen Namen so schmerzlich ausgerufen - aber jetzt war es ein Jubelruf - denn nunmehr hatte ich verstanden ; es war kein Traum ; ich war fortgewesen und heimgekehrt und sollte den Gatten wiedersehen ! Eine Viertelstunde später trat ich bei ihm ein . Allein . - Ich hatte mir ausgebeten , daß Niemand mit mir komme . Bei unserem Wiederfinden sollte kein Dritter anwesend sein . » Friedrich ! « - » Martha ! « Ich war auf das Ruhebett hingestürzt , auf dem er lag und schluchzte an seiner Brust . - - - - - - - - - - - - - - - Es war dies das zweite Mal im Leben , daß mir der geliebte Gatte aus den Gefahren des Krieges zurückgegeben ward . » O , die Seligkeit , ihn wieder zu haben ! Wie kam ich , gerade ich dazu , mitten aus der Schmerzensflut , in der so Viele untergegangen , an ein sicheres , glückliches Ufer gelangt zu sein ? Wohl Denen , die in solcher Lage freudig den Blick zum Himmel heben und dem Lenker oben warmen Dank emporsenden ; durch diesen Dank , den sie , weil er demütig gesprochen wird , auch für demütig halten , von dem sie gar nicht ahnen , wie anmaßend und selbstüberhebend er im Grunde ist , fühlen sie sich entlastet ; damit haben sie für den ihnen verliehenen Vorzug , den sie Huld und Gnade nennen , nach ihrer Meinung genügend quittiert . Ich war das nicht im stande . Wenn ich an die Elenden dachte ,