Zeit , den Beichtvater zu spielen ... oder verpflichtende Zärtlichkeiten sich abschmeicheln zu lassen . » Adieu ! Ich komm morgen wieder - « » Ach Du ! Geh ' nur ! Du bist ooch nicht anders - « » Du wirst ja sehen , daß ich Wort halte - - « » Meinetwegen brauchst Du nich zu kommen - « » Nu denn nich , meine Theure ! Adieu ! « An der Thür sah sich Adam noch einmal um . Das war ein graues , widerlich verqualmtes , schwerfällig hin- und herschaukelndes Bild , was er da vor sich hatte . Leni war verschwunden , wie hinweggenommen , verschluckt . Nein ! doch nicht . Da hinten am Buffet flirrte ihre rothe Taille in falbem , verhangenem Scheine . Und jetzt kam das matte Flämmchen wieder näher und wurde größer , körperlicher . Adam stieß die Thür auf . Die Luft auf der Gasse war nicht viel frischer . Oefter lief ein kleiner , kühlerer , sanft athmender Wind vorüber , der Adam wohl that . Er wurde bald ruhiger , sicherer , klarer . In den Lüften schwamm noch die letzte , die allerletzte , fast farblose Erinnerung an das weiße Licht des Tages . Bald kam der Mond herauf . Mit einer leisen , discreten Helle überhäufte er zaghaft den Himmel . Einige Tropfen fielen , bald hörte der Regen wieder auf . Adam stapfte weiter und ließ sich alle Stimmungserscheinungen der anbrechenden , schwülen Sommernacht gefallen . Die Straßen waren leerer geworden , das Leben stiller , heimlicher , verhaltener . Adam ward es ganz sonderbar zu Sinn . Er kam sich so grenzenlos allein , vereinsamt vor , wie ausgesetzt , wie ausgestoßen . Er empfand Mitleid mit sich in dieser großen Einsamkeit . Sein Weg ging durch kleine , enge Straßen und Gassen . Selten begegnete ihm ein Mensch , ein unbekannter , aus den Schatten des Abends auftauchender Mensch , ein Einzelner , vielleicht auch ein Vereinzelter , oder Zwei oder Drei . Vor einer Thür , unter einem Fenster , stand wohl auch hier und da ein Pärchen und flüsterte . Adam zog vorüber . Manchmal wunderte er sich im Stillen über das , an dem er vorüberzog , wunderte sich über die warme , geschmeidige Sommernacht , über dies und das aus der Welt und dem Menschenleben , was ihm gerade als schärferer Gedanke , in schärferem Bilde zufiel und aufging , wunderte sich langsam über die bunten Erlebnisse seiner letzten Tage . Er wunderte sich mit der intimen und tolpatschigen Naivetät des Kindes . Er lächelte verstohlen vor sich hin und that sehr geheimnißvoll . Er war sehr glücklich . Nun trieb er durch eine breitere , hellere , belebtere Straße . Und wieder kam das Gefühl grenzenloser Vereinsamtheit über ihn , jetzt noch stärker , bezwingender , noch mehr niederwuchtend und einschnürend . Oefter war es ihm , als müßte er einen Schrei ausstoßen , einen kurzen , harten Schrei ... einen dunklen , verlorenen Ruf durch die Nacht , einen Ruf der Sehnsucht ... einen Schrei brennender Herzensverzweiflung . Unter den Menschen , die da ihm entgegenkamen , die da an ihm vorübergingen , mußte doch so Mancher sein , der ihn verstehen würde , wenn er ihm seine Brust öffnete , der sich zu ihm gesellen , der mit ihm weitergehen würde , wenn er seine Sehnsucht und sein heimliches Weh erfahren . Oh ! Wenn er riefe - gewiß ! sie würden kommen , froh , daß sie Einen und Andere gefunden , die ihresgleichen wären . Aber er ging weiter , in sich versunken , der Ruf erstickte und erstarb in seinem Munde , er schrie nicht , er hatte nicht den Muth dazu . Der Mond war durchgebrochen . Mit seiner goldgelben , massiven , durch ihre scharfe Plastik und Umrissenheit geradezu aufdringlichen Fülle stand er in einem See flimmernden , stahlblauen Aethers . Ihm zu Häupten und zu Füßen , an seinen Flanken hatten sich vielgestaltige , ungefüge Wolkengruppen hingelagert , mächtige Wülste und Kämme , Schichten , mit sich emporsträubendem oder herabfaserndem , braungelb beleuchtetem Gestreif . Stetig wechselte das Bild , die Formen verschwammen in einander und schoben sich zusammen , gewaltige Thierleiber wuchsen heraus , Drachengestalten und Krokodile mit klaffenden Rachen , Wälle mit Burgen quaderten sich empor ... und in gigantischen Umrissen quollen nicht zu verschwollene Profile von ungeheueren Menschengesichtern auf ... Aber solange Adam mit den Augen der großen Himmelsscene entgegenging , stand der Mond unangetastet , wie in selbstverständlicher Souveränetät , inmitten seines flimmernden , stahlblauen Aethersees . Und um ihn herum , von seinem gelbweißem Lichte übergossen , das imposante Spiel der Phaenomene , die wurden , waren , gewesen waren und wiederum wurden . - Adam sah nach der Uhr . Es ging auf die elfte Stunde . Nun dachte er daran , sich heimwärts zu schlagen . Er war eigentlich recht abgespannt , er hatte gar nicht mehr Alles beisammen , worüber er sonst verfügte . Und doch faßte ihn ein unklares Gefühl an und hielt ihn zurück . Mechanisch trollte er sich weiter . Es war ihm , als ob er vor sich selber immer mehr erlösche , als ob sich alles Geistige in ihm verstofflichte und zur Epidermis hinaustriebe , hinauseiterte . Er mußte über diese Wahrnehmung lachen , der Vorgang dünkte ihn zu dumm . Nun war er mit einem Male in die Nähe des bewußten Parkes gekommen . Es zog ihn hinein , da drinnen mochte es noch mehr Leben geben , als hier auf den schmalen Gassen der Vorstadt . Und plötzlich sehnte er sich nach dem Leben , wie es sich im zärtlichen Widerspiel zweier Menschen , die auf einander gestimmt worden , erfüllt . Das war wohl ein kleinliches , schwächliches Gefühl . Er warf es von sich und suchte nach neuer Speise des Geistes . Er dachte an Lydia , die ja seine Braut sein