, Jahre durch half sie sich allein in der Welt fort , und als altes Mütterchen gab sie ihr kleines Anwesen an ein armes , junges Brautpaar , nur dürftigen Unterhalt für ihre wenigen Tage und die rückwärtige Kammer als Wohnraum ausbedingend . In ihrer letzten Stunde legte sie die » schmerzhafte Gottesmutter « in die Hand des Priesters , der an ihrem Sterbebette saß . » Ein rechtes , heiliges Bild und ein gar teuer Angedenken « , und sie bat : daß man dasselbe » gut halten « möge , ihr zum Trost und einem » anderen Verstorbenen « zur Ehr , mit dem sie nun zusammenzutreffen hoffe , falls ihr von Gott diese Freude bestimmt sei . - - Als die Sternsteinhofbäuerin vom Kirchgange heimkehrte , empfing die alte Kathel sie an der Haustüre : » A Brief is kämma , Bäuerin , ich hab dir ' n hnauf in d ' Stuben afn Tisch glegt . Papier und Siegelwachs is nit dran gspart ; wird wohl was Obrigkeitlichs sein . « » Hm , ein neu Steuerauflag vielleicht . « Damit stieg die Bäuerin hastig die Treppe empor . Wenige Augenblicke später hielt sie das Schreiben in Händen , es kam vom Notar in der Kreisstadt , dessen Adresse stand vorne daraufgedruckt ; Helene zerriß den Umschlag , ein beschriebenes Blatt und eine Nummer der Provinzialzeitung , welche die amtlichen Verlautbarungen brachte , fielen ihr daraus entgegen . Sie begann zu lesen , plötzlich erblaßte sie und sank auf den danebenstehenden Stuhl , wie tot lag der Arm , welcher die Blätter gefaßt hielt , über dem Tische . Nach einer Weile raffte sie sich auf und schlich an das Fenster , die Papiere raschelten in ihren zitternden Händen , noch einmal las sie aufmerksam Zeile für Zeile ; als sie geendet , sank ihr die Hand mit dem Schreiben schwer herab , während sie mit der andern hastig das Taschentuch herausgriff und vor die tränenden Augen drückte . Darnach stand sie lange , selbstvergessen und verloren , das feuchte Tuch an die Stirne pressend , und starrte hinaus in die Gegend , ohne zu sehen . Ein laut aufächzender Seufzer , den es ihr unversehens herausstieß , machte sie zusammenschrecken , sie wandte sich und verließ die Stube und das Haus . Als sie in den Hof trat , kam um eine Scheunenecke der kleine Muckerl , die Juliane auf dem Rücken , dahergaloppiert . » Mutter « , rief er lustig , » da schau , wie sich dös Mehlsackl schleppen laßt ! Wie s ' müd wird , weint s ' , und dabei will s ' übrall sein ! « Die Bäuerin winkte abwehrend mit der Hand und sagte ernst : » Sei still . « Sie nahm die Kleine vom Rücken des Knaben herab und stellte sie an dessen Seite . » Is brav , wann du dich schon jung um d ' Weibsleut annimmst . Gar um dein Schwesterl wirst ' s wohl müssen , armer Bub . « Sie fügte die Hände der Kinder ineinander und schritt mit den Kleinen gegen das Ausgedinghäusel des alten Sternsteinhofers . Dieser saß auf der Bank davor und neben ihm der Käsbiermartel ; als letzterer der Bäuerin ansichtig wurde , sagte er : » Guck mal , geht dort nit der Drach ? Wie kommst denn aus mit ihm ? « » A Drach is s ' wohl « , murrte der alte Bauer , » aber was ein Schatz hüt ; ließ mer so einm sein Fleckl aussuchen und ' n drauf in Ruh , hätt mer ' s beste Auskommen ; doch wer sieht denn so ' n Untier gern afm Seinm ? Übrigens , was wahr is , is wahr , breit gnug sitzt s ' afm Ganzen , vor Schaden weiß sie sich z ' wahren , muß sich nur noch weisen , ob sie sich auch aufn Nutzen verstehn lernt , dann is sie da der Bauer ; mein Bub taugt amal nie dafür . Und was recht is , du hast kein Grund , ihr aufsässig z ' sein , dein Tochterkind halt s ' wie ihr eignes . Ich aber - der s ' von allm Anfang da wegwehren wollt und dem s ' hitzt z ' Trutz da sitzt - , ich will nix mit ihr . « » Ich aber auch nit , schon dir zlieb nit . Und no will s ' gar daher , da geh ich . Bhüt Gott ! « Käsbiermartel erhob sich und ging , doch nicht ohne der Bäuerin mit süßlichem Lächeln gute Tagzeit zu bieten und etwas von » immer schöner werden « verlauten zu lassen . Helene nickte ihm einen kurzen Gruß zu und schritt vorüber , und der alte Sternsteinhofer nahm die Pfeife aus dem Mund und spuckte hinter dem » Kerl « aus , » der gute Worte ins Gesicht und üble hinterm Rücken gebe « . Als die Bäuerin ganz nahe herzutrat , blickte der Alte an ihr hinauf , und da er ihr bleiches Gesicht und ihre geröteten Augen wahrnahm , fragte er : » Was hast ? « » Nachricht vom Toni . « » Was schreibt er ? « » Andre tun ' s. « Der Bauer starrte sie an . » Doch nit - ? « Sie schüttelte den Kopf . » Blessiert ? « » Nein . « » Auch nit ? Was denn nachher ? « Sie reichte das Schreiben hin . Zögernd faßte er darnach und las es stille für sich . Der Notar , als langjähriger Geschäftsfreund und aufrichtiger Anteilnehmer an den Geschicken seiner verehrlichen Klienten , bedauerte unendlich , sich zu einer schweren , traurigen Pflicht gedrängt zu fühlen . Indem er voraussetzen müsse , daß direkte Mitteilungen vom Kriegsschauplatze bei den in solchen unruhigen Zeitläuften häufigen Störungen des Postverkehrs oftmals durch die amtlichen Verlautbarungen überholt würden und daß diese wieder den werten Angehörigen