hervorzubringen vermögen und es übrigens auch gar nicht beabsichtigen . Auf die Heuschreckenwolken pflegen die Regenwolken des Winters zu folgen ; es regnet entsetzlich im Tumurkielande , die Sommerwohnungen der Bevölkerung werden zu Brei , und jedermann sucht die Winterquartiere auf . Die Familien beziehen größere Höhlen in den Felsen , die Junggesellen und einzelnstehenden Jungfrauen mieten der gütigen Mutter Natur eine bescheidenere Ritze im Gestein ab . Auch die Sklaven haben ihre eigenen Behältnisse , welche , wenn sie gleich ein wenig dunkel und dumpfig sind , dessenungeachtet ihre gemütlichen Reize einem Aufenthalt im Freien gegenüber besitzen . Herr Leonhard Hagebucher kannte das und verglich , wie gesagt , diese fremdländischen Verhältnisse nicht mit denen des Vaterlandes . Aber er setzte indessen jene nicht gegen diese zurück , und vorzüglich nicht an dem Morgen , welcher auf den im vorigen Kapitel geschilderten Tag folgte . Es war ein unruhiger Morgen , an welchem es sich deutlich zeigte , zu welcher Bedeutung die Persönlichkeit des Afrikaners während seiner Abwesenheit von der Residenz herangeschwollen sei . Wirklich merkwürdig war ' s , wie vielen Leuten es über Nacht einfiel , daß dieser afrikanische Fremdling zu manchem nützlichen oder pekuniären Gewinn abwerfenden Zwecke trefflich zu verwenden sei . Und sie hatten alle von seiner Rückkehr aus der Provinz vernommen , und sie kamen alle , ihn zu begrüßen und beiläufig ein Wort über das und das , was sie entweder seinem praktischen Blick oder seinem weichen Gemüt und guten Herzen , jedenfalls aber seiner gespanntesten Aufmerksamkeit anempfahlen , fallenzulassen . Es war wie ein Wunder , was diese verhältnismäßig so unbedeutende Stadt für verschiedenartige Elemente enthielt , die jetzt alle ihr Interesse an dem Dasein des Afrikaners hatten oder doch zu haben glaubten . Da kam ein Buchhändler , welcher nicht der Hofbuchhändler war und der , dem Herrn Polizeidirektor zum Trotz , die nicht gehaltenen Vorträge zu Papier und in seinen Verlag gebracht zu haben wünschte . Da erschien ein Photograph , welcher der festen Überzeugung lebte , daß ein Brustbild des Herrn Hagebucher und ein Bild in ganzer Figur der Welt zu einem tiefinnern Bedürfnis geworden sei und ein brillantes Geschäft verspreche . Verschiedene Kaffeehausbekanntschaften suchten den Verkehr auf das Privatleben des » guten Freundes « auszudehnen . Es erschienen zwei hagere Damen , welche den » geprüften Mann « für die segensreichen Zwecke der Innern Mission zu gewinnen hofften . Es kam ein junger Mann , welcher einen Stoff für das moderne Epos suchte , welcher in den Abenteuern des Afrikaners diesen Stoff gefunden zu haben glaubte und welchen Hagebucher ohne Rücksicht auf die Gefühle der Mit- und Nachwelt bedeutete , er möge ihn ungeschoren lassen , und übrigens halte er es in dieser Zeit für ein Zeichen von ganz entschiedener dichterischer Begabung , wenn jemand keine Verse zu machen imstande sei . Politische Parteien streckten ihre Fühlhörner in den Morgen hinein , kurz , der Verkehr war lebhaft und anregend genug ; doch Leonhard blieb leider hart , teilnahmslos , traurig und lächelte nur einmal , als er unter dem überströmenden Wortschwall des jungen Poeten überlegte , was wohl aus der Welt , nämlich seiner eigenen , werden möge , wenn er - heirate , und zwar Fräulein Serena Reihenschlager heirate ! Denselben Gedanken dachte er laut , als sich gegen die Mittagszeit die Flut der Besucher endlich verlaufen hatte und er mit dem Pascha allein war ; oder vielmehr , nachdem er verschiedene Male leise gesagt hatte : » Weshalb sollte ich ? « , sprach er ungemein deutlich das große Wort aus : » Weshalb sollte ich nicht ? « und brachte dadurch einen Seitenzug seiner neueuropäischen seelischen Entwickelung zu einem recht befriedigenden Abschluß , nur einen Seitenzug - die Hauptlinie lief gradeaus weiter in alle Verwirrung und Finsternis hinein ! Vier Worte genügten , um das ganze Getümmel zusammenzufassen , wie sich in das nüchternste Freikuvert der leidenschaftlichste Jubel- oder Trauerbrief schieben läßt ; und gleich einem Echo hallte Täubrich-Pascha nach : » Ja , weshalb nicht ? « » Was wissen denn Sie davon , Täubrich ? « rief Hagebucher fast ärgerlich . » Sind Sie etwa imstande , meinem Seufzer die rechte Deutung zu gehen ? « » Es sind ein Paar liebe Augen ! « sagte der Schneider mit seitwärts gehängtem Kopf . » Es gibt kein anderes Fräulein hier in der Stadt , welches ein solches gutes Gesicht hat . « » Und es gibt keinen zweiten Damenkleidermacher , der ein so merkwürdiger Mensch ist wie Sie , Felix ! Bei Gott , weshalb sollte ich nicht ? Lassen Sie uns jedoch abbrechen und zu Mittag speisen . Nachher mögen Sie die Tür verriegeln - gegen jedermann , hören Sie ! Ich habe einen Blick in den Sanchoniathon zu werfen , ich versprach ' s dem Professor . « » Sancho - Sanchoniathon ! « wiederholte der Schneider , die schwärmerischen Augen gegen die Decke richtend . Ein so klangvoller Name mußte halten , was er versprach ; und in der festen Oberzeugung , daß sein Patron die richtige Lektüre für die gegenwärtige Stimmung ausgewählt habe , schlich Täubrich auf den Zehen zur Tür und schob den Riegel vor . Nach Tisch las Hagebucher im Sanchoniathon , und Täubrich-Pascha nähte einen Knopf an seinen Frack ; denn auch er hatte versprochen , am heutigen Abend den Ball des Herrn von Betzendorff durch seine Gegenwart zu verschönern , und zwar in einer sehr offiziellen Stellung . Wir wissen , daß er ein sehr aufmerksamer und gewandter Mensch war und daß keine größere Festlichkeit in der Residenz ohne seine Beihülfe stattfinden konnte . » Wir besitzen ihn nur in der griechischen Übersetzung eines gewissen Philo aus der Stadt Byblus , und einige wollen sogar behaupten , daß wir ihn gar nicht mehr besitzen « , sagte Leonhard träumerisch über sein Buch weg und fügte hinzu : » Ich könnte sie jetzt in mein Haus führen , und mein altes Mütterchen würde sie mit