so blank , daß man es merkte , hier leide Niemand Mangel . Auch dem Hausherrn , dem jungen Amtmanne , konnte man das ansehen . Er war fast gleichen Alters mit dem Baumeister und auf dem Gute geboren und erzogen . Schon sein Urgroßvater hatte die Arten ' schen Güter bewirthschaftet und von Vater auf Sohn hatte sich das Amt , und mit ihm die Liebe für den Grund und Boden und die Anhänglichkeit an die Herrschaft vererbt . Die Steinert ' s waren hier zu Hause und angesehen , beinahe wie die Herren von Arten selbst . In der ganzen Umgegend hatten sie Verwandte , überallhin waren sie durch die Heirathen ihrer Töchter und Söhne mit den Amtleuten , den Gutsbesitzern , den Pfarrern und Förstern verschwägert , und wer im Lande Rath und That bedurfte , der ging zum Amtmanne nach Rothenfeld , denn die Steinert ' s waren Landwirthe , wie es wenige gab , und der jetzige Amtmann hatte es wohl bisweilen ausgesprochen , daß er einmal sehen möchte , was aus dem Herrn werden würde , wenn man im Amtshause nicht das Auge auf Alles hätte und gelegentlich die Hand auf Manches legte , was nicht angetastet werden dürfte , ohne daß dem ersten Capitalangriffe der zweite nachfolgen müsse . Ein treuer Diener muß auch widersetzlich sein , wo ' s Noth thut ! hatte der Vater des jungen Amtmannes einmal gesagt , und sie lag so zu sagen den Steinert ' s im Blute , diese treue , ehrliche Widersetzlichkeit . Man brauchte die Männer nur anzusehen . Sie waren ein großes , starkes , vollblütiges Geschlecht , die Männer wie die Frauen , und der junge Amtmann und seine Schwester machten keine Ausnahme davon , wie er denn auch Adam hieß gleich seinem Vater und Großvater und gleich denen , die vorhergegangen waren . Weil aber Adam der einzige Sohn gewesen und erst neun Jahre nach ihm ein Mädchen in das Haus geboren worden war , so hatte der Vater gemeint , wenn der Adam doch einmal keine anderen Gesellen habe , so müsse er wenigstens in der Schwester seine Eva bekommen , und Adam und Eva waren auch die einzigen Kinder geblieben , waren mit einander groß geworden , hatten von Vater und Mutter den tüchtigen Sinn geerbt , die Arbeit und die Wirthschaft erlernt und befanden sich so wohl mit einander , daß noch keiner von ihnen an das Heirathen gedacht hatte , obschon der Amtmann dreiunddreißig Jahre alt war und die Eva auch schon in den ersten Zwanzigen stand . Sie glichen einander recht wie Bruder und Schwester . Beide waren sie groß , beide stark von Bau und von frischer Farbe mit hellen , blauen Augen . Des Amtmanns Krauskopf war eben so blond wie das dicke , gewellte Haar , welches Eva ' s Schläfen umgab , und beide sahen jung und lachend wie der Morgen aus , als sie bei Herbert ' s Ankunft vor die Thüre und auf die Rampe hinaustraten . Die grüne , breitschooßige Pekesche mit den blanken Knöpfen , die gelbe Lederhose und die faltigen Reitstiefel saßen dem Amtmanne wie aufgegossen . Man sah , daß er etwas auf sich hielt , daß er etwas auf sich wenden konnte , und obschon er sein Haar nicht mehr puderte , weil es damit , wie auch Herbert der Baronin bedeutet hatte , in Wind und Wetter nichts war , so hatte er es doch noch mit einem schönen Bande in breitem Haarbeutel zusammengebunden , grade wie der Herr Baron , und der kleine dreieckige Hut saß ihm keck auf dem Kopfe und warf seinen Schatten über seine starke , feste Stirne . Willkommen , werthester Herr Baumeister ! rief er dem Reiter entgegen , als dieser vor der Thüre hielt . Sie sind ein Mann von Wort ! Er zog die Uhr mit der schön gefleckten Schildpattkapsel hervor und hielt sie ihm hin . Halb sieben Uhr auf den Punkt . Damit trat er an das Pferd heran , und er und Herbert schüttelten einander die Hände . Man ist ja in dem Wetter froh , versetzte dieser , wenn man herauskommt , und den Mann möchte ich sehen , den ' s schlafen ließe , wenn er weiß , daß Mamsell Eva die Langschläfer nicht leiden mag ! - Er nahm den Hut grüßend vom Kopfe ; Eva nickte ihm freundlich zu und meinte , sie könne gar Vieles nicht leiden , zum Beispiel das Warten nicht . Haben Sie denn auf mich gewartet ? fragte er . Gott bewahre , Mosje Herbert , dazu habe ich Morgens keine Zeit ; aber ich warte jetzt auf Sie ! Auf mich - wie das ? Mit dem Frühstücke ! entgegnete sie . Herbert meinte , es solle gleich fortgehen , indeß der Amtmann und Eva wollten davon nichts hören . Sie werden doch nicht der Erste sein wollen , Herr Architekt , meinte der Amtmann , der um die Frühstücksstunde hier ohne Imbiß fortgeht ? Und Eva sagte : Sie können immer einmal die gnädigen Herrschaften im Muschelsaale ihre Chocolade allein einnehmen lassen und mit unser Einem frühstücken . Wenn man gute Gesellschaft am Morgen hat , giebt ' s immer einen guten Tag ; denn daran glaube ich ganz fest , Gutes und Böses kommen nie allein ! Schönen Dank , Mamsell , daß Sie mich für etwas Gutes halten ! rief Herbert , während er vom Pferde stieg ; der Amtmann hatte einen Knecht herbeigewinkt , der ihm das Pferd abnahm , und die beiden Männer folgten Eva in den Hausflur , in welchem auf dem großen Eichentische Brod und geräuchertes Fleisch aufgetragen waren , neben denen der zinnerne Bierkrug und die feine Flasche mit Kirschbranntwein nicht fehlten . Den Hausflur hatte Herbert gar so gern . Die großen , altersgeschwärzten Eichenschränke , welche auf ihren massiven Kugelfüßen die beiden Seitenwände des Flures einnahmen , der schwere Tisch in der Mitte