sei im Haus . Der kranke reiche Mann begann auf den Schritt Leons zu horchen wie auf den Fußtritt des Glücks ; er war nur dann zufrieden , wenn der Baron neben ihm saß , und nach und nach konnte dieser ihn führen , wie er wollte . Er führte ihn leider nicht auf jene lichten Höhen , zu welchen ihn der Sternseher Heinrich Ulex leiten wollte , sondern in jene nebelige , dämmerhafte Sumpflandschaft des Egoismus , wo tückisch leuchtende Irrlichter sich spreizen und sich für die Sterne des Lebens ausgeben . Der Bankier Wienand schlich nicht mehr im Hause umher , um allerlei Abfälle zusammenzusuchen und sie gleich den größten Kostbarkeiten zu verbergen . Er erkannte allmählich wieder den Wert , den die Dinge in der menschlichen Gesellschaft haben ; die nervöse Aufregung legte sich im Laufe des ersten Jahres , und der Kranke erwachte wie aus einem bösen Traum . Der Mangel an Beurteilung machte nun einer scharfen , aber unendlich einseitigen Beurteilung Platz , und somit nahm eigentlich die dunkle Wolke , die über seinem Geiste hing , nur eine andere Farbe an . Aus dem Schwarz und Grau wurde ein unheimliches Gelb : die Welt , welche sich auch nicht wenig falsche Begriffe von den Dingen bildet , das heißt , sie so nüchtern wie möglich sieht , schickte sich an , dem berühmten Bankier Glück zu wünschen zu seiner Genesung . Aus seiner Krankheit sollte der Bankier als ein sehr harter und selbstsüchtiger Mann hervorgehen . Nun sich der Schleier vor seinem Auge lichtete , fühlte er sich tief erniedrigt durch den Zustand , in welchem er sich befunden hatte . Ein fieberhaftes Bestreben , die Erinnerung an diesen Zustand in sich und in der Gesellschaft auszulöschen , ging daraus hervor ; aber leider maß der aufgeregte Geist die Dinge nur nach dem Maße , welches die Welt ihnen anlegte , und der Baron Leon von Poppen fand das rechte Feld für seine Pläne . Mit fast wilder Satire kämpfte Juliane von Poppen gegen diese Art der Lebensanschauung an . Der Makel , welchen der immer noch kranke Mann auf sich zu fühlen glaubte , brannte schärfer als das Wort der alten Freundin . Die Gier nach Ansehen und Reichtum wuchs immer mehr und überwältigte jedes andere Gefühl ; - auch vor dem Brande hatten nicht viele Sterne am Lebenshimmel des großen Bankiers geleuchtet ; der Wahnsinn hatte auch die wenigen ausgelöscht , die Heilung brachte den Glanz der guten Lichter nicht zurück . Der Bankier Wienand wollte nicht mehr für » verrückt « gehalten werden und vergaß nur , daß die Welt manches für verrückt erklärt , was ganz an der rechten Stelle steht und welches von alter und neuer Weisheit als sehr edel , löblich und lieblich gepriesen wird . Seit das Kontor und das prachtvolle Hauptbuch in der Kronenstraße aus einer Fiktion wieder zu einer Wahrheit wurden , betrachtete der Bankier alles nur von dem niedrigen Standpunkte dieser beiden Gegenstände aus , und drei Vierteile der Gesellschaft hoben die Hände empor und priesen über alle Maßen dieses » energische Sichaufraffen « . Auf das Mitleid der Welt folgte die bewundernde Billigung , und Herr Leon von Poppen erlangte aus dem glücklichen Ereignis auch sein Teil Kredit in der allgemeinen Stimmung . Bald stand der Bankier als Kapitalist und scharfäugiger Geschäftsmann vollständig rehabilitiert da ; er hatte ja den schwarzen grimmigen Unhold Wahnsinn in der festesten Kammer seines Hirns eingesperrt , und unablässig , Tag und Nacht , hielt er Wacht , daß er nicht wieder hervorbreche . Es war aber doch ein unheimlich Ding ! Wie arbeitete der Bankier , um sich des Preises der Menschheit würdig und zugleich sie sich dienstbar zu machen ! Mit unverhohlener Kälte begegnete er der alten zürnenden , trauernden Hausfreundin ; hart und kalt behandelte er auch seine arme Tochter - sie war ja auch nur ein Mauerstein , der sich gut , vorteilhaft vermauern ließ in dem Tempel seines Glückes ! Der junge talentvolle Politiker , welchem er soviel zu danken hatte , gab ihm auch in dieser Hinsicht die besten Lehren . Das Haus Wienand war noch zu gewaltigen Dingen berufen . Das Freifräulein hatte Augenblicke , in welchen ihr das Leben unerträglich schien . Sich klagte sie an , wenn sie , mit Tränen in den Augen , die arme Helene in die Arme schloß . Sich klagte sie an auf dem Giebel des Sternsehers . » Ich hätte soviel dagegen tun können , wenn ich alte Närrin die Augen aufgesperrt hätte ! « rief sie jammernd . » Oh , Ulex , wir hätten ihn doch noch auf unsere Weise geheilt ; aber ich , ich bin schuld daran , daß dieser perfide Halunke , dieser Leon , uns so überlistete , daß er es jetzt wagt , die schmutzige Hand nach meinem Kinde auszustrecken . O welch eine Gans ich war , als ich mich von ihm so leicht übertölpeln ließ ! Es möchte einen Stein erbarmen , daß ein altes Weib wie ich , welches ein ganzes schweres Leben hindurch den Kopf immer ehrlich und resolut aufgerichtet getragen hat , ihn zuletzt so tief beugen muß . Diesem Kopf freilich ist ' s ganz recht : weshalb hat er sich von dem albernen Herzen so kläglich hinters Licht führen lassen ! Ach Fiebiger , Euerm Jungen verbiete ich die leiseste Annäherung an meine arme Helene aufs strengste , und diesen dummschlauen Bösewicht , diesen Leon , führe ich sozusagen selbst ihr zu ! Blutige Tränen möchte ich darum weinen ! « - Traurige Ferien brachte Robert Wolf von Zeit zu Zeit , während dieser beiden Jahre , bei den Freunden zu . Er sah Helene öfters , er sah auch seinen glücklichen , höhnischen Nebenbuhler . Juliane von Poppen hätte fast den Polizeischreiber eifersüchtig gemacht , so sehr bemächtigte sie sich des jungen Studenten . Er mußte ganze Nachmittage und Abende bei ihr zubringen , und in den Gassen