. « Der König schüttelte mit dem Kopf und meinte , sie wolle nicht nur darum nichts von ihm erbitten , damit er nicht dafür zum Danke Unziemliches von ihr verlange - er wendete sich darum fast unwillig , weil er beschämt war von ihrer klaren Frauenhoheit , schweigend von ihr ab . Konrad Celtes blickte sie wohl traurig an , aber er verstand sie doch nicht ganz - nur das weiche Gemüth in Kunz fühlte , welch ' eine Tiefe von Schmerz und Entsagung sich hinter diesem stolzen Lächeln verbarg - er konnte sich nicht helfen : er mußte ihr die Hand drücken und dann einen Augenblick sich abwenden , damit Niemand die Thräne sähe , die in seinem Auge stand . Neuntes Capitel Verurtheilung Im Benediktinerkloster hatte man den beiden Baubrüdern zu ihrem Nachtquartier eine gemeinschaftliche Zelle angewiesen , welche sich etwas gesondert von den eigentlichen Mönchzellen nahe am Thor bei der Wohnung des Pförtners befand . Ermüdet von dem ziemlich weiten Weg , den sie zurückgelegt , und von der Arbeit die sie nach kurzer Ruhe vorgenommen , warfen sie sich bald auf das ihnen bereitete Lager . » Neugierig bin ich , « sagte Hieronymus , » wie sich die Geschichte mit dem Sacramentshäuslein aufklären wird . Wer weiß , welche rohe Hand sich daran mag vergriffen haben . « » Kaum kann es anders als in einem Anfall von Wahnsinn , einen Wuth-Paroxismus geschehen sein , « sagte Ulrich . » Wer weiß , ob nicht ein widerwilliger Novize oder ein Mönch , der vielleicht ein vorschnell abgelegtes Gelübde bereut , diese Empfindungen im tollen Frevel an dem Allerheiligsten ausgelassen ; wer weiß , ob nicht der Abt schon etwas davon ahnte oder wußte und sehr ungelegen durch Dich an seine Pflicht erinnert ward , « bemerkte Hieronymus . » Vielleicht erfahren wir es von dem Bruder Konrad , « antwortete Ulrich , » der schon unsere Ansicht ausgesprochen und doch damit zurückgewiesen worden war . « » Hast Du ihn schon nach dem Bruder Amadeus gefragt ? « begann Hieronymus nach einer Pause ; » der Abt sagte ja , daß dieser noch einmal Bericht über das zerstörte Tabernakel ablegen sollte - und sagtest Du nicht , daß er an Geistesstörungen leiden solle ? « Ulrich antwortete : » Ich sprach nichts mit Konrad , was Du nicht gehört . « Nach einigem Besinnen fügte er hinzu : » Ich traf Amadeus in der Kirche und wollte ihm das Kreuz geben ; da rief man ihn ab - ich konnte nicht wagen weiter mit ihm zu sprechen - er schien mir allerdings nicht recht bei Sinnen zu sein . « Hieronymus sagte nur noch unter Gähnen : » Die Räthsel werden sich wohl lösen , es kommt ja immer Alles an den Tag - ich bin zu müde , um mir jetzt noch lange den Kopf darüber zu zerbrechen . « Bald darauf ließ er ein lautes Schnarchen hören und bewies , daß der ermüdete Körper den Schlaf gefunden , den er bedurfte . Ulrich bedurfte ihn wohl nicht minder , aber ihm blieb er fern . Er setzte sich in seinem Lager auf , stützte den wirren Kopf in die Hand , den Ellenbogen auf eine Strohschicht gestemmt , ob so vielleicht das emporgehobene Haupt ihm leichter werde und der Alp weiche , der auf seiner Brust zu ruhen schien . Das Bild seiner Mutter Ulrike , die er über Alles geliebt , stand vor ihm . Er rief es sich zurück in all ' der zarten Sorge , mit der sie über seine Kindheit gewacht ; er hatte den sanften schmerzlichen Zug der Entsagung nicht vergessen , der ihrem edlen Antlitz seinen eigenthümlichen Ausdruck gab , noch die ganze stille Würde ihres Wesens , mit der sie sich vor den andern Bäuerinnen seines Heimathdorfes auszeichnete , trotzdem sie die niedrigsten Arbeiten verrichtete gleich ihnen , ja oft das Schwerste vollbrachte , indeß der Vater ein faules Leben führte , ihr keine Arbeit erleichterte und nur that , was er mußte . Dieser war ein gewöhnlicher roher Bauer , der die Mutter mit Härte und den Sohn mit Gleichgültigkeit behandelte , oder sich gar nicht um ihn kümmerte . Es war darum doppelt natürlich , daß dieser nur an der Mutter hing , es herausfühlte , daß sie unglücklich war , und darum , als ihm beide Eltern verschwunden , den Verlust des Vaters leicht verschmerzte , über den der Mutter aber lange Zeit untröstlich war . Sie war es auch gewesen , die ihn als Hirtenknaben dem Kloster zugeführt und immer gewünscht hatte , daß er von den weisen Benediktinermönchen mehr lernen möge , als außerhalb des Klosters dem Kinde eines Dorfes möglich war , in dem es keine Schule gab , noch sonst Jemanden , ein Kind zu unterrichten . Ihr eigenes sinniges Gemüth nur , das aus allen Werken und Walten der Natur das Schöne mit offenem Auge herausfand , hatte auch schon früh die Augen des bildsamen Knaben dafür geöffnet und damit den ersten Grund schon unbewußt gelegt zu seiner Liebe für die Kunst . Sechszehn Jahre waren nun seit der Trennung von dieser theuern Mutter vergangen . Man hatte ihn erst lange mit der Hoffnung hingehalten , daß sie wohl wiederkehren werde , und er hatte es sich selbst für unmöglich gedacht , daß sie ihn verlassen und nie wieder nach ihm fragen könne - und da es nicht geschah , nahm er an , sie sei todt , und wenn er dann betete , richtete er seine Gebete , statt an die Mutter Gottes , an seine eigene verschwundene Mutter , die sich ihm zur Heiligen verklärt hatte . Da mußte ihm , als er aus dem Kloster in die Bauhütte zu Straßburg ging , der Benediktinermönch Anselm den doppelten Glauben an seine Mutter durch das Gelübde zu rauben versuchen , das er ihm abnahm : nie nach seiner Mutter zu forschen , weil man Unwürdiges von