denke , Herr von Asselyn ist Advocat ? Allerdings . Wie kommt er zur Uniform ? Herbstübung ... Damit brach der Mann ab . Man hatte ihn entweder gerufen oder er glaubte vielleicht nur , daß man dies gethan . Von dem jungen Paar schien er kein Auge zu verlieren . Lucinde war wie in einer Betäubung . Ihr Entschluß war allerdings : Du wagst dich noch einmal in dein altes Leben zurück , siehst heller , was dir früher dunkel erschien , erschrickst vor keiner Begegnung mehr und wär ' es vor der der alten Hauptmännin von Buschbeck , ja vor der Oskar Binder ' s nicht - in ihrem neuen religiösen Bekenntniß lag die außerordentlichste Kraft dieses Sichsicherfühlens - und dennoch wälzte sich ihr schon centnerschwer aufs Herz , sich zu sagen : Armgart von Hülleshoven gehörte dem Kreisen von Schloß Neuhof an ! Sie war eine der innigsten Beziehungen der Comtesse Paula ! Sie kann noch den Kindeseindruck bewahrt haben von jener Pagode im Schloßteich , in die ich damals zu dem Federvieh aufgestiegen bin ! ... Benno von Asselyn war ein Cousin des Pfarrers zu St.-Wolfgang , jenes Bonaventura , bei dessen verhängnißvoller Priesterweihe sie vor einigen Jahren mit einer Entscheidung für ihr ganzes Leben zugegen gewesen war . Am Fuße des Hügels fand sie ihr Wägelchen . Es war leichtester Art , nur für zwei Personen , die sich im Fall eines Regens vorn durch ein aufgeschlagenes Halbverdeck schützen konnten . Indeß behielt das Wetter seine gleiche Anmuth . Nur die Sonne senkte sich allmählich . Schon mochte es inzwischen über fünf Uhr geworden sein . Ein Knecht aus dem Weißen Roß führte das leichte Gespann . Erst ging es um den Ort herum und die Anfänge der landeinwärts gehenden Straße rasch hinaus . Den vollen Genuß der üppigen , wie ein Garten ausgebreiteten Gegend konnte nur der Staub hindern . Die Bäume am Wege trugen schwer an ihrer Aepfellast . In den Gärten prangten jene Blumen , die im Spätsommer durch Glut der Farbe ersetzen , was ihnen schon an Duft fehlt . Bienenstöcke standen unter Bedachungen mit jener geheimnißvollen Bienenkorbstille , die nicht ahnen läßt , was alles , und vollends nach Klingsohr ' s Theorie , in ihnen vorgeht . Wonnig war der Rückblick auf das verlassene Oertchen , den im Luftäther blauglänzenden Strom , der sich in immer anmuthigern Windungen dem Auge darbot , je mehr sich die Straße emporzog . Jetzt wurde die Straße steiler . Die Berge , die zwischen dem Strom und St.-Wolfgang lagen , waren höher , als sie das Ansehen gehabt hatten . Der Knecht stieg aus und zuletzt auch Lucinde , so sehr der Knecht versicherte , daß es nicht nöthig wäre . Doch war im Gehen und Stillstehen der Rückblick auf den immer noch sichtbaren Strom besser zu genießen . Inzwischen bemerkte Lucinde , daß zwei der Bekanntschaften , die sie an der Maximinuskapelle gemacht hatte , ihr folgten . Auf kürzerm , die Landstraße durchschneidenden Fußwege waren ihr Benno von Asselyn und sein Begleiter schon ziemlich nahe gekommen . Sie unterhielten sich mit einer Reisegesellschaft , in der Lucinde den Gipsfigurenhändler , seinen Sohn und ein junges , schlank aufgeschossenes Mädchen erkannte , das Armgart von Hülleshoven nicht sein konnte . Ihre Vorräthe hatten die Verkäufer nicht mehr bei sich und fast schien es , als wenn ein langsam vor ihrem eigenen Wagen hinziehender Einspänner den Italienern gehörte . Dieser Wagen war so weiß gepudert wie die kurze graue Jacke und die Manchesterhose , die der Alte und sein Knabe trugen . Das junge Mädchen aber war geschützt von einem großen breitrandigen Strohhute und schien die Frau oder die Tochter des Italieners zu sein , der seine lebhafte Rede mit Gesticulationen unterstützte . Ueber das kahle Gestein hinweg , das mit dünnem Heidekraut und spärlichem , von weidenden Ziegen ausgerupften Grase bedeckt war , gab es für die fünf Fußwanderer leicht zu erklimmende Nebenwege , auf denen in kurzer Zeit wenigstens Lucindens Gefährt erreicht sein konnte ; ja , wenn die Wanderer die in die Felsen rundum gehauene Landstraße jetzt ganz vermeiden wollten , konnten sie bei der Unabsehbarkeit des immer bergan gehenden Weges quer über eine große , hier von kleinen Wasserrinnen , dort von Felsblöcken bedeckte Wiese Lucinden ganz den Weg abschneiden und ihr zuvorkommen . Sie schlugen auch diesen Weg ein , scheinbar unbekümmert um die bald überholte Wandererin auf der staubigen Landstraße . Lucinde pflückte vor Aufregung am Wege Kreuzkräuter und Rispengräser zu ihrem gewohnten Zerzupfen , das ihre Natur immer als Ableiter zu bedürfen schien , um die in ihr arbeitende Unruhe zu dämpfen . Sie zog die Gräser und ihre Samenkolben durch die Finger , biß sogar ihre Spitzen ab , warf sie weg und pflückte dann wieder neue . Der Sonnenschirm , der ihr zur Stütze diente , schleuderte manchen Stein aus dem Wege ; manchen andern , wenn er ein hübsches Geäder zeigte , hob sie auf , betrachtete ihn eine Weile und ließ ihn gedankenlos wieder fallen . Mit dem Knecht war sie schon lange in einem Gespräch . Menschen neben sich zu haben , ohne zu wissen , was sie sind , treiben , wollen , denken , war nie ihre Art gewesen . Allem Stummen mußte sie irgendwie eine Sprache abgewinnen . Und der Knecht nahm an ihr ein gleiches Interesse . Auch ihm schien diese junge energische Dame eine Merkwürdigkeit . Wie Lucinde zerstörte aus Kraftgefühl und ungeduldiger Spannung auf ihr nächstes Schicksal , jetzt auf die schon hoch über ihr hinwegschreitenden Wanderer , so auch dieser . Blatt um Blatt zerzupfte er einen Zweig , den er in der Hand hatte , machte erst eine Ruthe daraus und warf sie zuletzt weg , auch sich , wie es schien , aus grübelnden Gedanken aufraffend und wieder dann zur Peitsche greifend ... Die Umgebungen wurden waldig . Die Höhen endeten nicht ; sie umkränzten mit dunklern und hellern grünen Schattirungen den