den die Neue Preußische Zeitung , Ihre Freundin , dafür erfunden hat . « Der Baron verbeugte sich zustimmend . » Gestatten mir Euer Excellenz zunächst einen kurzen Rückblick auf die letzten diplomatischen Verhandlungen , der uns um so rascher auf den zu nehmenden Standpunkt führen wird , als Euer Excellenz gewiß bereits wissen oder vermuthet haben , daß die Note , welche ich morgen die Ehre haben werde , Ihnen zu überreichen , die Antwort des Herrn Reichskanzlers auf die alle Chancen der friedlichen Ausgleichung auf ' s Neue bedrohenden Amendationen des Divans zu der vereinbarten und unsererseits angenommenen Note der wiener Conferenz enthält . « » Ich bin mit dieser Art der Verhandlung ganz einverstanden , Herr Baron , und bitte Sie , bis auf den beklagenswerthen , und auch von Seiner Majestät dem Könige tief bedauerten Schritt des Einmarsches Ihrer Armee in die Donaufürstenthümer am 3. Juli zurückzugehen . Sie kennen bereits meine Ansicht , daß dieser Schritt , zu dem sich Ihre Regierung hat hinreißen lassen , mir keineswegs durch die bestehenden Verträge gerechtfertigt scheint , und daß ich in ihm das Hinderniß aller gütlichen Ausgleichung und die nothwendige Ursache kriegerischer Verwickelungen sehe . « » Aber , mein Gott , was wollen Sie , das geschehen soll ? Eine Macht wie Rußland konnte sich doch von einem so untergeordneten lebensunfähigen Staat wie die Türkei in ihren gerechten Forderungen nicht Trotz bieten und die gemachte Androhung unausgeführt lassen ? Und nun , da die Besetzung geschehen , wird der Kaiser , mein Herr , doch unmöglich seiner politischen Ehre so viel vergeben , um seine Truppen den Rückzug antreten zu lassen , ohne daß die Gewähr seiner Forderungen gesichert ist ? - Die geringe Zahl der Truppen , welche den Pruth überschritten haben , bürgt Europa dafür , daß es sich nur um eine Pfandnahme , nicht um ein militairisches Vorgehen gegen die Türkei handelt . « » Sie vergessen , Herr Baron , daß die politische Ehre eine Sache ist , die sehr vielfacher Deutung unterliegt . Vielleicht erinnern Sie sich , daß Preußen , von dem Sie jetzt die Unmöglichkeit einer solchen Anschauung verlangen , vor nicht langer Zeit in der Lage war , auf den dringenden Rath einer befreundeten Macht , - ich will es nicht anders nennen - in , seine innern deutschen Interessen betreffenden , Streitigkeiten zwei Mal einen militairischen Rückzug aus seinen avancirten Stellungen nehmen zu müssen . Ich meine Schleswig-Holstein und Cassel , und wenn ich nicht sehr irre , wurde uns hier auf der nämlichen Stelle klar gemacht , daß die politische Ehre durch ein solches Rückgehen keineswegs eine Einbuße erleiden könne . « Der Baron erröthete stark , antwortete jedoch nicht auf den Fechterstreich , den er erlitten , sondern nahm sofort die Darstellung der diplomatischen Verhandlungen auf . » Die Pfandnahme der Donaufürstenthümer hatte in Constantinopel einen Aufstand der Kriegspartei und die kurze Aenderung des Ministeriums Reschid zur Folge , ein Beweis , wie wenig die alttürkische - im Stillen immer herrschende - Partei zu einer billigen Nachgiebigkeit geneigt ist . Die Vermittelung der Gesandten bei Seiner Hoheit dem Sultan hat zwar die sofortige Wiedereinsetzung des Großveziers und Reschid Pascha ' s zur Folge gehabt , indeß glaube ich , daß es den Vertretern von Frankreich und England mehr darum zu thun gewesen ist , den gesicherten Einfluß sich zu bewahren , als den Krieg zu verhindern ; denn wir wissen sehr wohl , daß das Kabinet der Tuilerien bereits unterm 13. Juli das englische Gouvernement aufgefordert hat , sich über das weitere Agiren der Flotten zu verständigen , wenn die Vermittelung nicht zu Stande käme . Dahin zielt auch die Note der französischen Regierung vom 15. , welche uns das Recht der Besetzung streitig macht , und der Pforte daraus dasjenige vindicirt , den beiden Mächten die Passage der Dardanellen zu gestatten . Auch das englische Kabinet antwortete in gleicher Weise unserer Circular-Depesche vom 2. Juli . Während hierauf die Gesandten der vier Großmächte in Constantinopel darüber verhandelten , den Protest der Pforte gegen unser Einrücken in die Fürstenthümer uns mundrecht zu machen , und die Pforte den von Lord Stratfort redigirten Noten-Entwurf am 23. Juli annahm , hatte am selben Tage der Minister des Auswärtigen in Wien , Graf Buol , die Repräsentanten Preußens , Englands und Frankreichs bei sich vereinigt , um in Wien selbst einen Ausgleichungsvorschlag zu vereinbaren , dem die frühere französische Note zur Grundlage diente . « » Es war ein unglückliches Zusammentreffen , daß beide Vorschläge gleichzeitig concurrirten . « » So sehe auch ich es an , Excellenz . Graf Buol fügte der französischen Note zwei Verbesserungen bei , deren eine die Erklärung der Pforte enthält , den Vertrag von Kainardji treu beobachten zu wollen . Der englische Gesandte setzte hierbei die unnütze Aenderung durch , daß dem ganz klar lautenden Vertrage von Kainardji von uns nicht eine beliebige Auslegung gegeben werden dürfe . « » Ich weiß nicht , Herr Baron , ob diese Einschaltung so unnöthig war , « unterbrach ihn der Minister ; » wenigstens hat die Folge gezeigt , daß gerade die Auslegung den streitigen Punkt abgab . Jedenfalls war das preußische Gouvernement ganz mit dem Vorschlage des Herrn Grafen Buol einverstanden , den unterdeß von Constantinopel eingegangenen Noten-Entwurf zurückzubehalten und den der wiener Konferenz zur Annahme zu empfehlen . « » Die Feststellung desselben erfolgte am 31. ; Oberst von Ruff ging mit einem eigenhändigen Schreiben Seiner Majestät des Kaisers Franz Joseph nach Constantinopel , um dem Sultan die Annahme des Vermittelungsvorschlages auf das Dringendste zu empfehlen , und die Regierungen von England , Frankreich und Preußen - wir wollen vorläufig an die Aufrichtigkeit der beiden ersten glauben - instruirten ihre Gesandten bei beiden Kabineten , alle Bemühungen darauf zu richten , daß die Note acceptirt werde . « » Graf Nesselrode benachrichtigte bereits am 3. August unsern Gesandten in Wien , daß Seine Majestät der Kaiser die wiener Note angenommen habe ,