Unglück ! Du weißt es ja selbst . « » Aber vielleicht ist sie doch nicht sein größtes gewesen , oder vielleicht war sie es allein , die ihn bestimmte , die Reiseofferte von Graf Golzenau anzunehmen ; « sagte Elisabeth . » Sie lebten in Noth ? « fuhr Jaromir hastig heraus - » und Golzenau - ich besinne mich - dieser Thalheim , welcher mit meinem Vetter Eduin Golzenau reist , ist derselbe , dessen Gattin jetzt hierher kommt , ist Ihr Lehrer , von dem Sie , Elisabeth , mir noch jüngst mit Begeisterung sprachen . - Sie hatten mir seinen Namen nicht genannt . « » Der nämliche , Jaromir , « sagte Elisabeth . » Aber Sie sind so bewegt , nehmen Antheil an diesem Thalheim ? - Sie kennen ihn ja - vor einem Jahr , als wir uns zuerst sahen , kamen Sie von ihm . « » Und eine neue Liebe ging in meinem Herzen auf ! « rief er , den ganzen Sturm seiner aufgeregten Empfindungen in diese Worte pressend und zog ihre Hand heftig an seine zuckenden Lippen . Sie nahm diese Aufwallung für den einfachen Ausdruck der überwältigenden Erinnerung an jene erste Stunde , wo zwei Menschen sich begegnen , welche trotz der Bewegung ihrer Herzen dabei und der wunderbaren , unerklärten Empfindung , welche in ihre Seelen schlägt , auch nicht ahnen können , daß einst ein Himmelsgefühl und ein Himmelsglück sie vereinigen werde - und so blickte sie ihn zärtlich an und vergaß darüber , was sie und er noch im letztverwichenen Moment gesprochen . Nach einem Augenblick des Schweigens sagte Elisabeth zu Aurelie : » Durch den Rittmeister von Waldow , der mir zuweilen von der Reise seines Sohnes erzählte , habe ich auch von Thalheim sprechen hören - auch lebt ihm ein Bruder hier - « » Ein Bruder ? « sagte Aurelie . » Nun da wird die Doctor Thalheim gewiß um so weniger ausgehen , als sie dies schon zum voraus erklärt hat - es wird ihr unangenehm sein , da ihr Gatte Nichts mehr von ihr wissen will , in der Gesellschaft mit einem Schwager zusammentreffen . « » In der Gesellschaft ? - Das wird sie nicht ! « lächelte Elisabeth . » Franz Thalheim ist Fabrikenarbeiter - Aurelie schlug ein lautes Gelächter auf und sagte ungläubig : » Du bist sogar witzig geworden , Elisabeth . « - Unterdeß hatte Jaromir an seine Uhr gesehen : » Man wird Sie im Schloß erwarten , es ist Zeit , daß ich gehe , sagte er und entfernte sich nach kurzem Abschied . II. Die Brüder » Ich bin gewandert , hab ' gesehen , Es steigt empor ein böses Zeichen , Ein Kampf liegt in den ersten Wehen , Ein Kampf der Armen und der Reichen . « Alfred Meißner . Der Geheimrath von Bordenbrücken hatte seine Mission vollkommen erfüllt . Gewiß hatte er den Orden , um den er sich bewarb , schon jetzt verdient . Wenigstens hatte er sich alle mögliche Mühe darum gegeben und kein Mittel gescheut , zu irgend einem Resultat zu gelangen , durch das er sich den Dank seiner Regierung verdiene . Um jeden Preis wollte er Entdeckungen von der größten Wichtigkeit über staatsgefährliche Verbindungen und Umtriebe machen . Wo er nur einen Keim dazu fand , wollte er daraus wo möglich eine Giftpflanze erziehen und sie dann frohlockend ausreißen . So hatte der Geheimrath auch den unheimlichen Funken in die Seele des Fabrikherrn geworfen - war er dort einmal eingedrungen , so werde es ihm , daß wußte er , an weiterem Brennmaterial und Zündstoff nicht fehlen . Der Geheimrath war ein geschickter Rechenmeister , sein Exempel traf bei der Probe . Herr Felchner hatte Tag und Nacht keine Ruhe mehr . Er theilte seine Unterredung mit dem Geheimrath seinem Sohn mit . Georg war von Charakter fast noch finsterer und hartherziger als sein Vater . Herr Felchner , der Vater , war ein Thrann gegen Alle , die von ihm abhingen , aber er war es um eines Zweckes willen : er war es aus Ehrgeiz , der reichste und industriellste Mann in seinem Vaterland zu sein . Alles , was er war und besaß , hatte er seiner Klugheit , seinem Fleiß und seiner Ausdauer zu verdanken , denn er hatte zuerst mit einem geringen Geschäft und klein angefangen . Darauf war er stolz und auf diesem sichern Fundament baute er nun mit rastlosem , unermüdlichem Eifer weiter . Es war seine Freude , wenn er durch seine Geldmacht den Adel demüthigen konnte , es war sein Stolz , bei dem großen Grundbesitz , den er sich nach und nach erworben , bei der Masse der Leute , welche er beschäftigte und welche dadurch Alle von ihm abhängig waren , selbst eine Art von Souverain vorzustellen , es war sein Ruhm , die Industrie durch alle zweckmäßige Neuerungen zu bereichern und sie in seinen Fabriken und durch dieselben auf eine immer höhere Stufe zu heben - und es war so seine Lebensaufgabe , in Allen diesem noch weiter zu schreiten - : das Mittel dazu war erhöhter Reichthum : Sich diesen zu verschaffen , war ihm kein Mittel zu gering , zu kleinlich und schimpflich - so bald sich dies Alles nur unter einem Schein des Rechtes verbergen ließ . So lag seinem Handeln immer noch eine Idee , ein Zweck zum Grunde , und so war er nicht hart und grausam , weil er es unter allen Verhältnissen gewesen sein würde , sondern er war es nur unter den gegebenen , er glaubte so sein zu müssen , wenn er den Platz ganz ausfüllen wollte , auf den er sich gestellt , den er für sich gehörig in Anspruch genommen . Aber anders war es mit Georg . Er war Nichts als eine todte Maschine . Er hatte nicht einmal einen Ueberblick über den weiten Geschäftskreis seines Vaters - er stand