dieser Ansicht bei und man verabredete eben einen Tag für diese Fahrt , als ein Mann von etwa vierzig Jahren mit einer jungen Frau am Arm sich dem Platze näherte , auf dem die Gesellschaft vor dem Hause saß . Ein Diener trug ihnen , trotz des schönen Wetters , einen Männerüberrock und einen kleinen Teppich nach . Steinheim ! rief Jenny , als sie ihn erkannte , und stand auf , ihn und seine Begleiterin zu begrüßen : Vielmals willkommen ! » Erneute Huldigung gestatte mir ! « sagte Steinheim , ihr mit steifer Galanterie die Hand küssend , und vergönnen Sie mir zugleich , Ihnen meine Frau vorzustellen und sie Ihrer Freundschaft zu empfehlen . Madame Steinheim war ein sehr hübsches , siebzehnjähriges , höchst schüchternes Wesen , das zu ihrem Manne wie zu einer Gottheit emporsah und sich nicht der Ehre werth zu fühlen schien , ihm anzugehören . Steinheim war sehr stark geworden und pflegte sein Aeußeres und seine Gesundheit noch mit der alten übertriebenen Vorsicht . Die junge Frau , welche diese seine alte Schwäche noch nicht zu kennen schien , stand ihm darin mit ängstlicher Sorgfalt bei . Nachdem Jenny die Angekommenen mit ihren Freunden bekannt gemacht hatte , fragte sie Steinheim , was ihn , den abgesagten Feind alles Reisens , zu dem Entschluß gebracht habe , sich dennoch auf den Weg zu machen und eine Häuslichkeit zu verlassen , die jetzt erst wahren Reiz für ihn haben müsse . Ich bin mir selbst ein Räthsel ! antwortete er , und mir scheint , daß mit dem Liebesfrühling , der so urplötzlich in meiner Brust erwachte , ein ganz neues , junges Leben für mich begonnen hat . » Ein unbegreiflich holdes Sehnen trieb mich durch Wald und Wiesen hinzugehn . « Ich wünschte meiner Frau zu zeigen , wie schön die Welt sei und konnte mich der Gefahr , die das Reisen für meine Gesundheit hat , jetzt leichter aussetzen , da Hannchen - er wies dabei auf seine Frau - mit dankenswerther Sorgfalt über mir wacht . Aber findest Du nicht , sagte er , sich unterbrechend , daß der Fußboden hier feucht ist , mein lieb ' Schätzchen ? Das liebe Schätzchen bejahte es , und nach einer leichten Entschuldigung gegen die Damen , ließ Steinheim den Teppich unter seine Füße breiten und zog den Ueberrock an , wobei der Diener und seine Frau ihm behülflich waren . Dann fragte er nach William und Clara , von deren Anwesenheit in Baden er durch Eduard gehört hatte , während ihre Abreise ihm fremd war , denn auch er war schon längere Zeit auf der Reise und vom Hause entfernt . Er erkundigte sich , wem die Kinder gehörten , die seitwärts unter Obhut der Wärterinnen sichtbar waren . Man rief Richard herbei , ließ Lucy bringen und auch das hübsche , nun sauber gehaltene Kind der armen Frau , wobei die Verhältnisse derselben nochmals flüchtig besprochen wurden . Da sieht man , sagte Steinheim , wie tief das Gefühl für Standesunterschiede im Menschen begründet ist , das man einen leeren Wahn schilt . » Doch dieser Wahn ist uns ins Herz gelegt , wer mag sich gern davon befreien « , besonders , wenn es darauf ankommt , eine Ehe zu schließen , in der vollkommene Gleichheit der Verhältnisse die erste Bedingung zum Glücke ist ? Hätte Steinheim absichtlich eine Aeußerung machen wollen , die für alle Anwesende gleich verletzend wäre , er hätte keine bessere finden können . Seine Frau und Frau von Meining waren Beide wohl um zwanzig Jahre jünger , als ihre Männer , und welch unangenehmen Eindruck Jenny und Walter durch die Behauptung empfingen , bedarf keiner Erwähnung . Steinheim fühlte aber davon nichts , da er die Verhältnisse der einzelnen Personen nicht kannte und fuhr , immer nur mit sich beschäftigt , fort : Es hat eine Zeit gegeben , in der ich auch an ein Verschmelzen der Stände , wo möglich gar an eine gleichmäßige Vertheilung der Güter dachte und , von Eduard ' s Ueberspanntheit angesteckt , nur von Reformen und von Weltverbesserungen träumte . » Der Traum war kindisch , aber göttlich schön « ; ich gestehe es , obgleich ich mich freue , daraus erwacht zu sein . Und was hat denn Ihre plötzliche Sinnesänderung bewirkt ? fragte Walter . Herr Graf ! » die Zeit kommt auch heran , wo wir was Gut ' s in Ruhe schmausen mögen « , antwortete der Gefragte , sich selbst Beifall lächelnd . Dies Reformiren , Politisiren und dergleichen schickt sich nur für die Jugend , die Nichts zu verlieren und Alles zu gewinnen hat . Zudem trieb der ewige Aerger , in dem solch ein Parteikampf uns hält , mir die Galle in ' s Blut , raubte mir den Schlaf und hätte mich zuletzt noch um Gesundheit und Leben gebracht , wenn mir nicht endlich die Erkenntniß gekommen wäre , daß es für mich Zeit sei , den Liberalismus Andern zu überlassen und fortan nur mir , der Literatur , die Ansprüche an mich hat , und meiner kleinen Frau zu leben , die mit meinem Entschlusse sehr zufrieden ist . Gestehen Sie , Herr Graf ! das ist das Vernünftigste , was man thun kann . Sie , ein Edelmann aus altem Hause , werden es begreiflich finden , daß ich , ein nicht unbemittelter Bürger , das Haupt einer Familie , mich aus Grundsatz zur äußersten Rechten halte und entschieden gegen Alles eifre , was gegen das Bestehende läuft . Der Unterschied der Stände ist ein heiliger und muß aufrecht erhalten werden , wie der des Besitzes und des Glaubens ; und nur wenn das geschieht , kehrt sie wieder : » die goldne Zeit , womit der Dichter uns zu schmeicheln pflegt « . Steinheim glaubte , als er das Schweigen der Gesellschaft , das entzückt aufhorchende Gesichtchen seiner Frau bemerkte , des allgemeinen Beifalls sicher zu sein und