aus dem eine ernste , dauernde Leidenschaft erwächst . « - Schweigend und ernst ging sie nun neben mir her . Endlich erschien der Tag , der so sehnsuchtsvolle Hoffnungen erfüllen sollte . Alle Stunden waren gezählt worden ; den Abend , wo Heinrich das erste Nachtlager auf schottischem Boden halten sollte , ging sein greiser Vater mit einer Art Feierlichkeit in sein Schlafzimmer - sein Sohn betrat diesen Boden heute auch ; und endlich sprach er , Charlotten und mich beim Schlafengehn umarmend : » morgen um diese Zeit ! « - und sein Blick suchte den Himmel , als das Einzige , was er noch Höheres , wie Heinrich , erkenne . Außerdem aber war seine Freude seit ihrem ersten Ausbruch still ; doch sah man , daß er mit keinem andern Gegenstand beschäftigt war ; auch an alles , was er aus der Vergangenheit erwähnte , hing er eine Bemerkung , die ihn betraf : » damals war Heinrich noch ein Kind « , oder : » Heinrich hatte eben sein erstes Hochwild geschossen « ; und so waren Heinrichs Lebensstufen sein Kalender . Dazwischen drückte er von Zeit zu Zeit Charlottens und meine Hände mit glänzend glückwünschendem Blick . Bis Aberfoyl ihm entgegen zu reiten , war sein herzlicher Wunsch , er hatte nur einigen Zweifel , ob sich das mit seiner väterlichen Würde vertrage ; doch » Heinrich ist ja nie ein verzogner Knabe gewesen « , bemerkte er , und sonach entschloß er sich zu dem Ritt . An dem großen Tage war die ganze Familie schon beim Morgengrauen munter . Wen ich zuerst erblickte , war Eredine , in voller National-Kleidung , mit jugendlichem Schritt im Hof umherschreitend . » Charlotte , heute gilt ' s ein derbes Frühstück « , rief er , an den Tisch sich setzend , der geschäftigen Tochter zu , » wer zehn Stunden reiten will , darf nicht nüchtern bleiben « ; und mit diesen Worten langte er fröhlich zum Glase . Der Laird hatte beschlossen , ohne andre Begleitung mit seinem Hausgesinde allein fortzureiten , allein der alte Sackpfeifer wußte sich auf andre Weise zu entschädigen . Er zog , den » Grahams Aufruf « pfeifend , durch das ganze Thal , aus allen Hütten schlossen sich alle männliche Bewohner ihm an , und mit diesem zahlreichen Zug rückten sie gegen Aberfoyl vor . Die Weiber des ganzen Clans blieben in der Bezeigung ihrer Theilnahme nicht zurück : von früh an kamen die Hausmütter , still und ehrbar brachten sie , was ihr Vorrath an Schinken , Eiern , Geflügel ihnen darbot , » zum freundlichen Gruß « und kehrten ruhig in ihre Wohnung zurück . Der Tag schien uns von endloser Länge . Charlotte war stumm und ruhelos ; sie wollte nähen - es gelang nicht ; sie nahm ein Buch - es war vergebens ; sie ging wieder und immer wieder in ihres Bruders Zimmer um sich zu überzeugen , daß dort nichts fehle - aber eigentlich nur , um von dort aus dem Fenster zu schauen , da der äußerste Punct der Aberfoyl-Straße dort zu sehen war . Endlich fing sie an zu sorgen , ob er auch heute ankommen möge , und zürnte mir fast , wie ich die Möglichkeit des Gegentheils zugeben mußte . Gegen den Abend stellte sie sich an das Fenster und blickte , zuweilen ihre Augen trocknend , bewegungslos in die dunkelnde Ferne . Der Abend sank und verkündete eine frostige Nacht . Charlotte zog mich mit sich vor das Schloßthor ; alles war still ; endlich bellte fern im Thale ein Hund ; » ich höre die Pfeife ! « rief Charlotte und faßte meinen Arm . Ich horchte ; leise schwirrte der Ton , erstarb und tönte wieder , nach und nach ward er bis zur Deutlichkeit stark . Grahams Kriegslied , der Hufschlag der Rosse , der Fußtritt der Menge , die Stimmen der Menschen wurden deutlich . - - Charlotte flog den Weg hinab , kehrte um und rief : » Nein , vor dieser Menge kann ich ihn nicht empfangen ! « und eilte zurück in das Haus . Ich erblickte durch das Dunkel die zwei stattlichen Gestalten der Häuptlinge , die am Thor von ihren Pferden gestiegen waren und sich jetzt zu Fuß dem Schlosse näherten , und begab mich in das Zimmer , besorgt , dieses erste Wiedersehen zu stören ; aber bald eilten die Schritte herbei , ich hörte meinen Namen , die Thür flog auf , und Maitland stand vor mir - - - Wie ich am Schluß eines glücklichen , von dem Vater und Charlotten in stillem Rausch der Freude , die zum Gebet wird , hingebrachten Abends endlich mit meiner Freundin allein war , machte ich ihr Vorwürfe , meinen Irrthum über Heinrich und Maitland vorsätzlich genährt und mich dadurch zu Geständnissen verleitet zu haben , die mich jetzt in ihre Hand gäben . Wohl erkannte ich das Glück an , von diesem verehrten Mann im Schoose seiner Familie , als dem Liebling seiner Geliebtesten , wiedergefunden zu werden , nachdem er mich einst im Wirbel der Thorheit zurückließ . Ich war deshalb weit entfernt , mir mädchenhafte Ziererei zu erlauben ; aber ich suchte meiner Freundin zu beweisen , daß sie mein Vertrauen durch die falsche Rolle , die sie dem vorgeblichen Maissand aufgetragen hatte , gemißbraucht zu haben schien . Anfangs lachte die in ihr Glück verlorne Charlotte , bald legte sie mir aber die Gründe , durch die sie ihr Betragen gerechtfertigt hielt , vor Augen . » Nach dem , was ich von Ihnen wußte « , sagte sie , » konnte ich nicht hoffen , daß sie sich würden von meinem Bruder Ihr Geld zurückzahlen lassen ; sobald ich Sie aber gesehen und liebgewonnen hatte , begriff ich meines Bruders Schicksal und verstand seine Theilnahme an Ihnen . Auch daß Sie Maitlands Schwester nie Ihr Vertrauen würden geschenkt haben , wurde mir