« » Dießmal beliebt es wohl dem Herrn Grafen selbst , sich etwas schwerfällig zu zeigen ; denn , um des Himmels willen ! wer denkt denn an Ihre Erzengelin ? « erwiderte spottend die Markise . » Schon in Paris nahm ich mir vor , morgen krank zu seyn ; sehen Sie hier den Beweis davon , « fuhr sie fort , indem sie einer Kammerfrau ein Kleid , welches diese eben durch das Zimmer trug , vom Arme nahm und vor dem Grafen entfaltete . Mit dem größten Erstaunen erblickte dieser ein ganz einfaches , blendend weißes Gewand , fein und durchsichtig , wie aus Aether gewoben , doch schien es für eine Riesin bestimmt ; es mußte , wenn die Markise es trug , nicht nur hinten , sondern auch vorne und von allen Seiten mehrere Ellen lang ihr auf dem Fußboden nachschleppen . » Aber wie in aller Welt wollen Sie es anfangen , in diesem Gewande nur zwei Schritte zu gehen ? « rief er endlich . » Gehen , « erwiderte die Markise , und lachte jetzt wirklich recht herzlich , » gehen ? Aber , lieber Graf ! Sie werden immer schwerfälliger . Wer geht denn , wenn man krank ist ? « » Ach Gott , « seufzte Hippolit , » eigentlich fängt es an , mir leid zu thun , daß diese Gabriele morgen erscheint ; abwesend gab sie zu so manchem guten Einfall , zu so manchem pickanten Scherze Anlaß , und ihre Gegenwart wird gewiß nichts weniger als pickant oder amüsant seyn . Ich sehe sie schon im Geiste vor mir mit dem Mondscheinsgesichte , wie sie an der Seite ihres alten Gecken die gestrenge Penelopeya mitten unter den übermüthigen Freiern zu spielen bemüht ist . Die Maske ist übrigens schon etwas verbraucht , indessen wenn sie ihr nur halb so gut steht als die Leute es behaupten , so mag es drum seyn . Ich fürchte aber , der morgende Triumf unserer schönen Freundin wird kaum der Mühe des Erkämpfens werth seyn , obgleich ich diese sehr gering anschlage . « Der Abend kam . Die glänzende Reihe kerzenheller Säle füllte sich nach und nach und die Gräfin bemühte sich mit gewohnter Liebenswürdigkeit , die Abwesenheit der Markise mit einer heftigen Migräne zu entschuldigen , welche aber hoffentlich späterhin zur gewohnten Stunde nachlassen und ihr erlauben würde , die Gesellschaft , in kleinere Partien getheilt , in ihrem Zimmer wenigstens auf Minuten zu sehen . Hippolit wich beim Empfange der Gäste der Gräfin nicht von der Seite . Mit dem Bedeuten , er müsse sie errathen , hatte diese es abgeschlagen , ihm Gabrielen gleich bei deren Eintritt bemerkbar zu machen , daher hielt er es für das sicherste , auf diese Weise seinen Willen durchzusetzen . Indessen war es spät geworden , die Erwartete fehlte noch immer , Graf Hippolit begann aus Verdruß darüber der Gräfin allerlei witzig-bittere Muthmaßungen über die Abwesende zuzuflüstern , als ein Kreis seiner Bekannten ihn einen Augenblick festhielt , und dadurch ihn von der Gräfin trennte , ohne daß er solches bemerkte . Ein lächerlich modern gekleideter dicker Mann stand mitten im Kreise der jungen Leute , sprach alle Sprachen zugleich und erzählte , heftig gestikulirend und im völligen Ernste , die Geschichte einer heftigen Leidenschaft , welche vor einigen Jahren eine Nepotessa des Papstes für ihn gefühlt hatte . Dabei erwähnte er der mannichfachen Gefahren , deren er sich ausgesetzt gesehen , um ihr und den Verfolgungen ihrer mächtigen Verwandten in Rom zu entgehen . Die jungen Herren um ihn her stürmten mit Fragen auf ihn ein ; er wußte für alle eine Antwort , löste alle Zweifel , die man ihm in den Weg warf ; das Lachen , der Lärmen wurden bald lauter , als man es in einer solchen Assemblée hätte erwarten sollen . Hippolit nahm recht herzlichen Antheil daran , als plötzlich erst ein leises Geflüster , dann ein allmähliges Verstummen in dem Kreise entstand . Die , so den lebhaftesten Antheil an den Neckereien genommen , welche man an dem alten Herrn ausgeübt hatte , begannen , sich leise davon zu schleichen , die übrigen nahmen sich sichtbar zusammen und standen dann in etwas feierlich verlegener Fassung ; alles verkündete den Eintritt einer allgemein geachteten Person . Hippolit suchte mit den Augen den Gegenstand , der diese plötzliche Umstimmung des Tones verursacht haben mochte und erblickte die Gräfin , welche eben eine Dame hereinführte , deren anmuthige und doch würdevolle Haltung und seltne Schönheit ihm gleich in ihr die lang Erwartete errathen ließ . Vor dem Zauberton ihrer Stimme , in dem sie einige ihr nahestehende Bekannte anredete , war plötzlich jede Spur wilder Lustigkeit verschwunden . Selbst als der alte dicke Herr mit dem Ausruf : » ma femme , ma petite femme vous voilà ! « auf sie lossprang , um sie zu begrüßen , wagte es niemand , den Mund zu einem spöttischen Lächeln zu verziehen . » Die ist es ? « flüsterte Hippolit der Gräfin zu , und diese beantwortete seine Frage , indem sie ihn erst Gabrielen vorstellte und dann ihn mit Adelberten bekannt machte , welcher Geschäfte halber Gabrielen und Herrn von Aarheim in die Residenz begleitet hatte . Hippolit vermochte von nun an nicht , sein Auge von Gabrielen zu verwenden ; er sah , wie mehrere Bekannte , Männer und Frauen herbeieilten , um die lang Entbehrte zu begrüßen , wie alles um sie sich drängte , als sey mit ihr die Seele der Gesellschaft heimgekehrt . Moritz wich nicht von der Seite Gabrielens , rieb immerfort freudig die Hände an einander und brach in tausenderlei Redensarten aus , auf welche niemand achtete , obgleich die meisten mit ma femme dit , oder ma femme sait , anfingen . Der leise Schmerz , der dabei in Gabrielens Lippen fast unmerkbar zuckte , die ängstliche Röthe , welche , schnell entstehend und entschwindend , ihr Wange , Hals