aber ich verrate Euch ein schreckliches Geheimnis und wenn Ihr es nicht bewahrt , so trifft mich gar bald die Rache der boshaften Gesellen der Kronenwächter . Habt Ihr je von Hohenstock gehört ? « - » Freilich « , sagte Anna sehr gespannt , » Gott sei jedem gnädig , der da zu hausen gezwungen ist . « - » Da erlebte ich frohe Tage « , antwortete Anton , » mein Vater war wohl zuweilen sinnlos , aber immerdar sehr gut gegen mich und Konrad , meinen Bruder . Zwischen uns beiden hatte es eine sonderbare Bewandtnis . Der Vater hatte alle seine Kinder verloren , wir waren spät nachgeborne Zwillinge . Die Freude über uns verwandelte sich in tiefe Trauer , als die gute Mutter nach der schweren Geburt ihr Leben aufgab . So wurden wir , die erst so eifrig ersehnt worden , ganz vernachlässigt . Wir wurden in den ersten Lebenstagen einander so ähnlich , daß wir mit einander verwechselt wurden und daß bald keiner wußte , wer von uns zuerst geboren , wer von uns beiden in der Nottaufe den Namen Anton und welcher den Namen Konrad erhalten hatte . So trieb der Teufel mit uns sein Spiel und wir wußten lange nichts davon , denn es sollte verheimlicht bleiben , daß wir einander nicht anfeindeten . Das hatten sie nicht nötig zu befürchten , wir beiden Brüder waren so unzertrennlich von einander auf der Welt , wie im Mutterleibe und als Konrad die Geschichte einmal von den Kronenwächtern abgehorcht hatte und daß sie den stärksten von uns für den ältesten erklären wollten , da gab ich kaum darauf Achtung . Ich dachte gar nicht , daß diese Entscheidung für mich Folgen habe , daß ich meinem Konrad so bald entrissen werde . Aber einige Tage später ward ich in der Mitternachtsstunde von Geharnischten aus dem Bette genommen , in einen Mantel eingeschlagen und auf ein Pferd gebunden . Das war eine Schreckensnacht , es ging so eilig fort daß die durstenden Pferde kaum ihre Zungen in den Quellwassern kühlen durften , durch die wir ritten . Wir stiegen von den Pferden , da ging ' s über Höhen , in unterirdischen Gängen durch die Felsen über Gewässer . Die Augen wurden mir zugebunden und als mir die Binde abgenommen , saß ich einsam mit einem Löwen in einem blühenden , kleinen Garten . Ich war in der Kronenburg , wer könnte sie Euch beschreiben ! Aber alle ihre Wunder erfreuten mich wenig : der Löwe ward mir gleichgültig , ich schrie nach meinem Konrad , weil ich ohne ihn nicht spielen konnte . Konrads Mutwille war unerschöpflich im Erfinden von allerlei Streichen , die ich ihm ausführen mußte ; ich schwor , daß ich nichts essen , daß ich zu ihrem Gram verhungern wolle , wenn sie mir Konrad nicht schafften . Als sie meinen Ernst merkten , beratschlagten sie unter einander . Nach wenig Tagen ward Konrad in meine Arme geführt . Nun war es eigen , wie sich Konrad in den wenigen Tagen geändert hatte ! Es mochte ihn kränken , daß ich als der älteste anerkannt worden , er mochte gar nicht davon sprechen , er sah mich scheu an . Da ich mir alle Mühe gab , ihm zu versichern , daß , wenn ich erst erwachsen , wir Krone und Burg mit einander teilen wollten , so wurde er mutwillig , wie er gewesen . Wir spielten den Kronenwächtern manchen Streich , bemalten ihnen die Gesichter , wenn einer einschlief , schmierten dem Löwen Butter auf die Nase , daß er tagelang danach leckte , kratzten allerlei Fratzenbilder in die gläsernen Wände . Er war unerschöpflich in solcher Erfindung und ich in der Ausführung und niemals verriet ich ihn , sondern ertrug die Hiebe mit der Klinge ganz allein , die mir dafür von den Kronenwächtern zuerkannt wurden . - So vergingen ein paar Jahre , in denen sie mich und Konrad zu allen Künsten und Kunststücken einübten . Die Türme kletterte ich in die Höhe als wäre ich ein Eichhörnchen , eben so die Felsen umher , ich konnte mit den Fischen um die Wette schwimmen und tauchen . In dem allen war ich Konrad überlegen , aber um ihn nicht zu kränken , verbarg ich gar oft , daß ich mehr als er leisten konnte ; was konnte er dafür , daß ihm der Himmel nicht so viel Kraft und Ausdauer verliehen hatte . Eines Tages kam ein Geflüster unter die Kronenwächter , wir wurden beide in ihre Mitte berufen . Sie erklärten uns , daß der Tag gekommen sei , uns zu bewähren , unsern Feind zu vernichten , der Kaiser Maximilian habe sich in unser Gebirge gewagt und stehe dort auf einem Felsgrat , er würde uns vernichten , wenn wir nicht den Mut hätten , ihn herab zu stürzen ; als Wahrzeichen der Tat sollten wir sein Schwert , das Schwert Karls des Großen , dessen er sich angemaßt , dem Zerschmetterten abnehmen und heimbringen . Konrad sagte , der Felsgrat sei zu steil und unersteiglich , ich zeigte mich gleich mutig zu dem Unternehmen , der Kaiser war mir durch die Erzählungen der Kronenwächter zu einem Drachen verfabelt , den zu vernichten höchstes Verdienst schien . Als Konrad mich bereit sah , ging er zagend mit , kehrte aber wieder um , als er den steilen Felsen vor sich sah . Ich kletterte ohne Sorgen hinauf , wo der Kaiser sich verstiegen hatte , und sah ein mildes Antlitz im Gebet ergossen , in seinen Untergang ergeben , und doch voll Vertrauen zum Himmel . Solch einem Antlitz widerstehe , wer aus Felsen gehauen , ich beschloß den Kaiser zu retten , führte ihn zu einem Wege , den ich beim Jagen kennen gelernt hatte , und erbat mir zur Belohnung sein Schwert . Er streichelte mich mit der Hand , küßte das Schwert und gab es mir . Mit diesem kam