! und ging zaudernd wieder hinein . - Auf dem Zettel stand mit Bleistift der Name einer Kirche aufgeschrieben . Ich begab mich am Morgen zu der benannten Kirche und sah das Mädchen wirklich zur bestimmten Stunde mit einer ältlichen Frau , die ihre Vertraute schien , schon von weitem die Straße heraufkommen . Ich erschrak fast vor Freuden , so überaus schön war sie geworden . Als sie mich ebenfalls erblickte , wurde sie rot vor Scham über die vergangene Nacht und schlug den Schleier fest über das Gesicht . Auf dem Wege und in der Kirche erzählte sie mir nun ungestört , daß sie schon lange wieder in Italien zurück seien , daß ihr Vater , da ihre Mutter bei ihrer Geburt in Todesnot war , das feierliche Gelübde getan , sie , Angelina , als Klosterjungfrau dem Himmel zu weihn , und daß der dazu bestimmte Tag nicht mehr fern sei . - Das verliebte Mädchen sagte dies mit Tränen in den Augen . Wir kamen darauf noch oft , bald in der Kirche , bald in der Nacht am Balkon zusammen ; der Tag , wo Angelina aus dem väterlichen Hause fort ins Kloster sollte , rückte immer näher heran , und wir verabredeten endlich , miteinander zu entfliehn . In der Nacht , die wir zur Flucht bestimmt hatten , trat sie , mit dem Notwendigsten versehen und reich geschmückt wie eine Braut , hervor . Die heftige Bewegung , in der ihr Gemüt war , machte ihr Gesicht wunderschön , und ich sehe sie in diesem Zustande , in diesem Kleide , noch wie heute vor mir stehn . Sie war noch in ihrem Leben nicht um diese Zeit allein auf der Gasse gewesen , sie wurde daher noch im letzten Augenblick von neuem schüchtern und halb unschlüssig ; sie weinte und fiel mir um den Hals . Ich faßte sie endlich um den Leib und trug sie in den Kahn , den ich im Golf bereithielt . Ich stieß schnell vom Ufer ab , das Segel schwoll im lauen Winde , der Halbkreis der erleuchteten Fenster versank allmählich hinter uns , und wir befanden uns allein auf der stillen , unermeßlichen Fläche . Die Liebe hatte sie nun ganz in meine Gewalt gegeben . Sie wurde nun ruhig . Innerlichst fröhlich , aber still saß sie fest an mich gedrückt und sah mit den weit offenen , sinnigen Augen unverwandt ins Meer hinaus . Ich bemerkte , daß sie oft heimlich zusammenschauerte , bis sie endlich ermüdet einschlummerte . Da rauschte plötzlich ein Kahn mit mehreren Leuten und Fackelschein vorüber nach Venedig zu . Der eine von ihnen schwang eben seine Fackel und ich erblickte bei dem flüchtigen Scheine den unbekannten , wunderbar mit mir verknüpften Fremden wieder , der mitten im Kahne aufrecht stand . Ich fuhr unwillkürlich bei dem Anblick zusammen , und höchst seltsam , obschon die ganze Erscheinung ohne das mindeste Geräusch vorübergeglitten war , so wachte doch Angelina in demselben Augenblicke von selber auf und sagte mir erschrocken , es habe ihr etwas Fürchterliches geträumt , sie wisse sich nun aber nicht mehr darauf zu besinnen . Ich beruhigte sie und sagte ihr nichts von dem Begegnis , worauf sie denn bald von neuem einschlief . Ein lauter Freudenschrei entfuhr ihrer Brust , als sie nach einigen Stunden die hellen Augen aufschlug , denn die Sonne ging eben prächtig über der Küste von Italien auf , die in duftigem Wunderglanze vor uns dalag . Es war der erste überschwengliche Blick des jungen Gemütes in das freie , lüstern lockende , reiche , noch ungewisse Leben . Wir stiegen nun ans Land und setzten unsre Reise zu Pferde nach Rom fort . Dieses Ziehen in den blauen , lieblichen Tagen über grüne Berge , Täler und Flüsse , rollt sich noch jetzt blendend vor meiner Erinnerung auf , wie ein mit prächtig glänzenden , wunderbaren Blumen gestickter Teppich , auf dem ich mich selbst als lustige Figur mit bunt geflickter Narrenjacke erblicke . In Rom nisteten wir uns in einem entlegenen Quartiere der Stadt ein , wo uns niemand bemerkte . Wir führten einen wunderlichen , ziemlich unordentlichen Haushalt miteinander , denn Angelina gewöhnte sich sehr bald auch an das freie , sorglose Künstlerwesen . Sie hatte , gleich als wir ans Land stiegen , Mannskleider anlegen müssen , um nicht erkannt zu werden , und ich gab sie so für meinen Vetter aus . Die Tracht , in der sie mich nun auch frei auf allen Spaziergängen begleitete , stand ihr sehr niedlich ; sie sah oft aus wie Correggios Bogenschütz . Sie mußte mir oft zum Modell sitzen , und sie tat es gern , denn sie wußte wohl , wie schön sie war . Damals wurden meine Gemälde weniger hart , angenehmer und sinnreicher in der Ausführung . Indes entging es mir nicht , daß Angelina anfing mit der Mädchentracht nach und nach auch ihr voriges mädchenhaftes , bei aller Liebe verschämtes Wesen abzulegen , sie wurde in Worten und Gebärden kecker , und ihre sonst so schüchternen Augen schweiften lüstern rechts und links . Ja , es geschah wohl manchmal , wenn ich sie unter lustige Gesellen mitnahm , mit denen wir in einem Garten oft die Nacht durchschwärmten , daß sie sich berauschte , wo sie dann mit den furchtsam dreisten Mienen und glänzend schmachtenden Augen ein ungemein reizendes Spiel der Sinnlichkeit gab . Weiber ertragen solche kühnere Lebensweise nicht . - Ein Jahr hatten wir so zusammengelebt , als mir Angelina eine Tochter gebar . Ich hatte sie einige Zeit vorher auf einem Landhause bei Rom vor aller Welt Augen verborgen , und auf ihr eigenes Verlangen , welches meiner Eifersucht auffiel , blieb sie nun auch noch lange nach ihrer Niederkunft mit dem Kinde dort . - Eines Morgens , als ich eben von Rom hinkomme , finde ich alles leer . - Das alte Weib , welches das Haus hütete ,