befangenen Jünglingen , die sich seine Freunde nannten , noch an demselben Abende sein Hochzeitsfest mit dem fremden Weibe nach heidnischen Gebräuchen beging . Es fand sich , daß das Weib eine Kiste mit Kleinodien und barem Gelde mitgebracht hatte , und Francesko lebte mit ihr , in sündlichen Genüssen schwelgend und seiner Kunst entsagend , lange Zeit hindurch . Das Weib fühlte sich schwanger und blühte nun erst immer herrlicher und herrlicher in leuchtender Schönheit auf , sie schien ganz und gar das erweckte Venusbild , und Francesko vermochte kaum , die üppige Lust seines Lebens zu ertragen . Ein dumpfes angstvolles Stöhnen weckte in einer Nacht den Francesko aus dem Schlafe ; als er erschrocken aufsprang und mit der Leuchte in der Hand nach seinem Weibe sah , hatte sie ihm ein Knäblein geboren . Schnell mußten die Diener eilen , um Wehmutter und Arzt herbeizurufen . Francesko nahm das Kind von dem Schoße der Mutter , aber in demselben Augenblick stieß das Weib einen entsetzlichen , durchdringenden Schrei aus und krümmte sich , wie von gewaltigen Fäusten gepackt , zusammen . Die Wehmutter kam mit ihrer Dienerin , ihr folgte der Arzt ; als sie nun aber dem Weibe Hilfe leisten wollten , schauderten sie entsetzt zurück , denn das Weib war zum Tode erstarrt , Hals und Brust durch blaue , garstige Flecke verunstaltet , und statt des jungen schönen Gesichts erblickten sie ein gräßlich verzerrtes runzliges Gesicht mit offnen herausstarrenden Augen . Auf das Geschrei , das die beiden Weiber erhoben , liefen die Nachbarsleute hinzu , man hatte von jeher von dem fremden Weibe allerlei Seltsames gesprochen ; die üppige Lebensart , die sie mit Francesko führte , war allen ein Greuel gewesen , und es stand daran , daß man ihr sündhaftes Beisammensein ohne priesterliche Einsegnung den geistlichen Gerichten anzeigen wollte . Nun , als sie die gräßlich entstellte Tote sahen , war es allen gewiß , daß sie im Bündnis mit dem Teufel gelebt , der sich jetzt ihrer bemächtigt habe . Ihre Schönheit war nur ein lügnerisches Trugbild verdammter Zauberei gewesen . Alle Leute , die gekommen , flohen erschreckt von dannen , keiner mochte die Tote anrühren . Francesko wußte nun wohl , mit wem er es zu tun gehabt hatte , und es bemächtigte sich seiner eine entsetzliche Angst . Alle seine Frevel standen ihm vor Augen , und das Strafgericht des Herrn begann schon hier auf Erden , da die Flammen der Hölle in seinem Innern aufloderten . Des andern Tages kam ein Abgeordneter des geistlichen Gerichts mit den Häschern und wollte den Francesko verhaften , da erwachte aber sein Mut und stolzer Sinn , er ergriff seinen Stoßdegen , machte sich Platz und entrann . Eine gute Strecke von Rom fand er eine Höhle , in die er sich ermüdet und ermattet verbarg . Ohne sich dessen deutlich bewußt zu sein , hatte er das neugeborne Knäblein in den Mantel gewickelt und mit sich genommen . Voll wilden Ingrimms wollte er das von dem teuflischen Weibe ihm geborne Kind an den Steinen zerschmettern , aber indem er es in die Höhe hob , stieß es klägliche bittende Töne aus , und es wandelte ihn tiefes Mitleid an , er legte das Knäblein auf weiches Moos und tröpfelte ihm den Saft einer Pommeranze ein , die er bei sich getragen . Francesko hatte , gleich einem büßenden Einsiedler , mehrere Wochen in der Höhle zugebracht und , sich abwendend von dem sündlichen Frevel , in dem er gelebt , inbrünstig zu den Heiligen gebetet . Aber vor allen andern rief er die von ihm schwer beleidigte Rosalia an , daß sie vor dem Throne des Herrn seine Fürsprecherin sein möge . Eines Abends lag Francesko , in der Wildnis betend , auf den Knien und schaute in die Sonne , welche sich tauchte in das Meer , das in Westen seine roten Flammenwellen emporschlug . Aber sowie die Flammen verblaßten im grauen Abendnebel , gewahrte Francesko in den Lüften einen leuchtenden Rosenschimmer , der sich bald zu gestalten begann . Von Engeln umgeben sah Francesko die heilige Rosalia , wie sie auf einer Wolke kniete , und ein sanftes Säuseln und Rauschen sprach die Worte : » Herr , vergib dem Menschen , der in seiner Schwachheit und Ohnmacht nicht zu widerstehen vermochte den Lockungen des Satans . « Da zuckten Blitze durch den Rosenschimmer , und ein dumpfer Donner ging dröhnend durch das Gewölbe des Himmels : » Welcher sündige Mensch hat gleich diesem gefrevelt ! Nicht Gnade , nicht Ruhe im Grabe soll er finden , solange der Stamm , den sein Verbrechen erzeugte , fortwuchert in freveliger Sünde ! « - - Francesko sank nieder in den Staub , denn er wußte wohl , daß nun sein Urteil gesprochen und ein entsetzliches Verhängnis ihn trostlos umhertreiben werde . Er floh , ohne des Knäbleins in der Höhle zu gedenken , von dannen und lebte , da er nicht mehr zu malen vermochte , im tiefen , jammervollen Elend . Manchmal kam es ihm in den Sinn , als müsse er zur Glorie der christlichen Religion herrliche Gemälde ausführen , und er dachte große Stücke in der Zeichnung und Färbung aus , die die heiligen Geschichten der Jungfrau und der heiligen Rosalia darstellen sollten ; aber wie konnte er solche Malerei beginnen , da er keinen Skudo besaß , um Leinwand und Farben zu kaufen , und nur von dürftigen Almosen , an den Kirchentüren gespendet , sein qualvolles Leben durchbrachte ? Da begab es sich , daß , als er einst in einer Kirche , die leere Wand anstarrend , in Gedanken malte , zwei in Schleier gehüllte Frauen auf ihn zutraten , von denen eine mit holder Engelsstimme sprach : » In dem fernen Preußen ist der Jungfrau Maria , da , wo die Engel des Herrn ihr Bildnis auf einen Lindenbaum niedersetzten , eine Kirche erbaut worden , die noch des Schmuckes der