trugen unser gemeinschaftliches Schicksal gelassen , und hielten uns stille , besonders den heutigen Tag , an dem jedem klugen Manne Vorsicht ziemte . Gegen Abend verließ mich Agathokles , um noch vor Einbruch der Nacht in sein ziemlich fernes Quartier zu gelangen . Ein einziger Sclave begleitete ihn , Mantel und Kappe verbargen seine Kleidung und seinen Stand , und ein kurzes Schwert war seine ganze Sicherheit . Auf dem Weg trifft ein verwirrter Lärmen und klagende Stimmen sein Ohr . Bekannt mit den Auftritten des heutigen Tages eilt er dem Getöse zu , und findet einen Haufen Soldaten und Pöbel schreiend , tobend um den Altar einer heidnischen Gottheit vor einem kleinen Tempel versammelt , die im Begriffe sind , ein armes Weib mit einem Kind zum Genuß des Opferfleisches , das ihnen ein fanatischer Götzendiener aufdringt , zu zwingen . Die Unglückliche weigert sich standhaft . Jetzt entreißt einer der Barbaren ihr das Kind , und droht , es in die Opferflamme zu werfen . Die Verzweiflung der Mutter , das Angstgeschrei des Kindes durchdringen Agathokles Brust , und rißen ihn hin , zu thun , was die Klugheit nimmer billigen konnte . Er drängt sich in den Kreis , er ruft ihnen im Namen des Kaisers Friede zu , er stellt ihnen vordaß das Edict nur Unterlassung der christlichen Gebräuche , aber nicht die Annahme der heidnischen befehle . Wann hört der Pöbel die Stimme der Vernunft ? Sie übertäuben seine Rede , und schleppen das Weib bei den Haaren zum Altar . Da übermannt ihn der Zorn , er entreißt dem Soldaten das Kind , gibt es der Mutter , und vertheidigt sie und den Kleinen gegen das Andringen der Wüthenden . Aber die Menge wächst jeden Augenblick . Von der Frau und dem Kinde weg , wendet sich ihre Raserei auf den neuen Gegenstand . Mit Spießen , Schwertern und allerlei Geräthe , womit Zufall und blinder Zorn den Unverstand bewaffnet , dringen sie auf ihn ein . Er übergibt die Unglückliche , deren Rettung ihn vielleicht sein Leben kosten wird , dem Sclaven , der ihn begleitet . Dieser will seinen Herrn nicht verlassen ; ein strenger Befehl gebeut Gehorsam , und man läßt ihn mit seinen Geretteten ungehindert fliehen . Aber Agathokles wird das Opfer ihrer Wuth . Schwer und vielfach verwundet sinkt er nieder , und wie sein Mantel sich auseinander schlägt - erkennen die Nächsten mit Schrecken , daß sie einen Offizier der Leibwache getödtet haben . Sie entfliehen , der erschrockene Haufe zerstreut sich . Agathokles bleibt allein im Blute schwimmend liegen . Der Sclave war sogleich in das Quartier seines Herrn geeilt , und verkündete den treuen Soldaten die Gefahr ihres Anführers . Sie stürmen hinaus - aber wie sie auf den Platz kommen , ist Alles einsam , und mit Schrecken und Schmerz finden sie seine Leiche . Sie nähern sich - er athmet noch , mit roher Kunst sucht ihre Liebe das Blut seiner vielen Wunden zu stillen , und einige von den Soldaten , geheime Christen , beschließen , ihn an den besten Ort , den sie für diesen Fall kennen , zu bringen , in das Wittwenhaus der Christen , die sich in der Nähe der Stadt mit Werken der Wohlthätigkeit beschäftigen , und bei denen in diesen Tagen schon mancher Unglückliche Schutz gefunden hat . Die Wachen am Thor lassen sie ziehen , da sie ihr Vorhaben hören , und nun eilt der Sclave zurück , mir die Unglücksbotschaft zu bringen . Mir öffnet mein Name die geschlossenen Stadtthore , ich fliege zu meinem Freund . Bleich , ohne Bewegung , ohne Bewußtseyn finde ich ihn unter den Händen zweier Frauen , von denen die jüngere , in Thränen zerfließend , kaum so viel Besonnenheit übrig hatte , um den Verwundeten zu behandeln . Nie sah ich eine solche Rührung bei einer Unbekannten . Ich trat zu Agathokles , ich faßte seine Hand , ich nannte seinen Namen , endlich schlug er das müde Auge auf , blickte starr um sich her , ohne etwas zu erkennen , und schloß es sogleich wieder . Jetzt schien die Bewegung der Fremden sich noch zu vermehren , sie zitterte so stark , daß ich ihr rieth , sich lieber zu entfernen , wenn ihr der Anblick vielleicht zu schauderhaft wäre . Sie sah mich starr und wild an . » Um keinen Preis der Welt - nicht um meine Seligkeit ! « antwortete sie heftig mit bebender Stimme , und fuhr emsiger in ihrem traurigen Geschäft fort . Der Arzt kam , ein bejahrter Priester , er untersuchte die Wunden , mit Angst sah ich seinem Urtheil entgegen . Blässer als der Verwundete , mit einem Zittern , das ihren ganzen Körper fieberhaft erschütterte , harrte die Frau auf seinen Ausspruch . Er erklärte endlich , daß die Wunden zwar bedenklich , aber nicht tödtlich seyen . Hier sank die Unbekannte mit einem Freudengeschrei ohnmächtig nieder , und man mußte sie wegbringen . Ich blieb noch eine Weile , ich erkundigte mich nach der Fremden , deren Betragen mir so seltsam aufgefallen war . Nichts , was ich hörte , vermochte mir eine Aufklärung zu geben , oder eine Vermuthung zu begründen . Agathokles erholte sich nicht so weit , daß er eines vollen Bewußtseyns fähig gewesen wäre , und so entfernte ich mich endlich , um nicht meine eigne Sicherheit in Gefahr zu setzen , und schreibe dir also gleich die Ereignisse dieses merkwürdigen Tages . Was in meiner Seele vorgeht , kannst du denken ; du weißt , was mir die Sache meiner Glaubensgenossen , meine künftigen Aussichten - und Agathokles sind . Die Nacht ist vorgerückt - der Bote wartet . Leb ' wohl ! 70. Theophania an Junia Marcella . Nikomedien , den 24. Februar 303 . Zitternd , angstvoll , jetzt mit freudigen Schauern , jetzt voll banger Besorgnisse setze ich mich nieder , dir von dem wunderbarsten , dem