» Nun , Sie können ja bald mündlich Abbitte leisten , « spottete Robert . » Malen Sie meine Unthat so schwarz als möglich , ich habe nichts dagegen . – Frau von Wilkow ist also noch in Konstantinopel ? « » Jawohl , und sie beabsichtigt noch einige Wochen dort zu bleiben . Ich erwarte jetzt bestimmte Nachricht darüber , ich schrieb ihr vor acht Tagen , gerade an dem Tage , wo Sie mit dem Pferde gestürzt waren . « Adlau , der eben im Begriff war , das Glas zum Munde zu führen , setzte es jäh und heftig wieder hin . » Sie haben das doch nicht etwa geschrieben ? « Rottenstein geriet etwas in Verwirrung , Er hatte es allerdings seiner Tochter geschrieben , sogar am Abend des Tages , an dem der Unfall stattgefunden hatte . Dieser zornigen Frage gegenüber wagte er es aber nicht , das einzugestehen , und deshalb klang seine Antwort sehr diplomatisch : » Wenn Sie es nicht wünschen , werde ich in meinem nächsten Briefe nichts davon erwähnen . « » Ich bitte ausdrücklich darum . Man hat in Konstantinopel schwerlich Interesse für solche Dinge , wenn man sich in so vortrefflicher Gesellschaft befindet . « Die Worte klangen in herbster Bitterkeit , aber der Geheimrat hielt es für besser , die Anspielung nicht zu verstehen . » Elfriede ist allerdings in guter Gesellschaft , « sagte er mit anscheinender Unbefangenheit . » Ich erzählte Ihnen ja , daß sie in Kairo mit Mister und Mistreß Thornton zusammentraf , der englischen Familie , bei der sie im Sommer zum Besuch war . Sie hatten schon damals dies Zusammentreffen verabredet und machten nun gemeinschaftlich die ganze Reise . « » Mit dem unvermeidlichen Anhängsel , dem geistreichen Herrn Ferdinand Wellborn ? « » Ja , den scheinen sie allerdings nicht losgeworden zu sein ! Von Aegypten ist er mit nach Palästina gegangen , von da nach Konstantinopel , und ich bin überzeugt , er taucht auch in der Schweiz auf . Ich fürchte jetzt auch , er steuert auf ein ganz bestimmtes Ziel los , und solch ein unermüdliches und beharrliches Werben wirkt schließlich bei jeder Frau . Elfriede besonders ist unberechenbar in mancher Hinsicht . Wenn sie sich wirklich überreden ließe , ihr Jawort zu geben , dann – « Robert stand plötzlich auf und griff nach seinem Hute . » Dann verdient sie einen solchen Gatten , « sagte er mit äußerster Schroffheit . » Ich wünsche der gnädigen Frau Glück dazu . « » Sie wollen schon fort ? « fragte Rottenstein bestürzt . Er war ärgerlich auf sich selbst , er wußte es ja längst , daß Adlau die Berührung dieses Punktes nun einmal nicht vertrug , und hatte sich doch dazu verleiten lassen . » Sie sind ja kaum eine halbe Stunde hier gewesen , « fuhr er bittend fort . » Haben Sie es denn so eilig ? « » Jawohl , ich will noch nach dem Reichenauer Forste und mir den dortigen Bestand ansehen . Das Waldrevier soll verkauft werden , es wurde mir angeboten und es liegt mir sehr bequem . Da heißt es , sich rasch entschließen und zugreifen . Also auf Wiedersehen ! « Er ging nach flüchtigem Gruße ; der alte Herr blickte ihm nach und schüttelte den Kopf . » Er kann ' s nicht verwinden – trotz alledem ! « sagte er halblaut . » Er wirtschaftet zwar in Brankenberg herum , daß einem Hören und Sehen vergeht , aber Freude hat er nicht daran , und dies Einsiedlerleben kommt auch nur von dem Groll und der Verbitterung her . Ja ja , Friedel , den Robert hast du auf dem Gewissen ! « Ob Elfriede wirklich so ganz gleichgültig war gegen die Nachricht , die er ihr geschrieben hatte ? Man hatte ihn damals mit der Schreckensbotschaft vom Schreibtische fortgerufen , und als er zurückkam , noch ganz unter dem ersten Eindruck des Unfalls , der im Anfange gefährlich genug schien , hatte er nur eine Nachschrift unter den halb vollendeten Brief gesetzt : » Ich komme eben von Brankenberg , wo Robert schwer verwundet liegt . Ein Sturz mit dem Pferde – es steht leider alles zu befürchten ! « Das war ja nun glücklicherweise ganz anders gekommen , aber antworten mußte man doch wenigstens auf eine derartige Meldung . Der Geheimrat sah allein bei seinem Glase , aber der Wein schmeckte ihm nicht mehr , und er versank in trübe Gedanken . Nun kam der Sommer , die schönste Zeit am Rhein , und andere kamen aus weiter Ferne , um das zu genießen , aber er selbst mußte sein behagliches Heim verlassen und auswandern , nach der großen , von Menschen überfüllten Sommerfrische der Schweiz . Es blieb ihm ja nichts anderes übrig , wenn er sein einziges Kind wiedersehen wollte . Elfriede hatte ihm in ihren Briefen mit vollstem Nachdruck wiederholt , sie werde nie wieder Lindenhof betreten , solange der Herr von Brankenberg in seinem Schlosse wohne . Bei der Nähe der beiden Orte hätte sich allerdings eine Begegnung nicht vermeiden lassen ! Da hieß es also wieder monatelang in ungemütlichen Hotelzimmern wohnen und den ganzen Lärm des Reiseverkehrs aushalten , der dann auf seiner Höhe stand . Da ging es wieder Tag für Tag hinaus , auf alle möglichen Berggipfel , zu Pferd , zu Wagen , mit den Bahnen , eine ruhelose Hetzjagd vom Morgen bis zum Abend . Diesmal aber dachte der geplagte Vater nicht daran , durchzugehen , er hatte genug an dem einen Male . Er griff schließlich nach der Zeitung , um auf andere Gedanken zu kommen , und hatte wohl eine Stunde lang gelesen , da fuhr draußen am Gitterthor ein Wagen vor . Er sah auf : die beiden Koffer deuteten auf Fremde , und der Herr , der soeben ausstieg , schien auch den Kutscher nach dem Namen des Landhauses zu fragen